Intensive Gespräche über Zukunft der Galopprennen

Iffezheim (fk/kgö) – Wie es für die Galopprennen in Iffezheim weitergehen soll, ist Gegenstand intensiver Beratungen. Am Freitag ist ein Treffen von möglichen regionalen Investoren geplant.

Trotz vieler Fragezeichen gehen die Verantwortlichen davon aus, dass 2021 wieder Pferde über die Iffezheimer Grasbahn donnern.Foto: Florian Krekel/Archiv

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Trotz vieler Fragezeichen gehen die Verantwortlichen davon aus, dass 2021 wieder Pferde über die Iffezheimer Grasbahn donnern.Foto: Florian Krekel/Archiv

Die Schlüssel sind übergeben, die Bahnpflege seitens Baden-Racing läuft mit dem Ende dieser Woche aus: Der Rennverein existiert fast nur noch auf dem Papier – auch wenn noch Arbeitsgeräte und Materialien in beträchtlichem Wert auf der Iffezheimer Rennbahn lagern. Wie es für die Galopprennen auf dem Rund in der Renngemeinde weitergehen soll, ist weiter in der Schwebe. Diskutiert wird nach BT-Informationen mittlerweile allerdings ein Angebot des bisherigen Rennbahn-Caterers und Baden-Badener Gastronomie-Unternehmers Mike Brandau.

Brandau: „Authentischen Drittnutzung“


Das sieht – wie aus Turfkreisen zu hören war – eine Art Gartenschau mit Freizeit- und Erlebnisangeboten vor. Brandau selbst bestätigte dem BT, der Gemeinde ein Angebot für die Nutzung der Rennbahn vorgelegt zu haben. Schriftlich lässt der Firmenchef mitteilen: „Die Brandau Unternehmensgruppe hat, in ihrer Funktion als Projektentwickler, der Gemeinde Iffezheim ein ganzheitliches, nachhaltiges und vor allem langfristig wirtschaftlich belastbares Angebot zur unterjährigen Nutzung der Rennbahn in Iffezheim vorgelegt.“ Das stehe, so Brandau weiter, auch nicht – wie in der Turfszene teils befürchtet wird – im Gegensatz zum täglichen Galopp-Betrieb auf der Renn- und Sandtrainingsbahn. Vielmehr sehe das Konzept eine „authentischen Drittnutzung der Anlage von April bis Oktober vor“, bei der „der vollständige Erhalt des Renn- und Trainingsbetriebes im Fokus der Bemühungen stehe“, erklärt Brandau gegenüber dem BT.

Werler: „Über allem steht Nachhaltigkeit“


Eine Entscheidung darüber seitens der Gemeinde ist allerdings noch nicht gefallen. Im Rathaus selbst wollte man sich zuletzt zu den Plänen Brandaus nicht äußern. Auf Nachfrage erklärte Bürgermeister Christian Schmid: „Wir sind mit dem Deutschen Galopp, Baden Racing, der regionalen Gruppe sowie weiteren potenziellen Interessenten zur Nutzung der Anlage sowie zum Betrieb unserer Galopprennbahn fortlaufend im Austausch.“

Bei der Suche nach einer Lösung für die Zukunft der Iffezheimer Rennbahn spielt allerdings auch eine Initiative um den einstigen Iffezheimer Bürgermeister Peter Werler eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie Recherchen des BT ergaben, ist für übermorgen ein Treffen von möglichen regionalen Investoren geplant. Werler sagte jüngst in der Sport-Welt: „Ich bin der Meinung, dass wir eine regionale Beteiligung bei der zukünftigen Lösung für die Rennbahn Iffezheim brauchen. Wir, die wir uns zu diesem Zweck zusammengetan haben, führen aktuell viele Gespräche, auch Investorengespräche. (...) Das Ziel ist es, genau zu prüfen, ob es ein Konzept von uns geben kann. Es braucht dazu vor allem auch einen konkreten Business-Plan. Und es muss nachhaltig sein.“

Der einstige Bürgermeister der Gemeinde gibt sich zuversichtlich: „Wir versuchen Affinität, Herzblut und Leidenschaft zu vereinigen, um eine Lösung zu präsentieren. Der wesentliche Faktor ist das finanzielle Polster, Potenzial hierfür sehen wir. Gespräche mit dem Deutschen Galopp müssen wir dann führen, wenn wir die richtige Basis gefunden und die Grundlagenarbeit erledigt haben. Über allem steht das Thema Nachhaltigkeit.“

Zwei Trainer verlassen Iffezheim


Die Trainingszentrale wird indes in Kürze um zwei Trainer kleiner: Der seit fünf Jahren dort tätige Lennart Hammer-Hansen beendet seine Karriere: „Mit nur noch sieben Pferden kann man einen Rennstall nicht mehr wirtschaftlich betreiben.“ 55 Rennen hat Hammer-Hansen als Trainer gewonnen, immerhin 1050 als Jockey – trotz vieler schwerer Stürze. Ein Jahr lang betätigte er sich als Busfahrer in seiner dänischen Heimat, um eine Art Burn-out zu bekämpfen. Hammer-Hansen will in der Szene bleiben, als Trainer-Assistent an einem großen Stall oder in einem Gestüt.

Sein Kollege Miroslav Rulec verlässt mit seinen 14 Pferden die Trainingsanlage und geht nach Straßburg. „Mitte Januar ist Schluss in Iffezheim. Dann geht es wie jedes Jahr erst einmal nach Cagnes. Die Pferde, die dort starten, kommen nicht zurück nach Iffezheim, sondern werden nach dem Meeting direkt danach Straßburg gebracht, wo wir dann Ende Februar, Anfang März unseren neuen Stall beziehen.“

Als Ausweichvariante während der Bauarbeiten an der Sandtrainingsbahn in Iffezheim wird vielfach die Bahn von Wissembourg im Elsaß gewählt. Die rund 800.000 Euro teuren Arbeiten in Iffezheim sollen am Montag starten und knapp zwei Monate dauern. Finanziert wird das von den Stallbesitzern, die Nutzung und Instandhaltung der Bahn vertraglich in der Hand halten.


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