Inklusive Kita in Bühl betont die Gleichwertigkeit

Bühl (efi) – „Zusammen einzigartig“ ist das Motto der inklusiven Kindertagesstätte der Lebenshilfe in der Birkenstraße in Bühl. Dort werden behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam betreut.

Die „Libellen“-Kinder der inklusiven Kindertagesstätte der Lebenshilfe. Im „Wir sind eins“-Haus lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder von- und miteinander. Foto: Edith Fischer

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Die „Libellen“-Kinder der inklusiven Kindertagesstätte der Lebenshilfe. Im „Wir sind eins“-Haus lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder von- und miteinander. Foto: Edith Fischer

Die Gleichwertigkeit von Kindern spürt man in der inklusiven Kindertagesstätte im „Wir sind eins“-Haus der Lebenshilfe in der Birkenstraße in Bühl. Ob schwer mehrfach behindert oder hörgeschädigt, ADHS oder Autismus – elf bis zwölf Kinder mit besonderem Förderbedarf haben dort stets einen festen Platz. Derzeit werden neun Mädchen und Jungen mit Handicap gemeinsam mit Nichtbehinderten betreut. „Es ist faszinierend zu erleben, wie das Miteinander funktioniert“, beschreibt Kita-Leiterin Katrin Masan, was sie und ihr Team täglich erleben.

Schon die Kleinsten lernen von- und miteinander, sagt die Erzieherin. Jeweils zehn Mädchen und Jungen im Alter von ein bis drei Jahren besuchen die zwei Krippengruppen, denen das Lebenshilfe-Team die Bezeichnungen „Glühwürmchen“ und „Grashüpfer“ gegeben hat. In den altersgemischten Gruppen „Libelle“ und „Bienen“ fühlen sich 18 beziehungsweise 22 Kinder ab zwei Jahren bis zum Schuleintritt wohl. Ganztagesplätze sind sehr gefragt, zehn sind augenblicklich in der Krippe besetzt, 13 in den altersgemischten Gruppen.

Das Motto der Kita mit dem Namen „Hand in Hand“ heißt „Zusammen einzigartig“ und charakterisiert auch das pädagogische Konzept der inklusiven Lebenshilfe-Einrichtung. Es geht von einer völligen Gleichwertigkeit von Kindern aus , ohne dass dabei ,,Normalität‘‘ vorausgesetzt wird. Normal sei vielmehr die Vielfalt der Unterschiede.

„Behinderte Menschen geben uns viel Schönes“

„Behinderte Menschen geben uns so viel Schönes und bereichern uns“, sagt Katrin Masan. Die Begegnungen der Kinder seien von „Leichtigkeit, Offenheit und Unvoreingenommenheit“ geprägt. „Sie sind ein Vorbild für Erwachsene“, ist die 47-Jährige überzeugt. „Hand in Hand“ werden Rücksichtnahme und soziale Kompetenzen vermittelt. Die Kinder lernen, den anderen in seinem „Anderssein“ ganz selbstverständlich wahrzunehmen, seine Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen, Gemeinsamkeiten zu finden und sich gegenseitig als Spielpartner zu akzeptieren. Mädchen und Jungen mit Entwicklungsrückständen werden nicht zu Außenseitern.

Große Bedeutung besitzt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern, denen nach Einschätzung der Kita-Leiterin oftmals „viele Steine in den Weg gelegt werden“. Mütter und Väter von Kindern mit Behinderungen würden mitunter negative Erfahrungen machen.

Die Unterstützung, die sie durch die Lebenshilfe erfahren, stärke auch deren Selbstbewusstsein. Aus den Elternkontakten entstünden nicht selten auch Freundschaften, freut sich die Kita-Leiterin.

Erweiterung angedacht

Mit Blick auf den Weltkindertag würde sich die dreifache Mutter mehr Aufklärung und gesellschaftliche Akzeptanz wünschen sowie weniger bürokratische Hürden, insbesondere bei der Aufnahme von Kindern mit Behinderungen. Für die inklusive Lebenshilfe-Kita spiele die Schwere und Art der Einschränkungen keine Rolle, unterstreicht Masan. „Wir schauen, welche Bedürfnisse das Kind hat und schaffen die Rahmenbedingungen“. Zum interdisziplinären Team des inklusiven Konzepts gehören Erzieher, Kinderpfleger, Heilpädagogen und eine Kindheitspädagogin. Schon fast eine Ausnahme in der sonst vorwiegend weiblich besetzten Mannschaft ist ein junger Heilerziehungspfleger.

Masan war und ist maßgeblich am Konzept sowie am Auf- und Ausbau der Einrichtung beteiligt. Im Mai 2011 ging zunächst die inklusive Kinderkrippe der Lebenshilfe an den Start. Nach vielen positiven Erfahrungen und Anfragen von Eltern erschien es sinnvoll, die gemeinsame Förderung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung über das dritte Lebensjahr hinaus auszudehnen, erinnert sich Masan. Im September 2104 etablierte sich die Kindertagesstätte „Hand in Hand“.

Die Nachfrage ist inzwischen so hoch, dass daran gedacht ist, zwei weitere Gruppen einzurichten. Die Chancen, dass sich das Vorhaben realisieren lässt, stehen gut. Über die Erweiterung der vor Jahren vom Landesverband der Lebenshilfe ausgezeichneten inklusiven Kita in der Birkenstraße durch einen Anbau befinde man sich in Gesprächen mit der Stadt Bühl, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer Markus Tolksdorf.

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Erstellt:
19. September 2020, 14:30 Uhr
Lesedauer:
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