In Baden-Baden sind Hunde beliebt

Baden-Baden (sga) – Wenn ein Vierbeiner zum besten Freund wird: In der Kurstadt freuen sich Familien während Corona über tierischen Beistand. Von einem Hundeboom kann dennoch nicht gesprochen werden.

Für Katharina und Manuel Werner ist Sam eine Bereicherung. Foto: Katharina Werner

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Für Katharina und Manuel Werner ist Sam eine Bereicherung. Foto: Katharina Werner

Wenn Sam durch den Wald rennt, sieht er aus wie ein Fuchs. Dann konzentriert er sich nur auf seine Umgebung und sein Mund wird ganz spitz. „Manchmal erinnert er uns auch an einen Eisbär“, erzählt Katharina Werner. Sie ist seit über zwei Jahren die Hundemama des Vierbeiners. Vorstellen kann sie es sich aber schon jetzt nicht mehr ohne ihn.

Neugierig, fröhlich, einfühlsam: Charakterzüge, mit denen normalerweise ein Mensch beschrieben wird. Dass sie allerdings auch auf ein Tier zutreffen können, weiß Werner ganz genau: „Er passt sich immer unserer Situation an.“ Sogar an feste Schlafenszeiten habe sich Sam mittlerweile gewöhnt. „Spätestens um 21 Uhr ist er müde, dann hat er ganz kleine Augen und schaut uns auffordernd an.“ Denn alleine ins Bett gehen, wer will das schon? Frauchen und Herrchen Manuel Werner sollen am liebsten direkt mitkommen – schließlich ist Kuscheln angesagt.

2.314 Vierbeiner vermerkt

Die Nähe zu einem tierischen Freund suchen in der aktuellen Situation viele Menschen. Laut Medienberichten nimmt dadurch nicht nur die Anzahl an Familienhunden zu – sondern auch die Angst, dass eben diese Tiere nach der Pandemie und Homeoffice-Zeiten vereinsamt alleine zuhause sitzen müssen. „Dass die Anzahl der Hunde seit Beginn der Corona-Pandemie in den Kommunen exorbitant ansteigt, kann ich an der Entwicklung unserer Zahlen nicht bestätigen“, widerspricht Michael Braun als Fachgebietsleiter Steuern – und liefert als Beweis die Zahlen der vergangenen Jahre: Während 2019 insgesamt 2.196 Hunde gemeldet wurden, folgte 2020 mit 2.222 kein besonders großer Anstieg. Bis März dieses Jahres wurden 2.314 Vierbeiner vermerkt.

Natürlich sei an dieser Stelle erwähnt, dass nicht jeder Besitzer seinen Hund anmeldet oder gar Steuern zahlt. Trotzdem: Auch der Buchtunger Tierhof kann laut Auszubildende Emilia Störk in den vergangenen Monaten nicht unbedingt von einer erhöhten Anzahl an Anfragen sprechen. Im Tierheim Baden-Baden sieht es ähnlich aus. „Das Interesse ist zwar sehr groß“, erzählt Mitarbeiter Michael Deuchler auf BT-Anfrage. Doch mehr Hunde seien deshalb nicht unbedingt vermittelt worden.

Was Familie Werner betrifft, lag die Entscheidung sowieso nicht an Corona. Die Baden-Badenerin wollte schon immer einen Familienhund, und „als wir am 1. Mai 2019 eine Wanderung geplant haben, dachten wir uns, dass ein Hund dabei sehr schön wäre.“ Über das Internet wurden die 43-Jährige und ihr Mann auf einen Welpen aufmerksam, der seinen Start ins Leben auf griechischen Straßen verbringen musste. „Da war er, der kleine Troll“, und wickelte das Paar schon beim ersten Spaziergang um den Finger. Heute ist er im Haus der Baden-Badener nicht mehr wegzudenken.

Welpe Yuna hält Hannah Matwich seit Mitte Januar auf Trab. Foto: Hannah Matwich

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Welpe Yuna hält Hannah Matwich seit Mitte Januar auf Trab. Foto: Hannah Matwich

Bei der städtischen Mitarbeiterin Hannah Matwich fiel die Entscheidung allerdings während der Pandemie: „Ich habe Yuna Mitte Januar gekauft.“ Sie habe sich damit einen lang ersehnten Wunsch erfüllt. Um Yunas Wohl muss sich auch nach Corona keiner Sorgen machen: Matwich dürfe dann weiterhin zwei Tage in der Woche von zuhause aus arbeiten, „außerdem wohnt meine Mutter auf dem gleichen Grundstück und arbeitet halbtags“. Dadurch bleibe viel Zeit für den Welpen.

Viele Stunden verbringt auch Familie Werner mit ihrem Liebling: Ob Spazieren, Urlaub, Boot fahren oder einfach nur Kuscheln – es ist alles dabei. Letzteres sei vor allem in den vergangenen Monaten schön gewesen, „weil man nie alleine ist und auch an den deprimierendsten Tagen gezwungen wird, an die frische Luft zu gehen“. Zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen habe sich die 43-Jährige immer wieder gefragt, weshalb die Menschen so sehr mit der aktuellen Situation hadern, während sie kaum Probleme damit hat. Die Antwort fällt ihr heute mehr als leicht: „Weil wir Sam haben.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
9. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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