In die Zukunft gerichtet

Baden-Baden (vo) – Auch die Volksbank Baden-Baden Rastatt steht vor Herausforderungen in der Corona-Krise.

Lenken derzeit die Geschicke der Volksbank: Hans Rudolf Zeisl (links) und Jürgen Faupel. Foto: Voba

Lenken derzeit die Geschicke der Volksbank: Hans Rudolf Zeisl (links) und Jürgen Faupel. Foto: Voba

Man kann ihn getrost als „alten Hasen“ bezeichnen: Hans Rudolf Zeisl ist sein gesamtes Berufsleben im Bankgeschäft, hat zweifellos viel erlebt – und nicht zuletzt eine ganze Reihe von Fusionen begleitet. Entsprechend gab es Vorbehalte, als der 65 Jährige am 1. März seinen Job als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Baden-Baden Rastatt antrat. Inzwischen sind zwei Monate vergangen – das Thema Fusion ist in den Hintergrund gerückt, auch wenn Zeisl auf entsprechende BT-Nachfrage dazu sagt: „Es gibt kein Denkverbot.“
Ganz oben auf der Agenda hat sich ein ganz anders Thema festgesetzt, nämlich die Corona-Krise, und das wohl noch für längere Zeit. Völlig unklar ist, wie das Bankwesen nach Corona dastehen wird. Das gilt auch für die Volksbank. „Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt“, sagt Zeisl im BT-Gespräch. „Und wir werden auf jeden Fall diese Krise überstehen“, fügt er hinzu. Momentan sei Kurzarbeit für 47 Mitarbeiter angemeldet. Wobei man auf das gesetzliche Kurzarbeitergeld noch selbst etwas obendrauf lege.

Auch im täglichen Geschäft ist die Corona-Pandemie ein Dauerthema. „In den vergangenen Wochen haben wir bereits rund 150 von der Corona-Krise betroffenen Kunden schnell und unbürokratisch mit der Ausweitung ihrer Kreditlinie, neuen Darlehen oder der Vermittlung von Förderkrediten helfen können“, sagt der Voba-Chef. Auch die Beratungsintensität bei Firmen- und Privatkunden habe extrem zugenommen.

Allerdings sehen sich Volks- und Raiffeisenbanken ebenso wie Sparkassen in einer Zwickmühle: Einerseits wurden in den letzten Jahren die regulatorischen Zügel extrem angezogen, andererseits sollen jetzt Finanzhilfen großzügig gewährt werden. „Das passt nicht zusammen“, sagt Zeisl und ärgert sich über die Politik und insbesondere Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Das zurückliegende Geschäftsjahr hatte die Volksbank mit einem kräftigen Wachstum abgeschlossen. Beim Kreditgeschäft verbucht die Genossenschaftsbank ein Plus 6,1 Prozent, bei den Einlagen waren es 3,5 Prozent. Das rege Kundengeschäft spiegelt sich im betreuten Kundenvolumen wider, das um 6,2 Prozent oder 248 Millionen Euro auf 4,26 Milliarden Euro anstieg. Die bilanzierten Kundenkredite nahmen um 6,1 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro zu. Die Bilanzsumme erhöhte sich im Zuge dessen um 3,4 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro.

Dem gegenüber steht eine ebenfalls positive Entwicklung auf der Einlagenseite: Die bilanzwirksamen Kundeneinlagen erhöhten sich den Angaben zufolge um 54 Millionen Euro (plus 3,5 Prozent) auf 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt verwaltet die Volksbank Kundengelder in Höhe von 2,66 Milliarden Euro – ein deutlicher Zuwachs um 153 Millionen Euro oder 6,1 Prozent. Nachgefragt waren wie in den Vorjahren insbesondere liquide und sichere Anlagen.

Im für alle Banken schwierigen Niedrigzinsumfeld entwickelte sich die Ertragslage der Volksbank planmäßig: Der Jahresüberschuss belief sich auf drei (Vorjahr: 4,3) Millionen Euro). Die extreme Zinssituation hat zu einem Rückgang des Zinsüberschusses geführt: Dieser blieb mit 3,9 Prozent auf knapp 33 Millionen Euro jedoch moderat. Der Provisionsüberschuss stieg angesichts des regen Kundengeschäfts dagegen deutlich um 11,6 Prozent auf 15,7 Millionen Euro. Die Volksbank will ihr Kernkapital um 2,2 Millionen Euro auf 214 Millionen Euro aufstocken. Die Eigenkapitalquote beträgt dann 16,76 Prozent. Mit dem Jahresüberschuss von drei Millionen Euro sei man sehr zugfrieden, sagt Zeisl.

Zunächst keine Gewinnausschüttung

Eine Hiobsbotschaft gibt es allerdings für die rund 34400 Mitglieder der Genossenschaftsbank. Sie müssen vorerst auf eine Dividende verzichten. Für 2018 hatte die Voba noch drei Prozent – in Summe rund eine Million Euro – ausgeschüttet. Jetzt folgt man einer bundesweiten Empfehlung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), eine Gewinnausschüttung auszusetzen. Hintergrund ist die unklare wirtschaftliche Entwicklung wegen der Corona-Krise. Vorstandschef Zeisl bedauert dies zwar, „ich verstehe aber auch die Bedenken seitens der Bankenaufsicht“.

Wegen der Corona-Krise wird auch die eigentlich für den 3. Juni geplante Vertreterversammlung auf einen Termin im November verschoben. Die erforderlichen Genehmigungen, wie etwa die Feststellung des Jahresabschlusses 2019, werden dem Aufsichtsrat übertragen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der damals noch alte Vorstand ein bis ins Jahr 2025 ausgelegtes Zukunftsprojekt angestoßen. „Wir wollen unsere regionale Ausrichtung weiter vorantreiben“, sagt Vorstandschef Zeisl. Letztendlich sei es das Ziel, die Ertragskraft der Bank zu steigern. Geplant ist, mit der Umsetzung der bis dahin zu formulierenden Vorgaben ab dem kommenden Jahr zu beginnen.

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Erstellt:
1. Mai 2020, 23:09 Uhr
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