Initiative gegen Motorradlärm in der Region

Baden-Baden/Sasbachwalden (red) – Die Leiser!-Initiative fordert von Motorradfahrern mehr Anstand. Bürgermeister Roland Kaiser ist einer der Sprecher.

Der „Leiser!-Initiative Motorradlärm“ gehören 151 Kommunen und Landkreise in Baden-Württemberg sowie Motorradvereine an. Foto: Henning Zorn/Archiv

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Der „Leiser!-Initiative Motorradlärm“ gehören 151 Kommunen und Landkreise in Baden-Württemberg sowie Motorradvereine an. Foto: Henning Zorn/Archiv

Nervendes Geknatter von Motorrädern, heulende Motoren von Sportwagen und eine unbefriedigende Antwort von Verkehrsminister Winfried Hermann brachte Bürgermeisterin Sonja Schuchter 2018 so richtig auf Touren.

Bürger und Feriengäste protestierten gegen den ärgerlichen Lärm von teils getunten Motorrädern, die mancher Biker bei der rasanten Fahrt ins Höhengebiet kräftig aufdreht. In einem Antwortschreiben des Verkehrsministeriums auf einen Brief von Sasbachwaldens Rathauschefin im Juni 2018 wird Sonja Schuchter aufgefordert: „Bitte zögern Sie nicht, mit neuen Ideen zur Eindämmung des Motorradlärms auf uns zuzukommen. Insbesondere sind wir an Ideen zur Förderung der Elektromobilität im Motorradverkehr sehr interessiert.“

Diese Einladung ließ sich Schuchter nicht zweimal sagen. Sie brachte mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten und Lärmbeauftragen der Landesregierung, Thomas Marwein, die „Leiser!-Initiative Motorradlärm“ ins Rollen. In Kooperation mit dem Verkehrsminister wurde nun eine Broschüre mit Informationen und Forderungen zur Reduzierung von Motorradlärm veröffentlicht.

„Zu unserer Initiative gehören 151 Kommunen und Landkreise in Baden-Württemberg sowie Motorradvereine“, sagt die Bürgermeisterin, die seit 2018 Sprecherin der Initiative ist und an der Schrift mitgearbeitet hat. Jüngst kamen die Bürgermeister Michael Pfeiffer (Gaggenau) und Roland Kaiser (Baden-Baden) als Sprecher hinzu.

Zulassungsregeln überprüfen

Die Beteiligten wollen „alle bestehenden Handlungsmöglichkeiten“ ergreifen, „um Motorradlärm wirkungsvoll zu reduzieren“, heißt es darin. Dazu seien Motorradfahrer, die Hersteller, Händler und die Politik aufgefordert.

Kernforderung: Die Zulassungsregelungen für Motorräder und die Anpassung der Straßenverkehrsordnung ist zu überprüfen, sodass gezielt gegen zu laute Motorräder vorgegangen werden kann. Auf Bundes- und EU-Ebene wird gefordert: „Mit vereinfachten und transparenten Prüf- und Zulassungsverfahren von Motorrädern, bei denen Grenzwerte von maximal 80 dB(A) für alle Neufahrzeuge über alle Betriebszustände einzuhalten sind, könnten unnötige Geräusche von Motorrädern deutlich verhindert werden.“

Dass innerhalb von zwei Jahren eine solch breit aufgestellte Initiative ins Rollen kam, zeigt Sonja Schuchter, dass dringender Handlungsbedarf gerade in solchen Gemeinden besteht, in denen Menschen Ruhe und Erholung suchen. Die bisherige Diskussion habe ergeben, dass ein Großteil der Motorradfahrer rücksichtsvoll und leise fahre. Auf diese Verantwortung jedes Fahrers zielten dann auch die Forderungen der Initiative.

Zehn Forderungen der Leiser-Initiative gegen Motorradlärm beinhaltet die Info-Broschüre des Landesverkehrsministeriums, an der auch Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter mitgearbeitet hat. Der Leister!-Initiative geht es nicht primär um Verbote, sondern um eine rücksichtsvolle Fahrweise.  Foto: Roland Spether

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Zehn Forderungen der Leiser-Initiative gegen Motorradlärm beinhaltet die Info-Broschüre des Landesverkehrsministeriums, an der auch Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter mitgearbeitet hat. Der Leister!-Initiative geht es nicht primär um Verbote, sondern um eine rücksichtsvolle Fahrweise. Foto: Roland Spether

Nur „in besonderen Konfliktfällen“ seien Geschwindigkeitsbeschränkungen und Verkehrsverbote etwa an Wochenenden und Feiertagen „aus Gründen des Lärmschutzes“ möglich. Rücksichtsloses Fahren hingegen müsse deutliche Folgen haben“, gerade wenn am Motorrad Manipulationen vorgenommen wurden.

Deshalb wird der Bund aufgefordert, eine Lösung zu finden. Der Katalog mit zehn Forderungen wird ausführlich begründet. Neben den anständigen Bikern gebe es auch solche, die absichtlich laut fahren, etwa durch rasantes Beschleunigen oder Fahren mit hoher Motorraddrehzahl in niedrigen Gängen.

Ihr Autor

Roland Spether

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Erstellt:
19. Januar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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