Interview mit VfB-Präsident Edgar Bohn

Baden-Baden (ket) – Wolfgang Overath hat ihn zum FC Köln gebracht, die Familie zum VfB Bühl – ein Gespräch mit dem neuen VfB-Präsidenten Edgar Bohn.

Familiensache: Früher jagte Vater Edgar Bohn zusammen mit seinem Bruder Peter für den VfB Bühl dem Ball nach, heute tut es Sohn Nico. Foto: Frank Seiter

© Frank Seiter

Familiensache: Früher jagte Vater Edgar Bohn zusammen mit seinem Bruder Peter für den VfB Bühl dem Ball nach, heute tut es Sohn Nico. Foto: Frank Seiter

Er ist seit langem schon Fan des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln und seit kurzem erst Präsident des VfB Bühl. Warum dem so ist, erklärt Edgar Bohn im Gespräch mit BT-Sportredakteur Frank Ketterer.

BT: Herr Bohn, wann schafft sich der VfB Bühl einen Geißbock an, man könnte ihn ja „Voppes I.“ nennen?

Edgar Bohn (lacht): Dass ich Fan und Mitglied des 1. FC Köln bin, hat sich ja offensichtlich rumgesprochen. Aber der VfB Bühl ist der VfB Bühl – und als solcher braucht er keinen Geißbock. Der bleibt besser in Kölle.

BT: Dennoch stellt sich die Frage: Wie wird ein gebürtiger Lörracher, der in Bühl aufwächst, Fan des 1. FC Köln?

Bohn: Das lag an Wolfgang Overath. Als junger Spieler war das mein großes Idol. Schon als ich ihn Ende der 60er Jahre das erste Mal gesehen habe, hat er mich beeindruckt. Da lag es auf der Hand, dass sein Verein, also der FC, auch meiner wird, also mein Lieblingsverein. Das ist bei allen Höhen und Tiefen bis heute so geblieben – und daran wird sich auch nichts mehr ändern, obwohl ich natürlich auch für den SC Freiburg und den KSC große Sympathien hege.

BT: Wie Sie FC-Fan wurden wäre damit geklärt. Aber wie sind Sie Präsident des VfB Bühl geworden? Wer hat das eingefädelt?

Bohn: Torsten Fellmoser, eines der Vorstandsmitglieder des VfB, hat mich angesprochen und mir erzählt, dass bei ihrer Suche nach einem neuen Präsidenten auch mein Name gefallen sei und sie nun wissen wollten, ob ich zu einer Kandidatur bereit sei. Ich habe da nicht lange überlegen müssen, um zuzusagen, schließlich ist der VfB auch eine Herzenssache für mich...

BT: Schon Ihr Vater Anton war zweiter Vorsitzender des VfB, Sie selbst trugen als Aktiver das VfB-Trikot ebenso wie aktuell Ihr Sohn Nico. Das hört sich fast schon nach VfB-Familie an...

Bohn: Das kann man so sagen. Zumal ja auch mein Bruder Peter für den VfB gespielt hat.

BT: Als Aktiver haben Sie im Mittelfeld gespielt. Darf man daraus ableiten, dass Sie schon immer jemand waren, der das Spiel und eben auch andere Dinge gerne in die Hand genommen und gestaltet hat?

Bohn: Na ja, ich habe ja durchaus auch in der Abwehr gespielt. In meiner Jugend gab es ja noch den Libero. Das war meine Position, wahlweise das defensive Mittelfeld.

BT: Auch dort wird gestaltet, wie man spätestens seit Franz Beckenbauer weiß.

Bohn: Das stimmt. Ich habe mich auch durchaus gerne um den Spielaufbau gekümmert.

BT: Herr Bohn, um was möchten Sie sich als Vereinspräsident kümmern? Wie würden Sie Ihre Aufgabe beschreiben?

Bohn: Das war auch eine der ersten Frage, die ich der Vorstandschaft gestellt habe: Was erwartet ihr von mir? In so einem Verein geht es von rein repräsentativen Aufgaben bis hin zum Mitwirken im operativen Geschäft. Wie wir das im Detail aufteilen, wird sich noch finden müssen. Das Aufgabenspektrum, das weiß ich spätestens seit meiner ersten Teilnahme an einer virtuellen Vorstandssitzung Anfang der Woche, ist jedenfalls enorm. Da geht es um Kleinigkeiten, beispielsweise um das Anbringen eines neuen Türschlosses am Geräteraum, ebenso wie um die großen Themen, zum Beispiel die Frage, wie es überhaupt weitergeht. Man muss schon jetzt die neue Saison planen, ohne zu wissen, ob und wie die aktuelle zu Ende geht. Als Präsident werde ich wohl die ein oder andere Repräsentationsaufgabe übernehmen, gegebenenfalls aber auch bei den operativen Themen mitwirken. Ich will einfach wissen, was im Verein so geht und bringe dann auch gerne meine Erfahrung ein. Wobei wir mit unserer aktuellen Vorstandschaft um Bernd Bross, Torsten Fellmoser und Stefan Voppichler, um nur mal diese drei zu nennen, schon jetzt ganz hervorragend aufgestellt sind. Da verstehen alle ihr Handwerk.

