Informationsplattform mit doppeltem Nutzen für Vereine

Rastatt (ema) – Seit zwei Jahren bietet die Stadtverwaltung eine Ehrenamtsbörse an. Die zuständige Verwaltungswirtin Simone Maur zieht Bilanz.

Simone Maur. Foto: pr

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Simone Maur. Foto: pr

Das Ehrenamt ist mehr denn je gefragt. Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, dass engagierte Menschen ein passendes Betätigungsfeld finden. Da kommt zum Beispiel die städtische Ehrenamtsbörse ins Spiel. Diplom-Verwaltungswirtin Simone Maur koordiniert unter anderem alle Aktionsbereiche im Bürgerforum Rossi-Haus – Inklusion, Seniorenhilfe, Integration und weitere Projekte mit ehrenamtlicher Ausrichtung – und erläutert, was es mit dem Angebot auf sich hat.
BT: Frau Maur, was hat die Stadtverwaltung vor zwei Jahren veranlasst, die Ehrenamtsbörse ins Leben zu rufen?

Simone Maur: Gelegentlich haben Interessierte, oftmals „frische“ Ruheständler, Anfragen an die Stadt herangetragen, in welcher Weise und an welcher Stelle soziales, ehrenamtliches Engagement in Rastatt benötigt werde und möglich wäre. Da Möglichkeiten für ein ehrenamtliches Engagement zu diesem Zeitpunkt an keiner Stelle im Rathaus zentral gesammelt wurden, entschied sich unser Fachbereich für eine zentrale Aufbereitung und Präsentation von Anlaufstellen für soziales und ehrenamtliches Engagement. Die Umsetzung der Ehrenamtsbörse erfolgte im Herbst 2018.

BT: Wie funktioniert das Ganze?

Maur: Vereine können einen ehrenamtlichen Helfer für eine definierte Tätigkeit suchen, indem sie in der Ehrenamtsbörse ein „Stellenangebot“ aufgeben. Dies geschieht durch einen Selbsteintrag in der Ehrenamtsbörse. Dazu beschreibt der Verein kurz sich selbst (Vereinszweck) und dann die zu besetzende Tätigkeit mit dem Einsatzgebiet der Tätigkeit, zum Beispiel im Bereich Natur, Umwelt, Tiere, Gesundheit, Soziales, Begegnung, Sport, Bewegung, Büro, EDV, Kunst, Kultur, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen, Projekte und der erwarteten Einsatzzeit. Personen, die sich für ein Ehrenamt interessieren, können sich auf der Plattform über unterschiedliche Angebote informieren. Oberstes Ziel ist dabei natürlich die Vermittlung von Interessierten in eine ehrenamtliche Tätigkeit. Daneben hat die Ehrenamtsbörse aber auch die Funktion einer Darstellungsplattform für Vereine. Vereine nutzen die Ehrenamtsbörse gerne, um ihre Handlungs- und Betätigungsfelder vorzustellen und auf sich aufmerksam zu machen. Begleiterscheinung kann somit sein, dass zwar keine ehrenamtlichen Helfer, dafür aber neue Mitglieder gefunden werden. Die Stadt sieht sich bei der Ehrenamtsbörse als Begleiterin und Beraterin, sowohl für die Organisationen, die Ehrenamtliche suchen, als auch für die an einem Ehrenamt Interessierten.

Interview

BT: Wie sieht die Resonanz aus?

Maur: Die Ehrenamtsbörse wird jährlich evaluiert. Bei der letzten Evaluation im Dezember 2019, also vor Corona, befanden sich in der Börse 62 Stellenangebote von 37 Anbietern. Fünf Ehrenamtliche haben tatsächlich aufgrund der Ehrenamtsbörse vermittelt werden können. Wie viele Menschen sich darüber hinaus tatsächlich über Vereinstätigkeiten informiert haben, sich mit Fragen und Anliegen an Vereine gewandt haben und Beziehungen geknüpft haben, kann nicht nachvollzogen werden. Eine neuerliche Evaluation wird in Kürze durchgeführt. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass während Corona viele Verbindungen zu Vereinen über die Ehrenamtsbörse zustande kamen. Gesucht werden über die Ehrenamtsbörse in der Regel Übungsleiter, Gruppenstundenleiter, Aktivisten, Betreuer – also Personen, die sich mit und um andere kümmern und Gemeinschaftsangebote organisieren und durchführen. Diese Angebote haben in den letzten Monaten – je nach Zielgruppe – nur begrenzt oder gar nicht oder zumindest nicht im gewohnten und konzipierten Rahmen stattfinden können.

BT: Kann die Verwaltung aus den Erfahrungen mit der Ehrenamtsbörse etwas ableiten, um das Ehrenamt zu stärken?

Maur: Ehrenamt ist Begegnung, ist Engagement für eine Sache, für andere Menschen, Ehrenamt ist Erfüllung. Das kann man nicht im Internet online vermitteln. Eine Ehrenamtsbörse ist eine Informationsplattform, mehr nicht. Alles andere muss im direkten Kontakt passieren. Organisationen und Vereine brauchen niedrigschwellige Zugänge wie Feste oder Schnupperkurse.

BT: Welche Erkenntnisse haben Sie hinsichtlich einer möglichen Schwächung des Ehrenamts durch Corona?

Maur: Wie gesagt, Ehrenamt und Engagement lebt von der Begegnung. Die ist gerade wenig gegeben. Deshalb muss man aufpassen, dass die Bande nicht abreißen. Andererseits, was ich jetzt in der Krisenzeit hilfreich und schön erlebe, was mich tief bewegt, das gräbt sich ins Gedächtnis ein und trägt auch künftig. Es ist deshalb wichtig, jetzt in kreativer Form die Verbindungen zu halten und Angebote zu machen.


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