Investition in Windräder erzeugt Gegenwind

Baden-Baden (BNN) – Gutachten priesen die Beteiligung an Windkraftanlagen an. Für die Stadtwerke Baden-Baden ging die Rechnung bislang aber nicht auf.

Die Stadtwerke Baden-Baden sind seit Jahren an einem Windenergie-Projekt beteiligt, allerdings mit bislang eher mäßigem Ertrag. Foto:  Patrick Pleul/dpa

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Die Stadtwerke Baden-Baden sind seit Jahren an einem Windenergie-Projekt beteiligt, allerdings mit bislang eher mäßigem Ertrag. Foto: Patrick Pleul/dpa

Die FDP-Gemeinderatsfraktion fordert, dass die Stadt und ihre Eigenbetriebe künftig auf Unternehmensbeteiligungen verzichten. Planungen für Windräder auf der Gemarkung der Bäderstadt hatten zuletzt keine Chance auf Realisierung. Dafür sind die Stadtwerke Baden-Baden seit Jahren an einem Windenergie-Projekt beteiligt, allerdings mit bislang eher mäßigem Ertrag. Unter dem Strich steht ein nomineller Verlust. Das Engagement erzeugt deshalb auch kommunalpolitischen Gegenwind. Das damals regelrecht angepriesene Geschäft mit von Windrädern erzeugtem Strom ist weit hinter den Erwartungen geblieben.

Für FDP-Stadtrat Rolf Pilarski steht das Fazit dieser Investition daher eindeutig fest. „Ich würde das heute nicht mehr machen!“ Eine Lehre sollten die Bürgervertreter daraus auch ziehen, findet der Liberale. Seine Empfehlung und die seiner Fraktion: künftig keine Zustimmung zu Finanzbeteiligungen bei Unternehmen durch die Stadt oder ihrer Eigenbetriebe. Die Mitglieder des Stadtparlaments sollten sich vielmehr darum kümmern, dass die Finanzen „der Stadtwerke und der Stadt besser werden“. Als Stadtrat wolle er nicht „zu einer enormen Verschuldung der Stadt beitragen“. Die droht Baden-Baden angesichts einer angespannten Finanzlage, wenn die Kommunalpolitiker in den Haushaltsberatungen nicht auf die Ausgabenbremse treten beziehungsweise Einnahmen etwa durch erhöhte Steuern oder Gebühren steigern.

Geschäft liegt fast acht Jahre zurück

Was den FDP-Mann so beschäftigt, ist eine Investition der Stadtwerke, die fast genau acht Jahre zurückliegt. Das Geschäft war kein gutes, jedenfalls bislang nicht. Für die kreditfinanzierte Beteiligung in Höhe von 1,05 Millionen Euro an der Windpool GmbH & Co. KG sind laut FDP-Rechnung kalkulatorische Zinsen von 2,86 Prozent jährlich aufzubringen. Das entspreche ohne Tilgung einem Betrag von etwa 30.000 Euro pro Jahr. Zwar gab es in den vergangenen Jahren durchaus kleinere Ausschüttungen von Windpool aus der Substanz des Unternehmens, unter dem Strich blieb für die Stadtwerke aber ein nomineller Verlust.

Das bestätigt auch Günter Heller, kaufmännischer Geschäftsführer des kommunalen Energieversorgers. Obwohl über den Strompreis Rekordsubventionen in diese Anlagen fließen, arbeiten sie nicht mit Gewinn, merkt Pilarski an. Er fragt sich daher süffisant, wie es denn aussähe, „wenn die Anlagen mit den erzielbaren Erträgen aus dem Strommarkt in der internationalen Wettbewerbswirtschaft auskommen müssen?“ Sie wären wohl kaum konkurrenzfähig.

Für 2022 wird erstmals ein Gewinn erwartet

Eigentlich hätte es wirtschaftlich mit den Windpool-Anlagen anders kommen sollen. Das stellten jedenfalls Gutachten im Vorfeld in Aussicht. „Die Windhäufigkeit ist deutlich unter dem geblieben, was in den Gutachten stand“, bilanziert Heller. Zuletzt sei der Ertrag um bis zu 30 Prozent unter den Erwartungen geblieben. Allerdings sind die Aussichten für die Zukunft etwas rosiger, jedenfalls hinsichtlich des finanziellen Ertrags. Im Jahr 2022 wird mit einem Gewinn kalkuliert – erstmals.

Wirtschaftlich, so räumt der kaufmännische Geschäftsführer ein, habe die Investition die Erwartungen dennoch nicht erfüllt. Nur unter Berücksichtigung des ertragswirtschaftlichen Aspekts würde er deshalb die Beteiligung nicht mehr tätigen, wenn er das aus heutiger Sicht zu entscheiden hätte, sagt auch Heller. Aber: Die Angelegenheit habe auch einen umweltpolitischen Aspekt, der nicht zu vernachlässigen sei.

Rund 150 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt

Mit den 30 Windrädern im Portfolio von Windpool, das berücksichtigt auch der liberale Stadtrat Pilarski, seien im vergangenen Jahr immerhin 150 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt worden. Mit den deutschlandweit verteilt stehenden Onshore-Windrädern – also Anlagen an Land – können rein rechnerisch etwa 37.500 Vier-Personen-Haushalte mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 4.000 Kilowattstunden versorgt werden – oder 115.000 Ein-Personen-Haushalte mit einem Verbrauch von 1.300 Kilowattstunden.

Windpool setzt sich nach eigenen Angaben aus über 20 kommunalen Stadtwerken, Energiegenossenschaften und regionalen Energieversorgern zusammen. Der südhessische Energieversorger Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße Aktiengesellschaft (GGEW AG) mit Sitz in Bensheim ist 100 Prozent-Eigentümer der Windpool-Verwaltungs-GmbH, die geschäftsführend für das gesamte Portfolio von Windpool tätig ist. Größter Windpool-Gesellschafter ist die im Jahr 1886 von Privatpersonen gegründete GGEW AG, nach eigenen Angaben ein konzernunabhängiges und rein kommunales Unternehmen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
15. November 2021, 16:48 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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