Interview mit SBFV-Vizepräsident Dusch

Baden-Baden (rap) – Die Fallzahlen sinken, die Inzidenzen gehen runter: Christian Dusch, Vizepräsident des Südbadischen Fußballverbands, hofft, dass die Saison 2021/22 planmäßig starten kann.

Action im Strafraum: Christian Dusch hofft, dass die Saison 2021/22 ohne Verspätung starten kann. Foto: Frank Seiter

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Action im Strafraum: Christian Dusch hofft, dass die Saison 2021/22 ohne Verspätung starten kann. Foto: Frank Seiter

Seit eineinhalb Jahren schnürt die Corona-Pandemie dem Amateurfußball die Luft ab. Nachdem die Saison 19/20 zumindest durch eine Quotientenregelung zu einer Wertung kam – es gab nur einen Aufsteiger, keine Absteiger –, musste der Südbadische Fußballverband (SBFV) die Runde 20/21 im Frühjahr annullieren. Beim SBFV läuft zum Thema Corona bei Christian Dusch alles zusammen. Der SBFV-Vizepräsident ist für den Spielbetrieb verantwortlich, also auch für Spielabsagen und -verlegungen. Im Interview mit BT-Redakteur Christian Rapp spricht Dusch über die abgebrochene Runde, die noch ausstehenden Pokalspiele sowie über die Sehnsucht nach regionalen Fußballspielen.

BT: Herr Dusch, wie schmerzhaft war es, dass der Verband die Saison 2020/21 annullieren musste?
Christian Dusch: Es war eine schwierige Entscheidung, weil es die zweite Saison in Folge ist, in der wir keinen ordentlichen Auf- und Abstieg hatten, keine ordentliche Saison zu Ende spielen konnten. Wir haben versucht, alle Möglichkeiten so lange offenzuhalten, um zumindest eine komplette Vorrunde zu spielen, bis es nicht mehr anders ging. Am Ende, aufgrund der Rahmenbedingungen und der Pandemie-Lage, war es leider nicht mehr realistisch, dies bis zum 30. Juni zu schaffen. Notgedrungen und schweren Herzens mussten wir die Saison daher abbrechen.

BT: Der SBFV hat den Abbruch lange hinausgezögert, viele Vereine äußerten ihr Unverständnis über die lange Zeit der Unklarheit. Haben Sie Verständnis dafür?
Dusch: Ich bin mir nicht sicher, ob es für die Vereine besser gewesen wäre, wenn wir zwei Wochen früher auf Abbruch entschieden hätten. Ich sehe nicht so ganz, wo da der Vorteil hätte sein können. Ganz im Gegenteil: Es wäre ein massiver Nachteil gewesen, wenn wir zu früh abgebrochen hätten und dann doch noch die Möglichkeit bestanden hätte, die Saison sportlich zu Ende zu bringen. Da brauche ich nicht viel Fantasie, um mir vorzustellen, was dann los gewesen wäre. Da hätte das Telefon nicht mehr aufgehört zu klingeln. Deshalb war es notwendig, so lange zu warten. Gleichwohl gibt es natürlich Kritik. Es gibt aber auch die, die nichts sagen, und diejenigen, die es für richtig gehalten haben, so lange zu warten. Wenn man ein Führungsamt inne hat, ob im Verein, Verband oder im Beruf, wird man selten eine Entscheidung treffen, die von allen bejubelt wird.

