In Waldmatt entsteht eine Schaubrennerei

Bühl (hol) – Oliver Nöltner aus Waldmatt hat viel vor: Innerhalb der nächsten zwei Jahre will er in seinem Geburtsort eine Schaubrennerei einrichten. Für das Projekt gab es auch Leader-Mittel.

Oliver Nöltner hat viel vor: Hinter der Glastür ist derzeit noch eine Baustelle. Im Frühjahr 2022 soll dort eine Schaubrennerei die Arbeit aufnehmen. Foto: Harald Holzmann

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Oliver Nöltner hat viel vor: Hinter der Glastür ist derzeit noch eine Baustelle. Im Frühjahr 2022 soll dort eine Schaubrennerei die Arbeit aufnehmen. Foto: Harald Holzmann

Schnaps – das ist für Oliver Nöltner nicht einfach nur hochprozentiger Alkohol. Es ist ein badisches Kulturgut, das genossen werden will. Und als solches will der Waldmatter die „hochprozentige Natur“, wie er die Wässerchen aus der Region gerne bezeichnet, den Menschen auch näherbringen. Was wäre dazu besser geeignet als eine Schaubrennerei?

Eine solche gläserne Produktionsstätte soll im Erdgeschoss seines Wohnhauses im Bühler Stadtteil Waldmatt entstehen. Fördermittel aus dem EU-Leaderprogramm wurden dafür kürzlich bewilligt. Nun kann es losgehen. „Es muss sogar“, wie Nöltner sagt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss das Vorhaben realisiert sein. Im Februar 2022, so hofft er, wird in seiner Brennerei der erste eigene Schnaps produziert. Bis dahin ist noch viel zu tun.

Als der selbstständige Fachmann für Arbeitsschutz – aufgewachsen in Waldmatt – vor gut einem Jahr aus Karlsruhe wieder an seinen Geburtsort zurückzog und ein Haus am Ortseingang kaufte, entdeckte er im Erdgeschoss eine alte Brennküche. Für den 45-Jährigen, der bisher keinen eigenen Schnaps brennt, aber familiär über vier Generationen vorbelastet und brennend interessiert am Thema ist, war klar: Die Tradition will weitergeführt werden. Seine Idee geht aber noch ein Stück weiter: Ihm geht es ausdrücklich nicht in erster Linie darum, selbst zu brennen und die Eigenproduktion zu vermarkten. Nöltner möchte andere Menschen für das Thema der edlen Brände begeistern. Und mit diesem Plan stellte er einen Antrag beim Leader-Programm der EU – und bekam prompt eine Förderzusage. Diese gebe seinem Projekt jetzt Antrieb.

Gesamtinvestition von 100.000 Euro

„Eigentlich wollte ich noch gar nicht so schnell an die Realisierung gehen“, sagt er und klingt dabei immer noch etwas überrascht darüber, dass die Fördergelder tatsächlich fließen. Aber er sei natürlich froh um die Unterstützung, über deren genaue Höhe er keine Auskunft geben darf. Immerhin wolle er ja rund 100.000 Euro investieren, sagt er. Den größten Batzen – „ab 20.000 Euro und nach oben offen“, so Nöltner – machen die Kosten für die Brenn-Anlage aus. Er bezieht sie von der Firma Müller im wenige Kilometer entfernten Oberkirch. Für Nöltner war ganz klar: Das Herzstück seiner Brennerei muss aus dem Schwarzwald kommen. „Die dengeln die Anlage auf Bestellung aus Kupferblechen und haben ein eigenes Patent auf ihre Technik“, schwärmt Nöltner. Die Firma sei hoch spezialisiert und weltweit tätig.

Bis die Anlage für die Schaubrennerei in Waldmatt fertig ist, muss noch die alte Brennküche auf Vordermann gebracht werden – mit Eigenleistung und mit Handwerkern aus dem Ort, wie Nöltner sagt. „Hier kommt eine Theke hin mit ein paar Sitzplätzen – und da drüben Regale, wo ich Produkte von den Kollegen hier in der Region präsentieren möchte“, erklärt er und führt den Besuch durch die Baustelle.

Tatsächlich hat der Waldmatter vor, seinen an der Brennerei interessierten Kundschaft Produkte verschiedener Brenner aus der Region zu zeigen. Ihm gehe es dabei nicht um Einnahmen. „Ich betreibe das hier als Hobby und will den Leuten zeigen, was es für eine Vielfalt an Betrieben gibt.“

Landbesitz als Voraussetzung fürs Brennrecht

Um selbst das Brennrecht zu erhalten, hat Nöltner in den vergangenen Monaten eineinhalb Hektar Obstwiesen und Reben um Waldmatt gekauft. Dieser Landbesitz ist die Voraussetzung dafür, das Recht zu beantragen, im Jahr bis zu 300 Liter reinen Alkohol herzustellen. Doch der Waldmatter will nicht nur die Produkte aus der eigenen Landwirtschaft verarbeiten. Sein Vorhaben zielt auf Streuobstwiesenbesitzer und Hausgärtner aus der gesamten Region ab. Sie können künftig ihr Obst in Waldmatt gegen Entgelt zum Brennen bringen und dann eigenen Schnaps mit nach Hause nehmen. „Brennen kann man eigentlich alles, was Zucker hat“, sagt er. Nicht nur Zwetschgen, Äpfel oder Birnen – auch Pfirsiche, Mirabellen oder sogar Südfrüchte wie Kiwi, und natürlich der badische Topinambur. Nöltner findet es schade, dass dieser Traditionsbrand immer mehr verschwindet. Der Erhalt der Brennkunst als traditionelles Kulturgut sei ihm ein wichtiges Anliegen, sagt er. Deshalb will er in seiner Schaubrennerei offene Brenntage und Brennkurse geben.

„Vor Jahren war Whisky in. Jetzt ist es Gin. Vielleicht entdecken die Konsumenten irgendwann auch wieder den edlen Obstbrand“, hofft er. Falls nicht, dann kann es jedenfalls nicht an dem Waldmatter liegen, der im Gespräch über die Produkte aus den Brennküchen in der Region regelrecht ins Schwärmen kommt.

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Erstellt:
18. November 2020, 06:30 Uhr
Lesedauer:
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