Internet-König als SC-Joker

Baden-Baden (moe) – Jens Knossalla, der „König des Internets“, ist Sponsor des SC Baden-Baden. Jüngst stand er sogar auf dem Platz, konnte die Niederlage des Fußball-B-Ligisten aber nicht verhindern.

Gekickt hat er ohne Krone: Jens „Knossi“ Knossalla. Foto: Christoph Hardt/dpa

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Gekickt hat er ohne Krone: Jens „Knossi“ Knossalla. Foto: Christoph Hardt/dpa

Jens Heinz Richard Knossalla war schon vieles: Bürokaufmann, Gameshow-Kandidat, Laiendarsteller, Poker-Ass, Buchautor, Gönner des Rastatter Tierheims, Teilzeitsänger – die Liste lässt sich fast beliebig verlängern, Hauptsache laut, schrill, nach Aufmerksamkeit geifernd.

Mit dieser Masche hat es der gebürtige Malscher in den Nischen der bundesrepublikanischen Medienwelt zu einer beachtlichen Karriere gebracht. Neben der Aufgabe als Moderator der täglichen Late-Night-Show „Täglich frisch geröstet“, die von TV-Legende Stefan Raab produziert wird, ist der 35-jährige Mittelbadener – kurz „Knossi“ – nichts weniger als einer der erfolgreichsten Streaming-Entrepreneure des Landes. Wenig bescheiden sieht er sich selbst als „König des Internets“.

Als Aristokrat in der Welt des Fußballs hat es der Blondschopf, der in Rastatt aufgewachsen ist, in den vergangenen Jahren indes nicht zu größerem Ruhm und Ehren gebracht. Aber zumindest in den „kicker“: „Twitch-Star Knossi sponsert den SC Baden-Baden“, titelte das Zentralorgan der kickenden Zunft auf seiner Homepage Anfang März. Als Kenner der mittelbadischen Szene stellt man sich an dieser Stelle unweigerlich die Frage, was eigentlich bemerkenswerter ist: Die Erwähnung von Knossi oder die des kurstädtischen Sport-Clubs, dessen Erfolgsgeschichten in etwa so alt sind wie der Altersdurchschnitt der Bevölkerung an der malerischen Oos.

Optisch schon bundesligareif

„Der SC Baden-Baden ist ab sofort gesponsert vom König“, ließ der Internet-Monarch, der als Wohnort Baden-Baden angibt, jedenfalls verlauten: „Ich habe gerade 3,7 überwiesen.“ Übersetzt in BT-Deutsch: 3.700 Euro für einen neuen Trikotsatz. Formschön in Schwarz und Gelb mit übergroßem Knossi-Logo, also ein stilisiertes „K“ mit Krönchen, eine Insigne, die der „King“ selbst gern zu tragen pflegt. Dass die gesponserte Variante neben einem veränderten Logo auch farblich quasi diametral von den angestammten Vereinsfarben – zur Info: Rot und Weiß – abweicht: geschenkt. Optisch „ab sofort Bundesliga“, tat Knossalla stattdessen kund.

Die harte Realität heißt allerdings (noch): Kreisliga B, Staffel 2. Tabellenplatz acht. Von neun. Vom Status quo seiner Untertanen hat sich der König am vergangenen Wochenende selbst überzeugt und seine Androhung aus dem Frühjahr wahr gemacht. „Knossi kommt...“, titelte der SC in freudiger Erwartung der Audienz. Und der König gab sich mit seiner Entourage in Form eines Kameramanns die Ehre, denn die Partie gegen den Freizeit-Club Weisenbach wurde live ins Internet gestreamt. „Das war ein Riesenspaß“, sagte Patrick Meisch, Trainer und sportlicher Leiter des SC, zur Abwechslung vom bisweilen tristen Liga-Alltag. Die Folge der medialen Monstranz: In der Spitze verfolgten 32.000 Zuschauer das Geschehen im Aumattstadion von ihren Bildschirmen aus. Zur Einordnung: Beim letzten Bundesliga-Heimspiel der TSG Hoffenheim waren 8.127 Fußballfans vor Ort. Die Zuschauer vor den Endgeräten der DAZN-

Übertragung zugegebenermaßen nicht mitgerechnet.

„Schlechter Kicker, supersympathischer Typ“

Mit gewohnt markigen Worten peitschte der Sponsor seine „Knossis Kickers“ – nicht zu verwechseln mit den anderen Kickers in der Kurstadt – ein. „Gleich geht es ab hier, mega!“, sendete Knossi live aus der SC-Kabine. Immer wenn der König spricht, klingt es ein wenig so, als wäre ein Duracell-Langohr als kleines Häschen in einen Topf voller Aufputschmittel gefallen: „Das hört mir auf mit den Dörfern hier, wir gehn‘ Bundesliga“, lautete eine Anweisung.

Für einen derartigen Höhenflug wären dann allerdings noch weitaus höhere Summen notwendig. Obendrein müsste sich „King Knossi“ mit den limitierenden 50+1-Regeln dezidierter auseinandersetzen. Dass ausgerechnet der SC Baden-Baden in den Genuss pekuniärer und medialer Zuwendung kam, hat zum einen damit zu tun, dass es laut Meisch Seilschaften aus dem kurstädtischen Fuß(ball)volk zum Monarchen gibt, und dieser laut Manager David Stade ohnehin Willens war, einen Club zu fördern. Bisher blieb es übrigens beim Trikotsatz, aber Knossi wolle sich auch in Zukunft einbringen, wie Meisch dem BT sagte. Das sei gerade mit dem Blick auf den Nachwuchs im Verein – der Zulauf junger Kicker war jüngst sehr erfreulich – von Bedeutung.

Großer Auftritt drei Minuten vor dem Ende

Und weil Meisch seinem (Dribbel)König rechtzeitig einen regulären Spielerpass beim Südbadischen Fußballverband besorgt hatte, legte „Knossi“ tatsächlich selbst Fuß an. Wobei er zunächst vom Schiedsrichter mit der Gelben Karte verwarnt wurde, weil der Influencer samt Kameramann im Überschwang des zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich unerlaubterweise auf den Platz stürmte. Der (große) Auftritt folgte dann drei Minuten vor dem Ende: Der König betrat den Platz. Da stand es noch 2:2. Dass der FC Weisenbach in der Nachspielzeit doch noch mit 3:2 gewann, hatte freilich nichts mit Knossi zu tun, versichert Trainer Meisch – und gibt dennoch zu: „Er ist zwar unser schlechtester Spieler, aber ein supersympathischer Typ!“

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

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Erstellt:
9. November 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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