SBFV-Vizepräsident Christian Dusch ist für den Spielbetrieb verantwortlich, also auch für Spielabsagen und -verlegungen. Foto: SBFV

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SBFV-Vizepräsident Christian Dusch ist für den Spielbetrieb verantwortlich, also auch für Spielabsagen und -verlegungen. Foto: SBFV

BT: Während die Saison annulliert wurde, hofft der Verband noch darauf, den südbadischen Teilnehmer für den DFB-Pokal auf sportlichem Wege stellen zu können. Die Fallzahlen sinken seit Wochen. Wie realistisch ist es, dass dies gelingt?
Dusch: Wir haben sehr frühzeitig einen Stufenplan mit mehreren Szenarien dargelegt. Das war von Anfang an, also schon Ende Oktober 2020, klar kommuniziert. Auch für die Pokalwettbewerbe haben wir mit den betroffenen Mannschaften den Kontakt gesucht und unterschiedliche Varianten besprochen. Unsere favorisierte war natürlich, den Pokal bis zum 29. Mai, dem Finaltag der Amateure, über die Bühne zu bringen. Das war leider aufgrund der weiter hohen Fallzahlen und der fehlenden Vorbereitungszeit nicht möglich. Die zweite Variante ist nun, die ausstehenden Spiele bis zum 30. Juni durchzuführen. Das Finale soll am letzten Juni-Wochenende stattfinden. Das hängt davon ab, wann wir in einen Wettbewerbsbetrieb einsteigen können, der uns ermöglicht, an einem Tag das ausstehende Achtelfinale sowie am Wochenende vor dem anvisierten Finale freitags das Viertel- und sonntags das Halbfinale spielen zu können. Ob wir die Variante so durchziehen können, hängt letztlich davon ab, wann der Wettbewerbsbetrieb wieder möglich ist.

Losentscheid nur die allerletzte Möglichkeit

BT: Falls die Corona-Pandemie eine Entscheidung auf dem grünen Rasen nicht zulassen sollte: Entscheidet dann die Münze?
Dusch: Wenn es sich herausstellt, dass auch die zweite Variante nicht durchführbar ist, werden wir das Gespräch mit den Vereinen suchen. Im Moment sieht es aber deutlich positiver aus als in allen Situationen des kompletten letzten Jahres. Es ist nicht nur wie im vergangenen Sommer eine kurzfristige Erholung, sondern durch den Impffortschritt eine nachhaltige Verbesserung. Die Chancen, den Pokal sportlich zu Ende zu bringen, sind gut und steigen jeden Tag, mit jeder Impfung ein stückweit mehr. Nichtsdestotrotz werden wir kein normales Pokalendspiel unter normalen Bedingungen haben, das ist uns bewusst. Der Losentscheid wird von keinem Verein favorisiert – es wäre nur die allerletzte Möglichkeit, den südbadischen Teilnehmer für den DFB-Pokal zu ermitteln.

BT: Die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) hat neulich einen Bericht veröffentlicht, in dem die Rede ist, dass Sport im Freien, auch Fußball, bedenkenlos möglich, eine Corona-Ansteckung verschwindend gering sei. Hoffen Sie auf ein Einlenken der Politik, in absehbarer Zeit wieder die Fußballplätze zu öffnen?
Dusch: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte bereits schon vergangenes Jahr eine Studie in die Diskussion eingebracht, die zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen ist. Jetzt haben wir es nochmal von einer anderen Seite. Ich gehe davon aus, dass die Chancen auf Öffnung mit einem einigermaßen normalen Trainingsbetrieb für alle, natürlich mit entsprechendem Hygienekonzept, immer größer werden und der Zeitpunkt näher rückt. Durch die sinkenden Inzidenzzahlen kommen weitere Öffnungsschritte für den Sportbetrieb an der Luft immer näher. Der DFB und der DOSB haben jetzt auch die Petition „Draußen muss drin sein“ gestartet, die genau diese wissenschaftlichen Ergebnisse aufgreift. Allerdings, so ehrlich muss man sein, halten sich die Fußballer nicht nur draußen auf, sondern auch in der Umkleide, in der Dusche. Ein Wettbewerbsbetrieb ohne Nutzung der Kabinen und der Duschen ist auf Dauer nicht durchführbar.

