Impuls am Rande der Stadt

Rastatt (ema) – Im Bahnhofsviertel startet die Stadt mit finanzieller Förderung des Landes Baden-Württemberg ein neues Nachbarschaftsprojekt.

Farbtupfer als Projekt: Bürger gestalteten das Stadtwerke-Schalthaus in der Alten Bahnhofstraße. Foto: Mauderer

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Farbtupfer als Projekt: Bürger gestalteten das Stadtwerke-Schalthaus in der Alten Bahnhofstraße. Foto: Mauderer

Es ist ziemlich ruhig geworden um das am Rande gelegene Stadtquartier Bahnhof/Industrie/Beinle. Jetzt könnte ein vom Land Baden-Württemberg gefördertes Nachbarschaftsprojekt dem Viertel neue Impulse verleihen. Und auch ein städtebauliches Sanierungsprogramm hat man im Rathaus angeblich nicht aus den Augen verloren.
Wie können Menschen unterschiedlicher Kulturen und Altersgruppen nachbarschaftlich im Bahnhofsviertel miteinander leben? Was läuft gut? Und wo sehen Bewohner sowie Gewerbetreibende noch Entwicklungspotenzial? Im Rahmen des Förderprogramms „Nachbarschaftsgespräche. Zusammenleben – aber wie?“ des Landes Baden-Württemberg will die Stadt Rastatt gemeinsam mit den Anwohnern das Bahnhofsviertel entwickeln und Lösungsansätze zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen und dem Bedarf der Menschen finden. Sozialarbeiter Matthias Stickl von der Gemeinwesenarbeit Bahnhof/Industrie wird in einem ersten Schritt den persönlichen Kontakt zu den Anwohnern suchen und mit ihnen am morgigen Freitag von 13 bis 15 Uhr in der Bahnhofstraße in Höhe des Supermarktes Cevahir ins Gespräch gehen, teilt die Stadtverwaltung mit. Weitere Nachbarschaftsgespräche finden am Mittwoch, 15. Juli, von 13 bis 15 Uhr und Montag, 20. Juli, von 14 bis 16 Uhr jeweils in der Bahnhofstraße statt.

Land fördert Projekt

Die Ergebnisse der Nachbarschaftsgespräche wird Stickl sammeln und auswerten. Im Herbst soll es dann eine weitere Veranstaltung geben, bei der Anwohner sowie Vertreter der Stadtverwaltung und des Gemeinderats Ziele und Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Bahnhofsviertels definieren. Bei der Umsetzung des Projekts, das die Landesregierung mit knapp 15.000 Euro fördert, wird die Gemeinwesenarbeit Bahnhof/Industrie vom Gewerbeverein RA3 und dem Stadtberatungsbüro Dr. Sven Fries aus Ostfildern unterstützt.

Eigentlich hätte sich in dem Gebiet auch städtebaulich längst etwas tun sollen. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten 2009 die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ (SSP) angestrebt. Doch daraus wurde nichts. Das Projekt „südliche Innenstadt“ hatte Vorfahrt; derzeit legt sich die Stadtverwaltung mit der Landesgartenschau ins Zeug. Als Grünen-Fraktionschef Roland Walter vor einigen Monaten nachhakte, ob noch mit einem Engagement im Gebiet Bahnhof/Industrie im Rahmen des baden-württembergischen Städtesanierungsprogramm zu rechnen sei, erklärte OB Hans Jürgen Pütsch, man habe das Thema nicht aus den Augen verloren. Man müsse mit dem Land wegen Fördergeldern sprechen. Im Gespräch waren schon die Schaffung einer Kindertagesstätte (unter Beteiligung von Firmen) und eine Anbindung ans Dörfel und den Schwalbenrain über eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke, um die Isolation des Stadtteils zu überwinden.

Besonderer Charakter

Der Bereich Bahnhof/Industrie ist durch einen besonderen Charakter und ein negatives Image geprägt: Rund 3.900 Einwohner leben im Bereich Bahnhof/Industrie – fast zwei Drittel davon sind Menschen mit ausländischen Wurzeln. Sprachschwierigkeiten von Eltern und Kindern führen oft zu Rückzug und Isolation. Häuser und Wohnungen sind stark sanierungsbedürftig, was zu günstigen Mieten führe und überwiegend Menschen mit geringem Einkommen anziehe, so eine Analyse der Stadtverwaltung. Eine soziale Infrastruktur (Schule, Kirchen, Gemeindezentren) oder andere identitätsstiftende und gemeinschaftsfördernde Einrichtungen fehlen. Von einem gewachsenen Stadtteil könne also keine Rede sein.

Bewegung entstand, als die Stadt im Jahr 2014 in der Rauentaler Straße ein Stadtteilbüro der Gemeinwesenarbeit eröffnete. Mit Matthias Stickl fand sich ein Sozialarbeiter, der die Fühler ausstreckte und Angebote schuf. Schlagzeilen schrieb das Projekt „interkultureller Garten“, das vor fünf Jahren ebenfalls vom Land Baden-Württemberg gefördert worden war.


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