Insekten im Blick: Vier Fragen zum mähfreien Mai

Berlin (dpa) – Den Rasenmäher im Wonnemonat stehen lassen – dazu ruft die Aktion „Mähfreier Mai“ auf. Wir haben nachgefragt, was das bringen soll.

Bettina de la Chevallerie ist Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. Foto: dgg1822 e.V./dpa-tmn

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Bettina de la Chevallerie ist Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. Foto: dgg1822 e.V./dpa-tmn

Den „No Mow May“ gibt es in Großbritannien seit vielen Jahren. Ausgerechnet dort - in einem Land, das für seine Rasenkultur bekannt ist. Auch bei uns rufen die Gartenakademie Rheinland-Pfalz und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 zur Aktion „Mähfreier Mai“ auf. Warum, erklärt DGG-1822-Geschäftsführerin Bettina de la Chevallerie in Interview.

BT: Warum ist Rasenmähen problematisch?
Bettina de la Chevallerie: Ein perfekt gepflegter Rasen bietet Insekten kaum Futter und Nistmöglichkeiten. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Anteil an nektarreichen Blüten um ein Zehnfaches erhöht, wenn man den Rasenmäher häufiger stehen lässt. Ähnliches haben auch die Gartenbesitzer beobachtet, die sich im vergangenen Jahr am mähfreien Mai beteiligt und für den Wettbewerb Fotos eingeschickt haben. Als Erstes haben sich natürlich Schnellstarter wie Gänseblümchen, Gundermann, Ehrenpreis, Klee und Löwenzahn entwickelt. In einigen Gärten kamen aber auch Margeriten und Schlüsselblumen zum Vorschein. Gänseblümchen, Klee und Löwenzahn sind oft als Unkraut verpönt. Die Pflanzen sind aber kein Unkraut, sondern Wildkräuter. Sie haben einen hohen ökologischen Wert für die Insekten. Je mehr wir über diese Pflanzen wissen, desto mehr wächst auch die Akzeptanz. Das ist alles eine Frage des Bewusstseins.

BT: Sieht ein ungemähter Rasen nicht unordentlich aus?
De la Chevallerie: Auch eine vermeintliche Unordnung kann durch Gestaltung ordentlich wirken. Man muss ja nicht den gesamten Rasen mähen, sondern kann Stellen mit unterschiedlichen Höhen stehen lassen - an den Ecken, am Rand oder mittendrin als Insel. Auch ein gemähter Weg durch das hohe Gras kann Ordnung bieten. Und wiesenähnliche Säume, die nur einmal im Jahr gemäht werden, dienen als Puppenstube für Schmetterlinge.

BT: Wie oft ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Rasen zu mähen?

De la Chevallerie: Das kann man nicht so pauschal sagen. Es kommt auf die Nutzung an. Wenn Kinder auf dem Rasen Fußball spielen wollen, sollte er eher kurz sein. Aber die Fläche lässt sich auch in unterschiedliche Rasen- und Wiesenbereiche unterteilen. Einen Blumenkräuterrasen muss man vier- bis sechsmal im Jahr mähen, eine Blumenwiese nur zwei- bis dreimal. Die Mahd bleibt dann zum Trocknen auf der Fläche. So können die Samen noch aus den Samenständen herausfallen und in den Boden gelangen.

BT: Wie mäht man so, dass es besser für die Natur ist?
De la Chevallerie: Am besten mäht man von innen nach außen, damit die Insekten in die Hecken oder auf den Nachbargarten fliehen können. Empfehlenswert sind Sichel, Sense, Freischneider oder Balkenmäher. Ein Sichelmäher saugt Insekten ein. Für die Höhe gibt es eine Faustregel: Eine liegende Bierflasche sollte noch unter den Rasenmäher passen. Darunter reißt man zu viel aus oder schneidet zu tief ein, sodass nicht mehr blüht.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
1. Mai 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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