„Inzwischen Weltmeister in Sachen Flexibilität“

Rastatt (fuv) – Bei Eltern und Kindern überwiegen Erleichterung, Erzieherinnen haben gemischte Gefühle: Stimmen zur Wiedereröffnung der Kindertagesstätten.

Erleichtert: Joel und seine Mutter Veronika Olschimke vor der Kindertagesstätte Biber. Foto: Frank Vetter

© fuv

Erleichtert: Joel und seine Mutter Veronika Olschimke vor der Kindertagesstätte Biber. Foto: Frank Vetter

Kindertagesstätten haben den Lockdown in vielen Bundesländern erst einmal überwunden. So auch in Baden-Württemberg und somit auch in Rastatt. Das BT fragte Eltern, Kinder und Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätte Biber, wie sie den Neustart empfinden.
Ja, er sei erleichtert, sagt ein gehetzt wirkender Vater. Er müsse seine Frau von der Arbeit abholen und drängt den Filius zur Eile. Eine junge Mutter, die ebenfalls im Stechschritt den Hof der Kita mit ihrem Sohn durcheilt, kann ebenfalls keine Auskunft geben. Grund: Die Tochter zuhause sei gerade online. Das Kita-Eltern-Dasein scheint ganz schön stressig zu sein.

Veronika Olschimke ist froh, dass ihr Sohn wieder in die Kita kann. Seit dem Beginn der Weihnachtsferien war ja geschlossen, sagt sie. Ihr vierjähriger Sohn Joel kam letztes Jahr in die Kita, sei dann aber krank gewesen, und dann war ja Schluss. Die anderen Kinder hätten Joel gefehlt. Sie habe noch einen 13-jährigen Sohn, der Homeschooling mache. Das sei schon alles anstrengend, auch wenn der Große nachmittags Kurse besuchen könne.

Ein Stück Normalität zurück

Alice Reazai (4) strahlt übers ganze Gesicht, als sie gefragt wird, wie ihr der erste Tag in der Kita nach der Pause gefallen habe. Ihr Vater Ahmdzia zeigt sich ebenfalls erleichtert. Sie hätten nur eine kleine Wohnung mit Mini-Balkon. Die Kinder konnten nur im Hof spielen. Jetzt habe Alice wieder ihre Kameraden.

„Für uns ändert sich nicht viel, Leon konnte in die Notbetreuung“, stellt derweil Rebecca Warth fest. Wichtig sei, dass die Öffnung der Kindergärten ein Stück Normalität zurückbringe, auch für die Kinder, die sich natürlich aufeinander freuten.

„Man muss es nehmen, wie es kommt“, beschreibt Kita-Leiterin Stefanie Kamenz die Situation der Erzieherinnen. Es sei eine zweischneidige Sache. Einerseits seien sie ja Pädagoginnen aus Überzeugung geworden und somit froh, dass es wieder richtig losgehe. Andererseits gehe es auch um den Mitarbeiterschutz. Immerhin 50 Pädagoginnen betreuen die 161 Kinder in der Einrichtung im Leopoldring.

Zum Thema Corona-Tests kann Stefanie Kamenz gestern Mittag noch nichts sagen. Erst am Abend sollte es eine Infoveranstaltung geben. Das Thema Impfen sei sensibel; wie ihre Mitarbeiterinnen dazu stünden, dazu möchte sie nichts sagen. Sie selbst würde sich mit dem Biontek/Pfizer-Vakzin impfen lassen, bei dem von Astrazeneca wisse sie nicht so recht.

Ihre Stellvertreterin Julia Geideck sagt, sie würde sich sofort impfen lassen, wenn es das Angebot gäbe. Zum Betrieb der Kita stellen beiden lachend fest: „Wir waren ja schon immer flexibel, inzwischen sind wir Weltmeister in Sachen Flexibilität.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.