In Ottersdorf geht eine Ära zu Ende

Rastatt (for) – In vierter Generation besteht die Metzgerei Reis in Ottersdorf. Zum Jahresende endet die Ära im Rieddorf.

Seit 1993 sind Anette und Stefan Reis das Gesicht der Ottersdorfer Metzgerei, Ende Dezember werden sie ihre Wursttheke schließen.  Foto: Metzgerei Reis

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Seit 1993 sind Anette und Stefan Reis das Gesicht der Ottersdorfer Metzgerei, Ende Dezember werden sie ihre Wursttheke schließen. Foto: Metzgerei Reis

Ende des Jahres ist Schluss: Dann schließt die Metzgerei Reis in Ottersdorf ihre Wursttheke. Inhaber Stefan Reis und seine Ehefrau Anette, die das Familienunternehmen schon seit 1993 in der vierten Generation betreiben, wollen 2021 kürzertreten. Komplett verzichten auf die eigens hergestellten Wurstwaren müssten Kunden aber trotzdem nicht: „Wir werden einige Produkte auch weiterhin im ,Dorflädele‘ verkaufen“, kündigt Metzgermeister Stefan Reis an.
Dennoch geht mit diesem Schritt gewissermaßen eine Ära zu Ende. Wann genau diese Ära begonnen hat, kann Stefan Reis gar nicht mehr so genau sagen: „Das muss irgendwann Ende 1890 gewesen sein.“ Damals sei die Metzgerei allerdings noch nicht an ihrem heutigen Platz in der Wilhelmstraße 1 gewesen, sondern neben der Gaststätte „Kreuz“ in Ottersdorf.

Wann er selbst den Betrieb von seinem Vater Werner übernommen hat, weiß Stefan Reis aber noch ganz genau: „Das war 1993 im Alter von 37 Jahren“, sagt er. Auch seine Lehre hat er im Familienbetrieb absolviert. Seitdem steht der Metzgermeister täglich bis zu zwölf Stunden in der Wurstküche. „Ich produziere auch heute noch rund 90 Prozent meiner Ware selbst“, betont er.

Allerdings habe sich im Laufe der Zeit vieles verändert. Während die Generationen vor ihm noch selbst Vieh gehalten und geschlachtet haben, sei das heute kaum mehr denkbar. „Die Auflagen sind einfach immer mehr geworden“, sagt Stefan Reis. Das sei mitunter auch ein Grund, weshalb es so schwer sei, einen Nachfolger zu finden.

„Man findet kein Personal“

Auch Sohn Manuel Reis, der ebenfalls eine Metzger- und Kochlehre absolviert hat, könne sich nicht vorstellen, die elterliche Metzgerei zu übernehmen. Stattdessen betreibt er seit 2012 das „Dorflädele“ gegenüber der Metzgerei.

„Man findet heutzutage einfach kein Personal mehr“, schildert Stefan Reis die Situation. Schon seit rund zehn Jahren habe er keinen Lehrling mehr ausgebildet. „Ohne die Unterstützung meiner Familie und unserer Angestellten Monika und Christina wäre der Arbeitsaufwand kaum zu schaffen gewesen“, blickt er auf die vergangenen Jahre zurück. „Angestellte ist eigentlich das falsche Wort. Jeder, der die Metzgerei kennt, weiß, dass Monika und Christina längst zur Familie gehören“, fügt Anette Reis mit einem Lächeln hinzu.

Schließlich stehe Monika Knoll schon über 47 Jahre hinter der Ladentheke und habe drei Generationen des Familienbetriebs miterlebt. Was sich im Laufe der Zeit kaum verändert hat: Die Wienerle und vor allem die Hausmacher-Wurst, die Stefan Reis nach einem alten Familienrezept seines Großvaters herstellt, seien nach wie vor heiß begehrt.

„Es gab eigentlich immer etwas zu tun“, blickt Stefan Reis auf die vergangene Zeit zurück. Mit drei Kindern sei es nicht immer einfach gewesen, Betrieb und Familie unter einen Hut zu bekommen. Dennoch sei die Entscheidung, den Ladenverkauf nach so vielen Jahren zu schließen, alles andere als einfach gewesen. „Wir haben uns das sehr lange und sehr intensiv überlegt“, betont Stefan Reis. Letztlich sei die Arbeit aber auch ein Knochenjob, und schließlich werde man nicht jünger. „Deshalb haben wir schweren Herzens diesen Entschluss gefasst“, so der 63-Jährige. Dass ihnen der tägliche Kontakt mit den Kunden und die vielen netten Gespräche fehlen werden, wissen Anette und Stefan Reis jetzt schon: „Es war immer eine freundschaftliche Atmosphäre in der Metzgerei. Man kennt sich eben im Dorf. Wir danken allen, die uns über die Jahre hinweg unterstützt haben“, sagen beide.

Ganz zurücktreten möchte das Ehepaar aber noch nicht. „Für uns stand schon immer fest, dass wir irgendwann den Laden schließen und uns dann auf den Partyservice fokussieren“, so der Metzgermeister. Mit dem Partyservice hat sich das Ehepaar Reis schon seit 1993 ein zweites Standbein aufgebaut. Außerdem würden einige der Wurstwaren weiterhin im „Dorflädele“ zum Verkauf angeboten. „Etwa Dosenwurst, Fertiggerichte in Dosen, Schinken, Speck, Landjäger und Portionswurst“, kündigt Stefan Reis an. Auch Aufschnitt und im Sommer Grillsachen wolle er dort weiter anbieten.

Angst vor Langeweile habe er jedenfalls nicht. „Mit unseren vier Enkeln Joel, Jana, Mailo und Ella wird es ohnehin nie langweilig im Hause Reis.“


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