In Rauental fließt wieder der Apfelsaft

Rastatt (schx) – Rastatts einzige kommunale Kelter ist nach einer Modernisierung wieder in Betrieb. In Rauental fließt der Apfelsaft.

Das Leben kehrt wieder zurück in Rauentals alte Kelter in der Wäschgasse. Ortsvorsteher Thorsten Ackermann (links) freut sich über den Andrang. Foto: Schlögl

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Das Leben kehrt wieder zurück in Rauentals alte Kelter in der Wäschgasse. Ortsvorsteher Thorsten Ackermann (links) freut sich über den Andrang. Foto: Schlögl

Das war höchste Zeit, die war schon arg heruntergekommen“, sagt Martin Glasstetter. Er sitzt mit seinen 83 Jahren gemütlich auf der Baumbank am Ende der Wäschgasse mit Blick auf die „Alte Kelter“ und beobachtet das emsige Treiben. Autos mit Anhängern voller Äpfel fahren auf den Parkplatz und etliche Rauentaler Bürger kommen mit dem Fahrrad oder zu Fuß vorbei. Heute ist die Wiedereröffnung der Kelterei am Dorfplatz und die Neugierde ist groß.
Trotz umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen am Gebäude ist der ländliche Fachwerkscharakter des Holzhauses erhalten geblieben. Die Alte Kelter bekam eine komplette Erneuerung der Außenhülle mit Dacheindeckung. Die großzügigen neuen Fensteröffnungen erhellen die frühere dunkle Halle, Tore in hellem Holz setzen neue Akzente. Strukturerhaltung war das Ziel des Rastatter Architekturbüros Neininger, das mit der Planung und Ausführung beauftragt war und im Kostenrahmen von 225.000 Euro blieb.

„Aus Alt macht Neu und das ist gut gelungen“, bekräftigt der Rauentaler Ortsvorsteher Thorsten Ackermann. Der 41-Jährigeübernahm im September 2019 das Amt von seinem langjährigen Vorgänger Bertold Föry.

Mostfest muss ausfallen

Bereits 2017 hatte Föry den Anstoß für eine grundlegende Erneuerung der Alten Kelter gelegt, im Oktober 2019 konnte mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden. Das ehemalige Feuerwehrgerätehaus wurde in den 1930er Jahren gebaut und seit der Anschaffung einer Obstpresse Mitte der 1950er Jahre als Kelter genutzt. Neben dem saisonalen Obstpressen diente das Gebäude ganzjährig als Lager für die Vereine. Nur Instandhaltungsmaßnahmen wurden im Laufe der Jahrzehnte durchgeführt.

Während der Renovierung wurden auch der Betonboden und der Sockel ausgebessert und aufgearbeitet, einige kleinere Arbeiten stehen noch aus. Beim Rundgang durch das Gebäude zeigt Ackermann den rückwärtigen Bereich, in dem sich die neu geschaffene Lagerfläche befindet. Der angenehm nach frischem Holz riechende Raum wurde durch den Einbau eines Zwischenbodens, der mit einer modernen Holztreppe verbunden ist, auf über 50 Quadratmeter vergrößert.

Ackermann könnte sich gut vorstellen, den neu geschaffenen Dachbodenbereich weiter als Lager zu nutzen und den unteren Bereich für gesellige Zusammenkünfte bereitzustellen. „Aber das müssen wir erst im Ortschaftsrat besprechen“, sagt er.

Eigentlich wäre an diesem Tag nicht nur die Wiedereröffnung gefeiert worden, sondern auch das beliebte jährliche Mostfest, das der Rauentaler Obst- und Gartenbauverein und die Kolpingsfamilie ausrichten. Aufgrund der Corona-Epidemie fällt beides aus, bedauert der Ortsvorsteher. „Die Gesundheit aller geht vor“, betont er, „sobald die Corona-Maßnahmen nicht mehr nötig sind, werden die Feierlichkeiten nachgeholt.“ Dies habe er mit OB Hans Jürgen Pütsch bereits besprochen.

Das Herzstück in der Alten Kelter ist die neue Einbandsaftpresse aus Edelstahl eines österreichischen Herstellers. In der Woche zuvor gab es bereits einen Probedurchlauf, um Arbeitsprozesse zu optimieren. Verantwortlich für die Bedienung ist Manfred Kroll, der als Mitarbeiter beim örtlichen Bauhof beschäftigt ist. Zusammen mit Walter Gerlach, einem Rentner, sind beide seit Jahren in der gemeindeeigenen Kelterei ehrenamtlich aktiv und mit ganzem Herzen dabei.

Inzwischen wird ein weiterer Anhänger voller Äpfel in die Halle gebracht. Familie Schlotter ist an der Reihe, ihre Früchte keltern zu lassen. Während Kroll die Presse bedient, werden in der Anlage die Äpfel gewaschen, gehäckselt und über mehrere Bänder gepresst, bis der trübe Saft in einen 90-Liter- Bottich fließt.

Dieser Bottich ist mit einem Schlauch verbunden, der die anfallende Flüssigkeit zu einer Filteranlage transportiert, bevor diese dann in zwei jeweils 200 Liter fassende Zwischenbehälter aufgenommen wird. Danach wird der entstandene Most in mitgebrachte Kanister oder Behälter umgefüllt. Währenddessen schaufelt Gerlach den herrlich duftenden Trester in einen abgestellten Anhänger. „Das wird dem Futter für Tiere beigemischt“, erklärt Kroll, „ein echtes Leckerli!“

Begeistert ist er auch von der neuen Pasteurisierungsanlage. Diese erhitzt den Süßmost auf 78 Grad und verlängert die Haltbarkeit. Der Saft wird in Fünf-Liter-Plastikbeuteln abgefüllt und auf Wunsch in Kartonage verpackt. Leider könne man dieses Verfahren am Eröffnungstag nicht anbieten, so Ackermann, da es viel Zeit beanspruche und die momentane Nachfrage, Äpfel nur zu keltern, sehr groß sei.

Für den heutigen Tag sind fünf Äpfelladungen angekündigt. Pro Tag können maximal 50 bis 55 Zentner Obst verarbeitet werden. „Es gibt dieses Jahr jede Menge Äpfel, aber sie haben nur wenig Saft“, sagt Manfred Kroll, der das vor allem auf Trockenheit zurückführt.

Wer sein Obst auch keltern lassen möchte, kann sich im Rauentaler Rathaus unter (07222) 97218 60 anmelden.


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