Interview mit KSC-Trainer Christian Eichner

Karlsruhe (ket) – Am Samstag startet der Fußball-Zweitligist Karlsruher SC in die Saison. Im BT-Interview spricht Trainer Eichner über die bevorstehende Runde, den neuformierten Kader und die Ziele.

Tüfteln am Nichtabstiegsplan: Christian Eichner startet erstmals als Cheftrainer des KSC in eine Saison. Foto: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Tüfteln am Nichtabstiegsplan: Christian Eichner startet erstmals als Cheftrainer des KSC in eine Saison. Foto: Markus Gilliar/GES

Der Karlsruher SC startet am Samstag mit seinem Spiel bei Hannover 96 (13 Uhr) in die neue Zweitligasaison. Erstmals hatte Christian Eichner, der die Mannschaft vergangenen Februar vom glücklosen Alois Schwartz übernommen und vor dem Abstieg gerettet hat, die Verantwortung für Kaderzusammenstellung und Vorbereitung. BT-Redakteur Frank Ketterer sprach zum Saisonstart nicht zuletzt darüber mit dem 37-jährigen Fußballlehrer.

BT: Herr Eichner, die Leistung Ihrer Mannschaft im Pokalspiel vergangenen Samstag gegen Union Berlin wurde allseits als ansprechend beschrieben. Können Sie sich dieser Meinung anschließen?

Christian Eichner: Ja. Auf jeden Fall. Die Mannschaft hat gegen Union viele Dinge, die sie sich in der Vorbereitung erarbeitet hat, gut und richtig umgesetzt. Dass am Ende eine Standardsituation das Spiel gegen uns entschieden hat, war natürlich bedauerlich.

BT: Was darf man aus diesem Spiel für diese Zweitliga-Saison ableiten, die für den KSC an diesem Samstag in Hannover beginnt?

Eichner: Also mit Sicherheit nicht, dass wir in Hannover automatisch wieder so gut und kompakt auftreten und einfach so die Punkte abholen. Ich sehe das Spiel gegen Berlin vielmehr als Botschaft der Mannschaft an sich selbst: Die Jungs haben gezeigt, was sie leisten können, aber auch, was sie leisten müssen, um in die Nähe von Erfolg und Punkten zu kommen. Und damit haben sie automatisch die Messlatte für die nächsten Spiele gelegt.

BT: Was kann Ihre Mannschaft, was Sie letzte Saison noch nicht konnte? Wo fand die Ihrer Meinung nach größte Entwicklung statt?

Eichner: Das ist schwer zu sagen. Wir haben insgesamt ein bisschen mehr Zeit damit verbracht, um den Jungs verschiedene Ideen mit auf den Weg zu geben, wie sie agieren können, wenn der Gegner den Ball hat. Da haben wir extrem viel rumgeschraubt. In der letzten Saison haben wir versucht, den Gegner früh und hoch zu attackieren. Das geht aber nicht über die ganzen 90 Minuten, sondern man muss lernen, auch in verschiedenen Höhen aktiv zu sein. Damit einher geht, dass man mehr Vertrauen in sein Spiel mit Ball gewinnt. Gegen Berlin hat man durchaus die ein oder andere ganz ordentliche Ballpassage zu sehen bekommen. Das hat auch damit zu tun, dass wir insgesamt an Qualität und Ballsicherheit dazugewonnen haben. Die Jungs können alle mit der Kugel umgehen. Jetzt müssen wir noch den richtigen Mix aus Sicherheit und Risiko finden.

Entscheidungen im letzten Drittel müssen besser werden

BT: Woran hätten Sie in der Vorbereitung gerne noch etwas mehr gearbeitet?

Eichner: Mit der Frage habe ich mich gar nicht beschäftigt. So eine Vorbereitung ist ja immer endlich – und das ist auch gut so. Jetzt, mit dem Saisonstart, beginnt eine Art Prozess. Die Spiele sind ja immer Botschaften für die Inhalte der Trainingswoche, nach dem Motto: Was können wir mitnehmen? Woran müssen wir arbeiten? Was insgesamt, um auf Ihre Frage zurückzukommen, besser werden muss, sind die Entscheidungen im letzten Drittel.