BT: Falls die Öffnungen weiter auf sich warten lassen sollten: Befürchten Sie dann ein Vereins- und Mitgliedersterben, gerade bei den Kindern und Jugendlichen, die seit 14 Monaten nicht mehr gegen den Ball treten dürfen?
Dusch: Die Diskussion führen wir gefühlt schon seit drei Tagen nach dem ersten Lockdown. Natürlich ist diese Gefahr grundsätzlich da, aber mir fehlen momentan schlicht die Daten, um entsprechende Prognosen zu stellen. Es ist eine Frage, die man mit einem entsprechenden Abstand, wenn man wieder den Trainings- und Spielbetrieb aufgenommen hat, beantworten kann. Derzeit ist es aus meiner Sicht nicht seriös beurteilbar, welche Konsequenzen die Pandemie auf diesen Aspekt unseres Sports wirklich hat.

Ziel: Relativ normale Saison

BT: Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Angenommen, die Politik erteilt dem Fußball im Frühsommer die Erlaubnis, und der Ball kann wieder rollen. Würde der SBFV dann direkt irgendwelchen Vorbereitungsturnieren zustimmen oder würde man eine bestimmte Anzahl an Trainingswochen vorschreiben?
Dusch: Das hängt von mehreren Aspekten ab. Entscheidend wird sein, wie die Rahmenbedingungen und die Hygienevorschriften sind, ob solche Turniere überhaupt zugelassen werden. Ich gehe nicht davon aus, dass wenn ein Trainingsbetrieb wieder möglich ist, sofort auch wieder Großveranstaltungen mit vielen Vereinen an einem Ort durchführbar sein werden. Der Verband wird genauso sorgsam wie in den vergangenen 13 Monaten mit der Situation umgehen. Wir haben kein Interesse daran, dass wir unsere kommende, hoffentlich unter regulären Bedingungen zu Ende führbare Saison von vorneherein zerschießen, weil wir irgendwelche Turniere in irgendeiner Form genehmigen. Das ist sicherlich nicht unser vordringlichstes Ziel. Wenn ein Verein aber so etwas durchführen möchte, werden wir uns den Antrag ganz genau anschauen und im Einzelfall entscheiden.

BT: Laut Rahmenterminkalender soll Ende Juli schon die Qualifikationsrunde des SBFV-Pokals über die Bühne gehen. Renommierte Sportwissenschaftler gehen nach so einer langen Pause von einer Mindestvorbereitungszeit von acht Wochen aus. Das hieße, Ende Mai müsste der Trainingsbetrieb wieder starten.
Dusch: Diese Studien kenne ich nicht, unsere Verbandssportslehrer sagen, dass drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit ausreichen. Zudem haben die allermeisten überbezirklichen Vereine, was die Wiederaufnahme des Spielbetriebs angeht, sich für vier Wochen ausgesprochen. Sollten die restlichen Pokalspiele durchführbar sein, können wir auf jeden Fall auch wieder mit dem Trainingsbetrieb anfangen. Aber es ist auch klar, dass der Rahmenterminkalender des Spieljahrs 2021/22 unter einem großen Vorbehalt steht – nämlich der Machbarkeit. Natürlich haben wir auch einen Plan B in der Schublade, falls sich die Rahmenbedingungen wieder ändern sollten.

„Guter Hoffnung, dass wir ein sportliches Ergebnis erzielen können“

BT: Wie groß ist die Hoffnung, dass nach zwei Corona-Runden die Saison 2021/22 halbwegs normal durchgezogen werden kann?
Dusch: Angesichts der aktuellen Entwicklung der Fallzahlen und der sinkenden Inzidenzen sowie der zunehmenden Zahl an Geimpften bin ich guter Hoffnung, dass wir ein sportliches Ergebnis erzielen können, verbunden mit einer relativ normalen Saison.

BT: Herr Dusch, wie sehr sehnen Sie sich nach einer Bratwurst, einem Bierchen und einem lockeren Plausch bei einem Amateurfußballspiel?
Dusch: Da geht es mir wie vielen anderen: Natürlich vermisse ich das, und es ist auch ein Ziel des Verbands, dass dies in diesem Jahr noch gelingen wird.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
27. Mai 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 26sec

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