Insolvenz als Chance für den KSC?

Karlsruhe (ket) – Dem KSC steht das Wasser sportlich wie wirtschaftlich bis zum Hals. Jüngst wurde bekannt, dass sich der Zweitligist sogar mit einem Gang vors Insolvenzgericht befasst. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Arbeiten am Wildparkstadion sind trotz Krise in vollem Gange, wie ein Blick auf die Osttribüne beweist. Foto: Fränkle/EIBS

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Die Arbeiten am Wildparkstadion sind trotz Krise in vollem Gange, wie ein Blick auf die Osttribüne beweist. Foto: Fränkle/EIBS

Die Lage ist ernst – oder ist sie gar schon hoffnungslos? Fest steht: Dem Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC steht das Wasser sportlich wie wirtschaftlich bis zum Hals. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich der Verein sogar mit einem Gang vors Insolvenzgericht befasst. BT-Redakteur Frank Ketterer hat die drängendsten Fragen zur KSC-Krise gestellt – und versucht, Antworten zu geben.

Wie ernst ist die Lage denn wirklich?

Sehr ernst, vielleicht sogar ernster denn je. Allein dass der KSC offen zugibt, dass es Überlegungen gibt, Insolvenz anzumelden, ist dafür bester Beweis.

Von welchen Summen ist die Rede?

Da kann man sich durchaus an den rund 17 Millionen Euro orientieren, die der KSC durch den im Rahmen der Ausgliederung möglich gemachten Aktienverkauf erlösen möchte. Damit sollten, so hat es Geschäftsführer Michael Becker in der Vergangenheit jedenfalls mehrfach kundgetan, die aus dem e.V. übernommenen Verpflichtungen getilgt werden. Mit einer Schlusszahlung von 8,5 Millionen Euro wollte man zum einen den vor 20 Jahren, damals stand der KSC ebenfalls knapp vor der Insolvenz, geschlossenen Vermarktungsvertrag mit den MK Medien des Rechtehändlers Michael Kölmel beenden. Zum anderen sollten verschiedene Darlehen in Höhe von rund vier Millionen Euro ausgelöst sowie der in den beiden Drittligajahren aufaddierte Liquiditätsbedarf von 4,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Davon unberührt blieben allerdings die Besserungsscheine mit einem Gesamtvolumen von zehn Millionen Euro, die für die Bilanz irrelevant sind.

Was hat das mit der Corona-Krise und deren Auswirkungen zu tun?

Nichts. Außer der Tatsache, dass ohnehin klamme Vereine es deutlich schwerer haben werden, durch die Krise zu kommen. Das betrifft übrigens keinesfalls nur den KSC.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise denn für den KSC?

Mit Bestimmtheit kann das derzeit keiner vorhersagen, zumal es davon abhängen dürfte, ob die Saison zu Ende gespielt und somit die letzte Tranche der TV-Gelder ausbezahlt wird, was dem KSC 2,5 Millionen Euro einbringen würde. Sollte dem so sein, könnte man wohl von einem blauen Auge reden, mit dem die Vereine davonkommen. Fehlen würden dann – Geisterspiele, die wohl die einzige Möglichkeit sind, vorausgesetzt – die Ticketerlöse aus den noch ausstehenden Heimspielen sowie anteilig Sponsorengelder, sollten Geldgeber diese zurückfordern. „Wenn die TV-Gelder kommen, ist die Finanzierung der Saison gesichert. Wenn sie nicht kommen, trifft es nicht nur uns. Dann haben alle ein Problem“, stellt Becker fest.

Heißt das, dass die im Raum stehende Insolvenz vom Tisch wäre, sollte die Saison zu Ende gespielt werden und die letzte Rate der TV-Gelder fließen?

Nein, nicht unbedingt. Es heißt zunächst einmal nur, dass, wie von Becker und Vereinspräsident Ingo Wellenreuther mehrfach betont, der KSC in diesem Fall bis Rundenende zahlungsfähig bliebe. Oder wie Becker es wörtlich gesagt hat: „Vorausgesetzt die TV-Gelder kommen, sind wir nach aktueller Planung bis zum 30. Juni gut aufgestellt.“

Welche Auswirkungen hätte es denn, sollte der KSC tatsächlich Insolvenz anmelden?

Bei einer geplanten Insolvenz in Eigenverwaltung, die in diesem Falle angestrebt würde, erstmal gar keine so einschneidenden. Soll heißen: Der Spielbetrieb könnte ganz normal weiterlaufen, auch die Geschäftsführung bliebe in Amt und Würden. Da die Deutsche Fußball Liga (DFL) am vergangenen Dienstag beschlossen hat, wegen der Corona-Krise in der laufenden Saison auf den üblichen Abzug von neun Punkten bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu verzichten und diesen auch in der nächsten Saison lediglich mit drei Punkten Abzug zu bestrafen, wären auch die sportlichen Folgen minimal.

Das hört sich ja fast so an, als würde die DFL die Vereine dazu einladen, Insolvenz anzumelden?

Das kann man durchaus so sehen. KSC-Geschäftsführer Becker spricht diesbezüglich von einem „Sanierungsinstrument“. Zudem sagt er: „Eine Insolvenz kann auch eine Chance sein.“ Dazu passt, dass laut „kicker“ schon jetzt mehrere verschuldete Klubs zumindest darüber nachdenken, diesen Weg zu beschreiten.

Wie lange würde ein solches Insolvenzverfahren dauern?

KSC-Geschäftsführer Becker geht von einer Zeitspanne von bis zu einem halben Jahr aus.

Und was passiert mit den Schulden?

Im Rahmen eines Sanierungsplans könnte der KSC mit seinen Gläubigern über einen zumindest teilweisen Forderungsverzicht verhandeln.

Würde die Corona-Krise dann aber nicht dafür missbraucht, in erster Linie Altlasten loszuwerden?

Gute Frage.

Welche Auswirkung hätte eine Insolvenz auf den Stadionneubau?

Nach aktuellem Stand der Dinge würde eine geplante Insolvenz in Eigenverantwortung sich auf den Stadionbau nicht auswirken. Die bestehenden Verträge mit der Start behielten ihre Gültigkeit.

Was macht eigentlich der eingangs angesprochene Aktienverkauf, mit dem der KSC 17 Millionen Euro erlösen möchte?

Entwickelt sich zu einer zähen Angelegenheit. Aktuell können lediglich Großaktionäre (über 100 000 Euro) Aktien zeichnen – und die zeigen sich in der aktuellen Krise mehr als zögerlich. Die Ausgabe der Wertpapiere an Kleinanleger (bis 25 000 Euro) war von Anfang an erst für Mitte April geplant, könnte aus aktuellem Anlass laut Becker aber nach hinten verschoben werden.

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Erstellt:
2. April 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 30sec

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