Inklusionsexperten erkunden Kaltenbronn

Gernsbach (ueb) – Auch für Menschen mit Behinderung ein lohnenswertes Ausflugsziel: Dies ist Ergebnis einer Informationstour auf dem Kaltenbronn.

Unter der Leitung von Kai Lierheimer (links) aus Kuppenheim sind die Besucher aus dem Enzkreis rund um das Infozentrum unterwegs. Foto: Dagmar Uebel

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Unter der Leitung von Kai Lierheimer (links) aus Kuppenheim sind die Besucher aus dem Enzkreis rund um das Infozentrum unterwegs. Foto: Dagmar Uebel

Dabei richteten die Teilnehmer auf die Barrierefreiheit der Wege ein besonderes Augenmerk.

Mitglieder des Inklusionsbeirats der Stadt Pforzheim und des Enzkreises unternahmen eine mehrstündige Tour durch das Hochmoor „Hohloh“. Anliegen der Exkursion der Frauen und Männer war es, die Barrierefreiheit beim Entdecken Kaltenbronner Wälder und Hochmoore zu überprüfen. Schließlich solle auch im Höhengebiet Inklusion möglich sein.

Im Allgemeinen ist das Wegenetz auch für Behinderte gut passierbar. Es gebe viele Gelegenheiten für kurze Ruhepausen, ebenso Möglichkeiten, wo sich Begegnende ausweichen können. Eher ein Problem seien Radfahrer, die ohne Rücksicht auf andere Besucher ihrem Ziel entgegenstreben. Generell gelte – und das nicht nur für Besucher mit Behinderung: Gerade im Moorgebiet unbedingt auf den befestigten Wegen bleiben.

Die Höhe am Hohlohturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) auf knapp 1.000 Metern über Null war leicht für die Teilnehmer zu erreichen. Den Aufstieg zur Aussichtsplattform des imposanten Bauwerks über viele, enge Treppenstufen konnten sich hingegen selbst körperlich aktive Teilnehmer sparen. Der wolkenverhangene Himmel und zähe Nebelschwaden gestatteten an diesem Tag nur wenig Fernsicht. An besseren Tagen reicht diese über die Schwarzwaldhöhen hinein ins Murg- und Rheintal bis ins Elsass.

Auch mit den Fingern, nicht nur mit den Augen, lässt sich die filigrane Schönheit von Moosen entdecken.  Foto: Dagmar Uebel

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Auch mit den Fingern, nicht nur mit den Augen, lässt sich die filigrane Schönheit von Moosen entdecken. Foto: Dagmar Uebel

Wenige Meter weiter, dann schon mitten drin im Waldgebiet des Kaltenbronn, forderte Natur-Coach Kai Lierheimer aus Kuppenheim als Veranstalter der Wanderung die Teilnehmer zur Achtsamkeit auf. Seinem „Riecht mal“ folgte bald ein „Hört mal genau hin“ und immer wieder ein „Schaut mal“. „Ein Geruch, so ganz anders als Wald“, waren sich die Teilnehmer im Moorgebiet einig: Anne Marie Rouvière-Petruzzi (Inklusionsbeauftragte im Enzkreis), Emma Volkert (Behindertenstelle), Isabell Prior (Leiterin des Pforzheimer City- und Tourismusmarketings), Georg Poroj (Bürgervertretung), Achim Wegmer (Ambulantes betreutes Wohnen), Jürgen Mayer (Para-Sportclub) und Michael Frey (Blindenverein).

Eigentlich stand der Austausch über Inklusionsarbeit an diesem Teamtag im Mittelpunkt; doch als „Nebeneffekt“ konnten die Teilnehmer viel Neues entdecken. „Wie fühlen sich diese Steine an?“, fragte Kai Lierheimer und reichte Buntsandstein („rau und sandig“) und auch einen Karneol („glatt“) zum Betasten herum. Der Frage, wie ein aus Sandkörnern bestehendes Gestein (Buntsandstein) auf 1.000 Meter über Null vorkommen kann, folgte Verwunderung, dass der aus Ägypten bekannte Schmuckstein Karneol hier in Mitteleuropa zu finden ist.

Artenreiche Flora und Fauna

Auch bei der Aufzählung verbreiteter Tierarten konnte man staunen. Zu den bekannten Auerhühnern, Enten, Libellen, Schmetterlingen, Waldschnepfen und Haselhühnern gehören zum Tierbestand auf dem Kaltenbronn mittlerweile auch Wolf, Luchs und der aus trockenen Ländern zugewanderte Goldschakal. Und dies in einer Region auf nahezu 1.000 Metern Höhe, die „nur in wenigen Sommermonaten als sicher frostfrei“ gelte, so Lierheimer.

Besonderes Interesse galt jedoch der Flora zwischen Hochmooren, fließenden und stehenden Gewässern, dem Kleinen, dem Großen und dem Breitfeldsee. Es sind nicht die größten und üppigsten Bäume, die da oben mit so wenig Boden und so reichlich Wasser wachsen und gedeihen können. Ist doch die karge Moorlandschaft durch das raue Klima und die armen Böden geprägt. Dafür bietet sie gute Bedingungen für Adlerfarn, Fingerhut, Silberdistel. Auch Heidelbeerbüsche, großkrempige Pilze beiderseits der gut begehbaren Holzstege und natürlich Moose, sternförmig die Kronen und mit Wasser vollgesaugt. Besonders beeindruckend für die Tourenteilnehmer war Lierheimers Gegenüberstellung, dass „ein Hektar intaktes Moor genau so viel CO2 speichern kann wie ein hundertjähriger Wald gleicher Größe“.

Auch das Infozentrum Kaltenbronn hat bei den Kriterien zur Barrierefreiheit gut abgeschnitten. Während des abschließenden Besuchs dort erfuhren die Teilnehmer noch weit mehr über die faszinierende Wald- und Moorlandschaft im nördlichen Schwarzwald.


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