„Innenstädte als Bühne betrachten“

Baden-Baden/Karlsruhe (naf) – OB Mentrup will den Handel unterstützen, indem er das Einkaufen zu einem Erlebnis macht. Auch Baden-Baden setzt auf Werbung. OB Mergen fordert mehr Testmöglichkeiten.

„Auch wenn das noch einige Fragen aufwirft“, will Karlsruhes OB Frank Mentrup an den diesjährigen Schlosslichtspielen festhalten. Foto: Uli Deck/dpa

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„Auch wenn das noch einige Fragen aufwirft“, will Karlsruhes OB Frank Mentrup an den diesjährigen Schlosslichtspielen festhalten. Foto: Uli Deck/dpa

Es muss eine Perspektive für den Einzelhandel geschaffen werden. Da sind sich die Teilnehmer der Regionalkonferenz der Technologieregion Karlsruhe einig. Nur wie? Mit dieser Frage beschäftigen sich unter anderen Baden-Badens OB Margret Mergen, IHK-Präsident Wolfgang Grenke und Karlsruhes OB Frank Mentrup. Um den Händlern zu helfen, muss für Mentrup „Einkaufen zum Erlebnis werden“.

Die Corona-Krise hat eine Entwicklung zum Onlineeinkauf verstärkt, die sich zuvor bereits abgezeichnet hatte. „Das wollen wir bremsen und sogar zurückführen“, erklärt Jenny Geis, die bei der IHK Karlsruhe unter anderem für Handel und Tourismus zuständig ist. Ein vom Wirtschaftsministerium gefördertes Projekt, bei dem Innenstadtberater bei der Stärkung des Einzelhandels und der Innenstädte unterstützen, soll dabei helfen. Die IHK habe diese Hilfe nun beantragt und hoffe so, „ein passgenaues Angebot für die Gewerbetreibendenden und Kommunen vor Ort zu ermöglichen“, so Geis. Anspruchsberechtigt sind Gemeinden mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern – womit Baden-Baden nicht davon profitieren kann.

Werbekampagnen für Baden-Baden

Die Kurstadt hatte bis 2019 stetigen Zuwachs an Gästen, erwähnt Mergen, die auch darauf aufmerksam macht, dass „Flagschiffe“ wie der Thermal- und Kulturbereich, das Festspielhaus, Museen und besondere Events für den regen Tourismus verantwortlich sind. Corona erschwert den Betrieb an all diesen Orten. Zusätzlich reisten normalerweise fast die Hälfte der Gäste außerhalb von Europa an, „die haben gefehlt und werden wieder fehlen“, ist sich die Oberbürgermeisterin sicher. Darum müsse man sich verstärkt auf deutsche Touristen konzentrieren, ein Werbefilm im ZDF in vergangenem Jahr sei bereits ein Anfang gewesen.

In den Sommermonaten habe es einige Touristen in der Kurstadt gegeben. Damit das auch in diesem Jahr so bleibt, sollen neue Kampagnen, wie spezielle Angebote für Zwei und ein Kunstparcour in den Parkanlagen neue Anreize schaffen.

Forderung nach Öffnungsstrategie

„Ich glaube wir müssen dazu kommen, dass nicht nur Mitarbeiter in Unternehmen getestet werden“, sagt Mergen mit Blick auf eine mögliche Testpflicht, um eine Öffnungsstrategie anzugehen. Dabei wäre es „wünschenswert“, wenn der Bund zwei oder drei Tests pro Woche möglich mache.

Dass ein solches Pilotprojekt in Tübingen nun an zu hohen Infektionszahlen zu scheitern droht, erklärt sie sich mit der Einzigartigkeit des Projekts. „Wünschenswert wäre eine Teststrategie in allen Stadt- und Landkreisen“, dann wäre Tübingen auch nicht zur „Insel“ für Touristen aus der Region geworden.

Mentrup fordert in diesem Zusammenhang „endlich verbindliche Rahmenbedingungen vom Land“, eine Öffnungsstrategie sei schließlich bereits in der Ministerpräsidentenkonferenz angekündigt worden. Der Karlsruher OB betont, dass immer weniger Menschen nur zum Einkaufen in eine Stadt fahren, weshalb man diesen Besuch mit Restaurants, dem Zoo, „einem Erlebnis“ attraktiver gestalten müsse – alles aktuell schwierig. „Wir müssen die Innenstädte als Bühne betrachten.“ Aus diesem Grund hält Mentrup an den diesjährigen Schlosslichtspielen fest, „auch wenn das noch einige Fragen aufwirft“.

Transformationsdruck als Chance

„Karlsruhe hat etwas zu bieten“, das will auch Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der Technologieregion Karlsruhe, verdeutlichen. Den Transformationsdruck der Pandemie müsse man nun nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Dafür seien resiliente und vor allem grenzübergreifende Strukturen nötig.

Die Collectivité Européenne d’Alsace – eine durch die Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin entstandene Interessengemeinschaft – soll dabei helfen. Das neue Bindeglied zwischen Deutschland und Frankreich besitzt Zuständigkeiten über Mobilität, Entwicklung und mehr. Rémi Bertrand, Vizepräsident der Collectivité Européenne d’Alsace, will Probleme, die im vergangenen Jahr an der Grenze und in der länderübergreifenden Kommunikation aufgetreten sind, vermeiden.

Vor allem, dass Entscheidungen von oberster Stelle nicht frühzeitig kommuniziert wurden – sowohl in Frankreich als auch in Deutschland – sorge immer wieder für eine „schwierige Situation“. Eine solche, wie im vergangenen Jahr, wollen alle vermeiden, da ist man sich einig. Die grenzübergreifende Zusammenarbeit soll auch in puncto Tourismus mehr unterstützen. Denn wie IHK-Präsident Grenke betont: „Sicherer Urlaub ist nicht nur mit Flugzeug im Süden möglich.“


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