Impulsive Rhythmen, romantische Träumerei

Bühlertal (co) – Jürgen Brügel und Roland Jung haben auf dem Brunnenplatz in Bühlertal ein Konzert veranstaltet. Dieses fand innerhalb der Reihe „Live im Gewölbekeller“ statt.

Das faszinierte Publikum spendet jede Menge Applaus für die temperamentvolle Musik des international besetzten Quintett.  Foto: Cornelia Hecker-Stock

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Das faszinierte Publikum spendet jede Menge Applaus für die temperamentvolle Musik des international besetzten Quintett. Foto: Cornelia Hecker-Stock

Mit der Formation Hot Club du Nax aus Innsbruck servierten Jürgen Brügel und Roland Jung mit ihrem Team einen ganz besonderen musikalischen Leckerbissen in der Reihe „Live im Gewölbekeller“ in Bühlertal.

Dies war wohl das letzte Mal für diese Open-Air-Saison auf dem Brunnenplatz beim Haus des Gastes. Über den zwar ein ungemütlicher Wind fegte, doch der heiße Gypsy Swing dieser fantastischen Formation ließ das Frösteln völlig vergessen.

Gefunden haben sich die Vollblutmusiker während lustvoller nächtlicher Jamsessions bis in den frühen Morgen in ihrer namensgebenden Innsbrucker Lieblingsbar Nax. Mit der Londoner Sängerin Isobel Cope, dem Prager Geiger Tomas Novak, Dario Michele Gurrado aus Bologna am Kontrabass sowie den beiden Innsbrucker Gitarristen Arian Kindl und Lukas Bamesreiter hat das virtuose Quintett im Vorjahr sein Debütalbum „Love is where you hang your hat“ herausgebracht.

Ihre Musik orientiert sich an dem prägenden Gitarristen Django Reinhardt, der als Vorreiter des europäischen Jazz gilt, und seinem kongenialen Partner, dem Jazzgeiger Stéphane Grappelli, die im Paris der 30er Jahre das Quintette du Hot Club du France gründeten. Impulsive Rhythmen, gepaart mit romantischer Träumerei und schwärmerischer Sehnsucht, dieses traditionelle Gypsy-Genre verfeinert Hot Club du Nax neben den Klassikern mit Eigenkompositionen, die alle das Zeug zu Ohrwürmern haben. Das Charisma der Bandleader teilten sich Sängerin Isobel Cope mit ihrer faszinierend eindringlichen, lasziv-verruchten Stimme, die so wunderbar zu diesem Stil passte, und Tomas Novak an der Violine. Cope sang sehr akzentuiert, voller verhaltener Leidenschaft wie in „How high the moon“, die aus dem Tschechen dagegen förmlich heraussprudelte. „Schwarze Augen“ intonierten beide gemeinsam, wobei hier sein großartiger, warmer Bariton voll schmelzender slawischer Sehnsucht die Akzente setzte. Da konnte er auch ganz zart geigen, kaum die Seiten berührend, voller Seufzen und Wehklagen. Lukas Bamesreiter übernahm hier kurz die Führung in einem Solo, bis sich die Violine zu einem rasanten Schlussgalopp entschied. Novak war auch der aktivste Fingerschnipper des Abends, etwa in dem Klassiker „Sweet Georgia Brown“, mit sinnlichem Geraffel auf Gitarren und Fiedel. Das faszinierte Publikum spendete für jedes der zahlreichen Soli begeisterten Zwischenapplaus.

Lyrische, fast schon poetische Stücke wechselten sich ab mit rein instrumentalen, explodierend temperamentvollen Passagen, wobei die Gitarren und der Bass das rhythmische Fundament für den fliegenden Bogen Novaks beim „Schmetterlingswalzer“ boten. Alle Eigenarten der Schmusetiger, einschließlich des Anschleichens auf leisen Pfoten, waren austariert bei „Everybody wants to be a cat“, eine romantische Ballade über die Höhenflüge der Liebe durfte auch nicht fehlen.

Bei Isobel Copes Komposition „Wonderlost“ mit dem Thema der Erhaltung der kindlichen Begeisterung bis ins hohe Alter schienen die Musiker beim fulminanten instrumentalen Mittelpart die Saiten schreddern zu wollen, während zuvor noch Walzerklänge ertönten. Beim letzten Song des Programms war Tomas Novak mit seiner kraftvollen und doch so melancholischen Stimme in seinem Element bei Texteinschüben auf Romani, der Sprache der Roma, und auf Slowakisch. Mit dem rhythmischen Straßenfeger „Joseph, Joseph“ endete dieses hinreißende Konzert.

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Erstellt:
21. September 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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