BT: Wie sehen Sie die 2. Liga prinzipiell im Vergleich zur letzten Spielzeit?

Eichner: Gefühlt ist sie von oben nach unten noch ausgeglichener als letzte Saison. Ich glaube, dass es vorne ein extrem breites Feld geben wird – und ich könnte mir vorstellen, dass es eine Zweiteilung in der Tabelle geben wird.

BT: Und wen sehen Sie am Ende vorne und wer wird den Abstieg unter sich ausmachen?

Eichner: Ich denke, die Erstligaabsteiger plus Hamburg, Hannover und Nürnberg sowie eventuell Bochum und Kiel werden um den Aufstieg kämpfen, alle anderen um den Klassenerhalt.

BT: Da würden Sie auch Ihre Mannschaft dazuzählen?

Eichner: Ja. Wir gehören auf alle Fälle zum Kreis der Mannschaften, die um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Wer nicht unter den ersten Acht oder Neun ist, muss in der 2. Liga erfahrungsgemäß immer nach unten schauen.

Zufrieden mit den Jungs, die da sind

BT: Sie hatten erstmals die Hauptverantwortung für die Kaderplanung. Auf was haben Sie bei den Neuzugängen besonders Wert gelegt?

Eichner: Ganz pragmatisch: Wir haben unseren Kader genau analysiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir zunächst einmal einen Torhüter und einen offensiven Außen benötigen. So sind wir prioritätenmäßig vorgegangen, bis der Kader so aussah, wie er aktuell aussieht. Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich mit den Jungs, die da sind, sehr zufrieden. Dass uns noch ein, zwei gestandene Profis im Kader guttun würden, ist auch kein Geheimnis. Aber das muss halt auch wirtschaftlich machbar sein.

BT: 14 Spieler haben den Verein verlassen, nur vier externe sowie vier interne sind dazugekommen. Das heißt, Sie haben sechs Spieler weniger im Kader als in der Vorsaison. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Eichner: Beides. Ich brauche keinen Kader, der so groß ist wie jener der letzten Saison. Um Position 25 oder 28 besetzen zu können, habe ich unsere „KSC GRENKE aKAdemie“ (NLZ), aus der ich immer wieder Spieler mit dazu holen kann. Fakt ist aber auch: Wenn bei uns aktuell ein Spieler ausfällt, wird es im Training schon schwierig, ein zehn gegen zehn hinzubekommen. Da hat auch Zlatan (Anmerk. der Red.: Eichners Co-Trainer Bajramovic) schon mal aushelfen müssen.

BT: Sie haben das NLZ gerade genannt. Wie wichtig war es Ihnen, vier Jungs aus dem eigenen Stall nach oben zu holen und sie mit Profiverträgen auszustatten?

Eichner: Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. In unserem NLZ wird eine tolle Arbeit abgeliefert. Da gibt es immer wieder junge Leute, die man einfach reinwerfen muss, um zu sehen, wie sie sich freischwimmen und behaupten. Diesen Weg sind wir alle einmal gegangen. Dabei kann ich nie sagen, wer es schafft und wer es nicht schafft. Das müssen wir einfach ausprobieren.

„Gehe davon aus, dass Hofmann bleibt“

BT: Herr Eichner, Sie haben angedeutet, ihrer Linie treu bleiben und jedem Spieler Einsatzzeit geben zu wollen. Für einen, Markus Kuster, gilt das erstmal nicht mehr. Was gab den Ausschlag dafür, dass Sie Marius Gersbeck und nicht Kuster zu Ihrer Nummer eins im Tor ernannt haben?

Eichner: Die Leistung von Marius in der Vorbereitung. Er hat nahezu sechs Wochen lang an seinem Optimum trainiert und auch gespielt. Was in den Testspielen zu halten war, hat er herausragend gehalten. Dafür musste er belohnt werden. Jetzt geht es darum, Markus Kuster zu helfen und auf jenes hohe Level zu bringen, dass er schon angedeutet hat.