BT: Wie sehr wollen Sie sich auch um sportliche Dinge kümmern?

Bohn: Fürs Sportliche ist unser Sportvorstand Stefan Voppichler zuständig. Der macht das ganz hervorragend. Da werde ich mich nicht einmischen. Aber wenn mein Rat gefragt ist, werde ich ihn auch geben.

Edgar Bohn. Foto: pr

© ARTIS - Uli Deck

Edgar Bohn. Foto: pr

BT: Was waren Ihre ersten Amtshandlungen?

Bohn: Ich war schon im Vorfeld der Mitgliederversammlung, in deren Rahmen ich gewählt wurde, bei der Neuordnung der Satzung involviert. Man hat mich gebeten, als Jurist mal einen Blick darauf zu werfen und die ein oder andere Formulierung zu überprüfen. Wenn man so will, war das meine erste Amtshandlung – noch bevor ich gewählt war.

BT: Sie haben sich für Ihren Amtsantritt – Stichwort Corona – keine leichte Zeit ausgesucht...

Bohn: Stimmt. Das ist eine schwierige Phase, gerade für Jugendliche, die nicht trainieren dürfen und das manchmal gar nicht verstehen – unser Jugendvorstand Frank Dreher hat da manchmal viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber auch für unsere Unterstützer und Sponsoren. Denen können wir nur danken, dass sie uns auch in dieser schwierigen Phase die Treue halten, obwohl der ein oder andere selbst zu kämpfen hat.

BT: Sie sind nicht nur beim VfB ehrenamtlich engagiert. Wo noch?

Bohn: Das ist eine ganze Reihe ehrenamtlicher Engagements, von denen einige allerdings zumindest mittelbar mit meinem Job zusammenhängen. Unter anderem bin ich erster Vorsitzender des örtlichen Hochschulrats an der Dualen Hochschule in Karlsruhe. Hinzu kommt mein Mitwirken im ein oder anderen Kuratorium im kulturellen Bereich, zum Beispiel jenem des Festspielhauses oder des Badischen Kunstvereins, sowie im Stiftungsbeirat der Stiftung Lebenshilfe.

BT: Wie lassen sich all diese Ämter mit Ihrer ohnehin schon zeitintensiven Position des Vorstandsvorsitzenden des Badischen Gemeinde-Versicherungsverbands unter einen Hut bringen? Oder so gefragt: Warum tut man sich das an?

Bohn: Weil es wichtig ist, etwas für die Gesellschaft zu tun. Beim BGV haben wir beispielsweise ein Leitbild, in dem unter anderem festgehalten ist, dass wir eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Das führt unter anderem dazu, dass man sich in Einrichtungen ehrenamtlich engagiert, weil dadurch der gesellschaftliche Zusammenhalt gewahrt wird, ohne den das Gemeinwesen nicht funktioniert. Dieses Gemeinwesen sorgt wiederum dafür, dass Menschen nicht nur für sich selber leben, sondern zusammenkommen und gemeinsame Interessen verfolgen können, nur so kann soziale Integration gelingen. Das ist ungemein wichtig – und es braucht Menschen, die das aktiv fördern. Wobei diese ehrenamtlichen Arbeit nicht nur Arbeit ist, sondern auch Spaß macht und einem eine Art der inneren Zufriedenheit beschert. Dass die Zeit da bisweilen ein Problem ist, liegt in der Natur der Sache. Aber manchmal muss man sich diese Zeit einfach nehmen, gerade für Dinge, von denen man überzeugt ist.

BT: Letzte und vielleicht schwierigste Frage: Was wäre Ihnen lieber – dass der VfB aufsteigt oder Köln nicht absteigt?

Bohn (lacht): Kurzfristig, dass der FC nicht absteigt. Und mittel- bis langfristig, dass der VfB aufsteigt. Am allerliebsten hätte ich natürlich beides.

Zur Person

Prof. Edgar Bohn wurde 1959 in Lörrach geboren, verbrachte bereits seine Jugend allerdings in Bühl. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft in Freiburg und absolvierte sein Referendariat am Landgericht Baden-Baden. Nach seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt in Bühl, wechselte Bohn 1989 zum Badischen Gemeindeversicherungsverband, dessen Vorstandsvorsitzender er seit April 2019 ist. Zudem ist Bohn seit vielen Jahren Dozent an der Dualen Hochschule in Karlsruhe und wurde bereits 2008 zum Honorarprofessor ernannt. Als aktiver Fußballer spielte er für den VfB Bühl auf der Liberoposition oder im defensiven Mittelfeld. Seit Ende Oktober ist er als Nachfolger des zurückgetretenen Wolf-Dieter Geißler Präsident des Fußball-Landesligisten.

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Erstellt:
4. Dezember 2020, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 50sec

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