In Baden-Baden fehlen reiche Russen

Baden-Baden (BNN) – Einzelhändler in Baden-Baden sind sich einig: Die reichen Russen fehlen – aber nicht erst seit Kurzem. Kaufhaus-Chef Wagener ist sogar überzeugt: „Das wird uns alle treffen.“

Betrübt: Der Ukraine-Krieg geht der ukrainischstämmigen Verkäuferin Janina Fridman von der Boutique Gioia nah. Foto: Marie Orphal

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Betrübt: Der Ukraine-Krieg geht der ukrainischstämmigen Verkäuferin Janina Fridman von der Boutique Gioia nah. Foto: Marie Orphal

Reiche Touristen aus Russland spülen normalerweise Geld in die Kassen der Baden-Badener Händler, Gastronomen und Hotels. Doch die Zeiten sind nicht normal. Die Folgen des Ukraine-Kriegs sind spürbar.

Einst stieg der spätere russische Zar Alexander im Hotel Atlantic ab. Noch heute ist das Haus ein Magnet für gut betuchte Touristen aus Osteuropa. Sie nächtigen mit Vorliebe in der Zarensuite des Hauses, shoppen in den Luxus-Boutiquen der „Sommerhauptstadt Europas“ und spielen im Casino. „Die Russen lieben Baden-Baden, und wir lieben die Russen“, sagt Geschäftsführerin Ann-Katrin Schwemmle. Umso schwerer trifft der Krieg in der Ukraine das Hotel. Seit Beginn der Invasion und der EU-Sanktionen gegen Russland 2014 sei die Zahl der russischen Gäste zurückgegangen, sagt Schwemmle. Durch die Pandemie seien es noch weniger geworden. „Und jetzt auch noch der Krieg.“ Die Folgen sind spürbar, Stornierungen bereits eingegangen. Auch Buchungen von Touristen aus anderen Ländern tröpfelten momentan nur zögerlich ein. „Die Buchungslage ist allgemein verhalten“, sagt Schwemmle: „Zum Reisen braucht man Normalität und keine Schreckensmeldungen.“

Osteuropäer lassen im „hochwertigen Bereich“ ihr Geld

Tourismus-Chefin Nora Waggershauser befürchtet angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine Einbrüche im Tourismus. Wenn Gäste aus der ehemaligen Sowjetunion wegblieben, würden auf lange Sicht neben Nobelhotels auch kulturelle Einrichtungen und Edelboutiquen leiden.

„Das wird uns alle treffen“, sagt auch Franz Bernhard Wagener von der Einzelhändler-Initiative Baden-Baden Innenstadt (BBI) und Inhaber von zwei Kaufhäusern. Die Stadt lebe zu 70 Prozent von auswärtigen Besuchern. Besonders im „hochwertigen Bereich“ gäben vermögende Osteuropäer gerne ihr Geld aus. Die Herausforderung sei es nun, neue Märkte zu erschließen und Kundschaft anderer Länder nach Baden-Baden zu locken.

Hygieneartikel für die Ukraine: Maria Bimar sammelt und sortiert in ihrer Boutique Glückskind Spenden. Osteuropäer machen in ihrem Geschäft normalerweise einen großen Teil der Kundschaft aus. Foto: Marie Orphal

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Hygieneartikel für die Ukraine: Maria Bimar sammelt und sortiert in ihrer Boutique Glückskind Spenden. Osteuropäer machen in ihrem Geschäft normalerweise einen großen Teil der Kundschaft aus. Foto: Marie Orphal

„Wenn die Russen und Ukrainer wegbleiben, ist das schon arg“, sagt Maria Bimar. Sie ist Inhaberin der Boutique Glückskind in der Fußgängerzone. Dort stapeln sich Pakete mit Toilettenpapier, Windeln und Kartons voller Hygieneartikel auf dem Boden. Bimar sammelt und sortiert Spenden und organisiert Transporte an die ukrainische Grenze.

„Die Russen fehlen wirtschaftlich sehr“

Kundschaft komme momentan kaum, sagt sie. Nicht nur die zahlungskräftigen Russen fehlen. „Die Leute sind verunsichert. Viele halten ihr Geld lieber zusammen.“ „Die Russen fehlen wirtschaftlich sehr“, bestätigt Janina Fridman, Angestellte in der Boutique Gioia in Baden-Baden. Sanktionen und die Pandemie hätten dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Kunden aus Osteuropa in den Laden kämen.

Auch im Modegeschäft Blanc Du Nil in der Lichtentaler Straße hat sich das Geschäft verlagert. Viele Russen ziehe es heute eher nach Dubai oder St. Moritz als an die Oos, sagt Inhaberin Monika Schulz. „Wir haben von den Russen früher gut gelebt.“

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