BT: Wie schwer fällt es Ihnen, eine solche Entscheidung zu treffen und sie dem Spieler dann auch mitzuteilen?

Eichner: Extrem schwer. Aber es gehört zum Job nunmal dazu. Ich versuche dabei immer, meine Entscheidung argumentativ zu begründen und dem Spieler auch ein Stück Hoffnung mitzugeben, auch wenn mir das nicht immer gelingt.

BT: Noch nicht endgültig gefallen scheint die Entscheidung, ob Philipp Hofmann beim KSC bleibt oder doch noch auf den letzten Drücker weggekauft wird. Wie hart würde Sie das treffen?

Eichner: Über den Wert von Philipp Hofmann müssen wir hier nicht diskutieren – und das keineswegs nur wegen seiner Tore. Mit seiner Persönlichkeit, mit seiner Präsenz, mit seiner Fähigkeit, immer zwei, drei Gegenspieler auf sich zu ziehen, ist er einer der Köpfe der Mannschaft. Deswegen will ich mich mit der Möglichkeit seines Weggangs auch gar nicht weiter beschäftigen, sondern ich gehe fest davon aus, dass er bleibt.

BT: Sind Sie dennoch auf das Szenario eingestellt? Gibt es einen Plan B?

Eichner: Grundsätzlich sind wir darum bemüht, für alle Positionen einen Plan B zu haben. Aber es ist in diesem Fall nicht einfach.

BT: Herr Eichner, welche Platzierung müsste es mindestens sein, damit Sie nächsten Mai von einer guten Saison sprechen können?

Eichner: Wenn wir nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen und mit unserem Spiel die Leute ansprechen. Gegen Union Berlin ist uns das schon mal ganz gut gelungen.

Eichner stellt die Neuzugänge vor

Markus Kuster (Torhüter, 26 Jahre, zuletzt: SV Mattersburg). Das sagt der Trainer: „Ein sehr ruhiger Zeitgenosse, der diese Ruhe auch auf die Mannschaft ausstrahlt. Markus Kuster ist sehr fangsicher und hat auch fußballerisch gute Lösungen im Repertoire. Gut ist, dass er mittlerweile zusammen mit seiner Freundin eine Wohnung gefunden hat und so langsam heimisch wird. Ich glaube, dass wir an ihm noch unsere Freude haben werden.“

Robin Bormuth (Innenverteidiger, 24 Jahre, zuletzt: Fortuna Düsseldorf). Das sagt der Trainer: „Robin sah sich zunächst einem Gesamtpaket gegenüber, das ihm extrem viel abverlangt hat. Er galt von vornherein als Gordon-Nachfolger und damit als Führungsspieler. Auch die Erwartungshaltung, die er an sich selbst gestellt hat, war extrem hoch, zumal er ja aus der Bundesliga gekommen ist. All dem gegenüber stand die Tatsache, dass er in Düsseldorf lange nicht gespielt hatte und sich im neuen Umfeld erst mal zurechtfinden musste. Nach einem guten Austausch zwischen uns beiden hat das dann auch immer besser funktioniert. Daran gilt es nun weiter zu arbeiten.“

Philip Heise (Verteidiger, 29 Jahre, zuletzt: 1. FC Nürnberg). Das sagt der Trainer: „Philip kommt sehr viel über den fußballerischen Ansatz. Das tut uns unfassbar gut. Allerdings muss er auch schauen, es damit vor dem eigenen Tor nicht zu übertreiben. Im Pokal gegen Union Berlin hat er diese Mischung sehr gut hinbekommen. So kann es weitergehen.“

Benjamin Goller (Außenstürmer, 21 Jahre, ausgeliehen von W. Bremen). Das sagt der Trainer: „Benjamin hat mir vom ersten Tag an große Freude bereitet. Er ist genau der Typus, den ich vorne drin haben wollte: extrem fleißig, extrem wertvoll für die Mannschaft. Was der Junge über 90 Minuten wegläuft und wegsprintet, das ist unfassbar. Wenn er noch etwas an Sicherheit dazugewinnt, wird er auch definitiv an Torgefährlichkeit dazugewinnen.“

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