Inseln und Zebrastreifen statt einer Ampel

Gaggenau (hu) – Die Kreuzung von Bismarckstraße und Waldstraße soll sicherer werden.

Drücken braucht man hier schon seit über einem Jahr nicht mehr. Denn die Ampelanlage ist defekt und kann nicht repariert werden. Foto: Thomas Senger

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Drücken braucht man hier schon seit über einem Jahr nicht mehr. Denn die Ampelanlage ist defekt und kann nicht repariert werden. Foto: Thomas Senger

Minikreisel oder doch lieber Zebrastreifen? Das sind die Varianten, die die Stadt für die Kreuzung von Bismarck- und Waldstraße präsentiert hat. Eigentlich regelte hier eine Ampel den Verkehr, doch die ist seit Monaten kaputt. Da die Kreuzung im Einzugsgebiet der Hans-Thoma-Schule, des Kindergartens St. Marien und des Helmut-Dahringer-Hauses liegt, war sie immer wieder Thema.

Auch Cassandra Beasley ist die derzeitige Situation ein Dorn im Auge. Ihre beiden Kinder haben eigentlich einen super-kurzen Schulweg – wenn da nicht die kaputte Ampel wäre. Untragbar für die engagierte Mutter und Kindergärtnerin, die bereits zum Schuljahresauftakt auf die unübersichtliche Situation aufmerksam gemacht hatte. Ihr größter Wunsch damals war, dass die Ampel baldmöglichst wieder funktioniert.

Genau dass wird allerdings nicht passieren, wie die Stadt nochmals deutlich macht. „Eine Reparatur der Steuerung ist nicht mehr möglich, da es für diese überalterte Technik keine Ersatzteile mehr gibt“, hieß es in der Sitzungsvorlage des Bau- und Umweltausschusses am Montagabend. Und: „Aus Sicht der Verwaltung – und auch aus Sicht der Polizei – ist eine Vollsignalisierung dieser Kreuzung heute nicht mehr erforderlich.“ Die Alternativen: besagter Minikreisel oder Zebrastreifen.

Minikreisel ist wieder vom Tisch

Wobei der Minikreisel auch schon wieder vom Tisch ist. „Der war angedacht, ist aber auch nicht unbedingt die sinnvollste Lösung“, erläuterte Volker Wickersheimer, der die städtische Tiefbau-Abteilung leitet. Die Querungshilfen wären auch bei einem Kreisel nötig gewesen, der Kreisel selbst hätte aber für den Verkehrsfluss kaum eine Entlastung bedeutet. Daher hatte sich der Bauausschuss bereits Ende September in nicht-öffentlicher Sitzung auf die Kombination von Zebrastreifen und Mittelinseln verständigt.

Vorbild ist die Mittelinsel, die bereits auf Höhe des Helmut-Dahringer-Hauses eingerichtet worden ist. Hinzu kommen noch Zebrastreifen. Je eine solche Insel soll vor und hinter der Kreuzung mit der Waldstraße entstehen. Außerdem je eine für die Kreuzungen der Bismarckstraße mit der Wiß- und der Konrad-Adenauer-Straße. Das Tempolimit soll für den gesamten Bereich zwischen Wiß- und Konrad-Adenauer-Straße auf 30 gesenkt werden. Allerdings nicht als Zone, sodass die Bismarckstraße weiter Vorfahrtsstraße bleibt und nicht rechts vor links gilt.

In der Waldstraße setzt die Stadt dagegen nur auf Zebrastreifen. „Hier ist die Querungshilfe wegen der Straßenbreite nicht möglich“, so Wickersheimer. Die Zebrastreifen sollen im Bereich des jetzigen Ampelübergangs aufgemalt werden. Anders in der Bismarckstraße: Damit auch Lastwagen problemlos die Kurve nehmen können und nicht über die Mittelinsel fahren, werden die neuen Querungen samt Zebrastreifen ein Stück von der Kreuzung weggezogen. „Aber sie sind noch nah genug, um von den Fußgängern angenommen zu werden“, ist sich Wickersheimer sicher. Genau das bezweifelt Cassandra Beasley. Schon jetzt werde die Querung beim Dahringer-Haus von Kindern kaum genutzt.

Gute Lösung oder „Lachnummer“?

„Die suchen sich andere Wege“, hat sie beobachtet. Zu klein sei der Raum, wenn mehrere Kinder auf dem Überweg zwischen den Fahrbahnen stünden. Selbst ein Vater, der seinen Kindergartenkindern den „richtigen Weg“ über die Straße zeigen wollte, habe sich unwohl gefühlt. „Da haben wir ja zu dritt kaum Platz drauf, hat er gesagt“, erinnert sich Beasley. Sie fühle sich auch nicht gut bei dem Gedanken, dass mehrere Schulkinder mit großen Ranzen auf dem Rücken mitten auf der Straße stehen – Querungshilfe hin oder her.

Und auch die Zebrastreifen kommen bei der Zweifachmutter nicht wirklich gut an. „Der Zebrastreifen an der Schulstraße klappt ja auch nicht sonderlich gut“, sagt Cassandra Beasley. Selbst andere Eltern würden hier den Fußgängern mitunter den Vorrang nehmen. Die städtischen Planungen sind für sie daher „eine Lachnummer“. Sie versteht nicht, weshalb die Ampel nicht ausgetauscht werden kann.

Die Mutter aus Gaggenau kritisiert: „Da geben wir so viel Geld für alles Mögliche aus, aber für eine Ampel reicht es nicht?“ Spätestens, wenn ihr Großer im nächsten Schuljahr auf die weiterführende Schule wechselt und die Kleine alleine zur Grundschule laufen muss, will Cassandra Beasley nach einem anderen Schulweg suchen. Die Kreuzung von Bismarck- und Waldstraße ist ihr für ihre Kinder auch mit den neuen Plänen der Stadt zu unsicher.

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Von unser Mitarbeiterin Swantje Huse

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Erstellt:
17. November 2021, 08:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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