In Bühl werden Plätze knapp

Bühl (fvo) – Der Bühler Gemeinderat hat die Kindergartenbedarfsplanung abgesegnet. Mit Maßnahmen beugt die Stadt hierbei dem drohenden Platzmangel vor.

Im Kampf gegen den Personalmangel in Kitas hat die Stadt Bühl die Springerstellen unbefristet verlängert. Foto: Monika Skolimowska/dpa

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Im Kampf gegen den Personalmangel in Kitas hat die Stadt Bühl die Springerstellen unbefristet verlängert. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Stabile bis leicht steigende Kinderzahlen dank hohem Zuzug und weitgehend volle Belegung – das sind die Rahmenbedingungen beim Kindergartenbedarfsplan, dessen Fortschreibung 2021/22 der Gemeinderat Bühl in seiner jüngsten Sitzung einstimmig absegnete. Die Frohbotschaft: Man kann allen Interessenten einen Platz unterbreiten, allerdings werde auch jeder Platz benötigt. So schön das Ergebnis, „es gibt keinen Grund, sich darauf auszuruhen“, findet Klaus Dürk, Leiter des Fachbereichs Bildung, Kultur und Generationen.

„Uns fehlen für das kommende Jahr rund zehn Plätze in der Kernstadt. Im Schuljahr 2022/23 werden es bereits 30 bis 40 sein“, blickte Dürk aber voraus. Ergo: Der Druck auf die Kitas steigt. Nachdem es in der Vergangenheit oft um den Ausbau der Krippe ging, gebe es jetzt Handlungsbedarf bei den Kapazitäten, zumal ob der regen Bautätigkeit und Nachverdichtungen.

Druck durch Verlegung des Stichtags

Diesen Befund kann auch Dürks Stellvertreterin Bettina Fröhlich nur unterstreichen. „Die Plätze werden dann nicht mehr ausreichen“, weiß die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs. Nicht zuletzt durch das Neubaugebiet Kirchgassgraben mit rund 200 Wohneinheiten ist mit einem Minus von rund 40 Kita-Plätzen für die acht Kitas in der Kernstadt zu rechnen. Das werde man nur durch enge Zusammenarbeit der Einrichtungen und Träger schultern können. Aktuell hat man in der Kernstadt mit Kappelwindeck 35 Gruppen mit 677 Plätzen. In den Stadtteilen sind es zehn an der Zahl (35 Gruppen/654 Plätze), auch dort ist mitunter leichte Überbelegung unvermeidlich.

Das sukzessive Vorziehen des Stichtags für die Schulanfänger auf Ende Juni und immer frühere Anmeldungen stellen eine zusätzliche Belastung dar. Resultat: Die Kinder bleiben länger in der Einrichtung, so Fröhlich, sieht die Stadt aber hierauf gerüstet. „Wir haben es bislang geschafft, vorausschauend den Platzbedarf anzupassen und den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen.“ Fröhlich verwies auch auf den allgemeinen Sanierungsstau, der – wie etwa in Moos (Realisierungswettbewerb für Neubau) und Neusatz – mal umfangreicher ausfällt, sich andernorts nurauf einen neuen Speiseraum (St. Josef Weitenung) fokussiert.

Um dem Fehlbedarf an Plätzen zu beheben, wird die integrative Kita „Hand in Hand“ (von der Lebenshilfe betrieben) ausgebaut. „Wir sind hier mit dem Träger im Gespräch“, erklärt Fröhlich. Ziel sind zwei zusätzliche Gruppen. Als weitere Neuerung und zugleich Mittel gegen kurzfristige Personalengpässe und Fachkräftemangel werden die zweieinhalb Springerstellen (von Fachkräften besetzt) unbefristet verlängert, was mit 125.000 Euro jährlich zu Buche schlägt. Sie hätten sich, so der Tenor, bewährt. Trotz eifrigem Ausbilden könne man freie Stellen nicht immer nahtlos besetzen. Hinzukommt die Fortführung der Bezuschussung der Tagespflege (15 Krippenplätze eingeplant, aktuell 9 gefördert) mit 1,50 Euro pro Kind und Stunde für zwei Jahre. Für sie sind je 18.000 Euro eingestellt. Das Betreuungsangebot helfe der Kommune auch bei der Erfüllung des Rechtsanspruches und sorgt nicht zuletzt für Vereinbarkeit Familie und Beruf.

„Personalplanung eine Meisterleistung“

Doch so belastend und zehrend die Pandemie für Kita-Leiter und Fachkräfte auch ist, man habe sie bis dato „mit Bravour gemeistert“, dankte Fröhlich allen, die mitgeholfen haben, einen möglichst „normalen“ Kita-Alltag hinzubekommen. Von Personalplanung („Das war eine Meisterleistung“) bis hin zur Kommunikation mit Eltern per Videokonferenz gab es eine ganze Latte von unerwarteten Zusatzarbeiten, hofft sie bald wieder auf ruhigeres Fahrwasser.

Vom Gemeinderat gab es darob auch einhellig Lob nebst dickem Dankeschön an alle Beteiligten für die hervorragende Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Georg Feuerer (CDU) hält es für angebracht, dass Fachkräftestellen nicht befristet seien. Neben dem gesellschaftlichen Erfordernis der Betreuung von Kleinstkindern sieht er aber auch die Belastung der Kommune, was die Frage aufwirft, wie Qualitätserhaltung in Zukunft zu stemmen sei. Bei Pit Hirn (SPD) dominiert das Gefühl der Beruhigung. Der Plan zeige, dass man gut aufgestellt sei, aber auch flexibel auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren könne. Johannes Moosheimer (FW) realisiert indes, wie sehr alles „auf Kante genäht“ sei und sieht künftig vor allem in der knappen Vorlaufzeit (ein Jahr) eine große Herausforderung bei der Planung. Umso mehr könne man Springerstellen „nicht hoch genug einschätzen“, wenn sich Dinge oft von heute auf morgen ändern.

„Hohe Qualität“ beim Krisenmanagement

Walter Seifermann (GAL) sprach von einem „schmalen Grat, den man gut bewältigt hat“. Wenn die Entwicklung anhalte, führe „mittelfristig kein Weg um einen weiteren Kindergarten herum“. Lutz Jäckel (FDP) lobte ebenso das Krisenmanagement („Hier wird hohe Qualität gefahren“) und riet, sich um weitere Tagesmütter zu bemühen. Die Geburtenzahlen nähmen zu, „die Stadt lebt“. Sorge bereitet nicht nur ihm der zunehmende Bedarf an Jugendhilfemaßnahmen inklusive Verhaltensauffälligkeiten. Man müsse schon bei den Kleinstkindern rechtzeitig dafür sorgen, dass sie nicht auf der Strecke bleiben.

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Erstellt:
5. Juli 2021, 10:50 Uhr
Lesedauer:
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