In Rastatter Festungs-Denkmal gehen die Lichter auf

Rastatt (sl) – In schweißtreibender Arbeit haben Ehrenamtliche des Historischen Vereins in den Kasematten des Cavalier I Strom verlegt. Öffentliche Führungen soll es geben, sobald Corona es zulässt.

Wo Licht ist, sind auch Schatten: Boris Traub (rechts) und Karl Schweizer vom Historischen Verein freuen sich über die stimmungsvolle neue Beleuchtung in den Festungsräumen. Foto: Frank Vetter

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Wo Licht ist, sind auch Schatten: Boris Traub (rechts) und Karl Schweizer vom Historischen Verein freuen sich über die stimmungsvolle neue Beleuchtung in den Festungsräumen. Foto: Frank Vetter

Beim Historischen Verein Rastatt scharrt man mit den Hufen: „Noch ein, zwei Samstage Arbeitseinsatz, dann könnten wir eigentlich loslegen“, sagt Vorstandsmitglied Boris Traub. Allerdings verhindern die Corona-Maßnahmen vorerst noch die lange geplanten Führungen im sogenannten „Cavalier I“, einem Relikt der Rastatter Festung, das zu den eindrucksvollsten Zeugnissen jener bedeutenden Epoche in Rastatts Vergangenheit zählt und das trotzdem wenige kennen.

So nahe kommt man nämlich der Badischen Revolution beziehungsweise ihrem bitteren Ende kaum irgendwo. Nach der Kapitulation der revolutionären Resttruppen am 23. Juli 1849 wurden mehr als 5.000 Gefangene in der Rastatter Festung unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Die prominentesten Gefangenen saßen in den Kasematten des Cavalier I ein.

Hartnäckiger Kampf um Erhalt

Der Festungsbau in der Militärstraße hinter dem „Hopfenschlingel“ war Jahrzehnte von Gestrüpp überwuchert. Seit den 1980er-Jahren schon bemühte sich der Historische Verein hartnäckig darum, das Zeugnis für die Nachwelt zu erhalten und auch zeigen zu können. Bewegung kam in die Sache, als die Stadt Rastatt das Relikt für den symbolischen Betrag von einem Euro vom Unternehmen Weisenburger übernahm und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 65.000 Euro die Sanierung beflügelte.

Seither liefen nun Sicherungs- und Verschönerungsmaßnahmen durch die rührigen Mitglieder des Historischen Vereins – natürlich alles auf ehrenamtlicher Basis. Im Auftrag der Stadt, die auch die Materialkosten übernahm, rodet eine Gartenbaufirma derzeit den Wildwuchs über dem Gebäude. Doch auch beim Historischen Verein verfügt man über handwerkliches Know-how wie das von Boris Traub, der im Alltagsleben als Elektroinstallateur arbeitet und unter dessen Anleitung und Mithilfe seit acht Monaten immer samstags vier bis fünf Mann bis zu einen Kilometer Kabel in den bislang stockfinsteren Kasematten verlegt haben, damit den künftigen Besuchern ein Licht aufgeht.

Beleuchtung unterstreicht besondere Atmosphäre

Die LED-Leuchten tauchen die Kasematten nun in ein günstiges Licht, das die besondere Stimmung nicht stört, sondern noch unterstreicht. Außerdem hat nun jeder Raum eine Steckdose. „Wer weiß, wofür man die mal braucht“, denkt Traub praktisch. Die meisten Kabel verlegten er und seine Mitstreiter im Boden, was sich als wirklich schweißtreibende Aufgabe entpuppte, denn der Untergrund der Festungsbauten ist unglaublich hart. Der Hilti-Bohrhammer leistete gute Dienste. Und auch das Durchbohren von eineinhalb Meter dicken massiven Sandsteinwänden hätten die Männer ohne Profigerät wie eine Kernbohrmaschine wohl nicht geschafft. Ansonsten aber würden die Elektrokabel auf den historischen Mauern verlaufen, was nicht schön aussähe, wie Traub findet. Überhaupt hat er großen Respekt vor der Handwerksleistung der Festungsbauleute im 19. Jahrhundert.

Oberhalb der weitläufigen Kasematten hat der Historische Verein einen Dokumentationsraum eingerichtet, präsentiert Sammlerstücke mit Bezug zur Festungsgeschichte in Vitrinen, die das benachbarte Zentrale Fundarchiv ausgemustert hatte, wie der stellvertretende Vereinsvorsitzende Karl Schweizer erklärt.

Auch die Vitrinen mit Ausstellungsstücken zu Rastatts Militärvergangenheit sind gekonnt beleuchtet.Foto: Frank Vetter

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Auch die Vitrinen mit Ausstellungsstücken zu Rastatts Militärvergangenheit sind gekonnt beleuchtet.Foto: Frank Vetter

Auch oberirdisch gibt es einiges zu sehen

Zu sehen gibt es auch eine Kanone, zwar keine echte aus der Festungszeit, dafür die Theaterrequisite aus der Münchhauseninszenierung auf der Freilichtbühne Ötigheim, die die Volksschauspiele als Dauerleihgabe zur Verfügung stellten. Besucher des Festungsfests 2019 konnten sich schon einen ersten Eindruck verschaffen. Nach Ende der Corona-Maßnahmen soll es dann losgehen mit Führungen im Cavalier I. Wenn es nach Schweizer geht, vorerst auch nur oberhalb des Festungsrests im Freien. Auch dort sind nämlich interessante und ungeahnte Einblicke in die Festungsarchitektur möglich.

Den Herren des Historischen Vereins hat die Arbeit an ihrem Herzensprojekt trotz viel Schweiß und Schwielen an den Händen großen Spaß gemacht, nach ein paar Stunden in der feuchten und kalten Finsternis aber konnten sie zumindest ein Stück weit nachempfinden, wie sich die Gefangenen anno 1849 gefühlt haben müssen, die dort wochenlang einsaßen oder sogar ihre Hinrichtung erwarteten.

www.hist-ver-rastatt.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
19. Februar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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