In der Innenstadt kehrt das öffentliche Leben zurück

Bühl (galu) – Das Leben ist in die Bühler Innenstadt zurückgekehrt – zumindest soweit es die aktuellen Corona-Vorschriften der Regierung zulassen. Seit gestern dürfen Cafés, Bistros und Speisegaststätten unter Auflagen endlich ihre Pforten öffnen. Und das ist spürbar, denn bereits zur Mittagszeit herrschte reges coronakonformes Treiben auf dem Johannesplatz. Beim gewohnt belebten Bild ist es schwer vorstellbar, dass Jugendliche bis vor ein paar Tagen den freien Platz zum Fußballspielen genutzt haben.

Das Leben ist auf den Johannesplatz zurückgekehrt – zumindest stellenweise und stets coronakonform. Foto: L. Gangl

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Das Leben ist auf den Johannesplatz zurückgekehrt – zumindest stellenweise und stets coronakonform. Foto: L. Gangl

Auffällig ist vor allem eines: Überall wird fleißig geschrieben. Denn die Lokale sind verpflichtet, die Daten ihrer Gäste aufzunehmen und für vier Wochen aufzubewahren. Name, Adresse und Telefonnummer sollen eine bestmögliche Nachvollziehbarkeit ermöglichen, sollte eine Covid-19-Infektion bei einer Servicekraft festgestellt werden.

Im „Platzhirsch“ ist noch wenig los, aber das ist normal, versichert Nathalie Clero. „Bei uns geht es erst später richtig los, aktuell würden unsere Gäste ja noch im Schatten sitzen“, berichtet die Lebensgefährtin des Inhabers. Trotzdem ist Clero bereits zufrieden mit dem Zulauf. „Schön ist vor allem das Verständnis, wenn es mal länger dauert. Die Leute nehmen alles sehr gelassen, das übliche Gemeckere fehlt“, scherzt sie. „Wir haben bis gestern spätabends noch Vorbereitungen getroffen, damit alles reibungslos läuft.“

Bereits deutlich mehr los ist direkt gegenüber: Im Eiscafé „Venezia“ sind viele Tische im Außenbereich besetzt, die Gäste sitzen in der Sonne und genießen das kleine bisschen Normalität. „Alle meine Stammkunden sind da. Wir sind froh, die Leute sind froh. Es war einfach an der Zeit“, sagt Kadri „Carlo“ Thaqi zufrieden. Der Inhaber der Lokalität weiß aber auch: Es hängt alles an den Gästen. „Solange sich die Leute an die Abstände und die Regeln halten, wird es funktionieren. Hoffentlich bleibt das auch so.“

Im Eiscafé „Venezia“ genießen bereits einige Gäste das kleine bisschen Normalität bei einem Eis oder einem Kaffee. Foto: L. Gangl.

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Im Eiscafé „Venezia“ genießen bereits einige Gäste das kleine bisschen Normalität bei einem Eis oder einem Kaffee. Foto: L. Gangl.

Auch im Eiscafé „Italia“ herrscht gute Laune. „Es ist zwar alles ein bisschen viel mit den Verordnungen, aber es läuft gut,“ erzählt Inhaber Raffaele Sassano. Für seinen Geschmack dürfte es noch ein bisschen mehr Kundschaft sein, aber „das wird sich über die kommenden Tage einpendeln“, da ist er sich sicher.

Leer ist es wiederum noch im „Casa Antica“, das ohnehin leicht abseits des Johannesplatz liegt. Und das obwohl das Restaurant zum normalen Mittagstisch geöffnet hat. Aber Inhaber Andrea Alesi macht sich deswegen keine Sorgen: „Die Leute trauen sich noch nicht so richtig. Es wird noch ein bisschen dauern, bis wieder richtig Gäste kommen.“ Er wird in den nächsten Monaten sogar auf seinen Ruhetag verzichten, um möglichst vielen Menschen die Chance zu geben, bei ihm zu essen. Reserviert werden muss trotzdem, auch um die Bestimmungen einhalten zu können. Viel wichtiger findet er aber das Ausfüllen der Datenblätter.

Einzig im „Bistro Q“ ist man nicht ganz glücklich mit der Situation. „Es ist wirklich grenzwertig, so zu arbeiten. Und anstrengend durch den unglaublichen Mehraufwand noch dazu“, weiß Sabine Fitze. Ihr gingen viele Plätze verloren, auch da Gäste sich oft alleine an einen Tisch setzen – verständlicherweise hätten andere Gäste dann nicht unbedingt Lust, sich dort dazuzusetzen. Auch das regelmäßige Desinfizieren nimmt ungeahnte Ausmaße an. „Die Leute wollen natürlich möglichst durchgehend in der Sonne sitzen, das ist ja klar. Aber bei jedem Tischwechsel entsteht wieder neue Arbeit, der ganze Tisch muss desinfiziert werden und kann kurzzeitig nicht belegt werden“, berichtet die Frau des Inhabers. Besonders ärgerlich sei das, wenn Gäste während ihres Aufenthalts mehrfach den Tisch wechseln. Froh über die Wiedereröffnung ist sie trotzdem, denn zulassen wäre „auch keine Option“ gewesen.

Auch das Bühler Ordnungsamt ist auf dem Johannesplatz vertreten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontrollieren in den Gaststätten. Werden die Abstände eingehalten? Gibt es ausreichend Desinfektionsmittel? Werden die Datenblätter ausgefüllt? Bei Fragen stehen sie den Gastronomen auch beratend zur Seite. Ein Verstoß wurde am gestrigen Montag auf dem Johannesplatz keiner festgestellt, zur Freude von Andreas Bohnert. „Trotzdem müssen wir natürlich kontrollieren, es geht ja auch um den Schutz der Bevölkerung“, so der Leiter des Ordnungsamtes.

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Erstellt:
19. Mai 2020, 06:30 Uhr
Aktualisiert:
19. Mai 2020, 06:52 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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