Ist das für den Storch nicht gefährlich da oben?

Bühl (BNN) – Der Stromtod rafft immer wieder Störche hin. Manchen Gefahren für den unter Schutz stehenden Schreitvogel kann begegnet werden. Ein Risiko aber bleibt. So etwa in Balzhofen.

Nicht ohne Risiko: Auf einen Strommast ist ein Storch aus Balzhofen „umgezogen“. Foto: Bernhard Margull

Nicht ohne Risiko: Auf einen Strommast ist ein Storch aus Balzhofen „umgezogen“. Foto: Bernhard Margull

Irgendetwas muss dem Storchenpaar nicht gefallen haben. Der Horst auf dem alten Schulhaus in Balzhofen war ohne Tadel, und doch hielt es Familie Adebar dort nicht mehr. Vielleicht wollten „Storchs“ den potenziellen Nachwuchs außerhalb der Besiedlung aufziehen? Elke Henschel kennt den Grund für den Umzug nicht: „Wir haben keine Ahnung, warum der Storch auf den Strommast gezogen ist“, sagt die ehrenamtliche Storchenbetreuerin für den südlichen Landkreis Rastatt und das Baden-Badener Rebland. „Das kann Baulärm gewesen sein oder einfach eine Laune des Storchs.“

Wie gefährlich ist diese Laune? Storch und Strom, das ist immer wieder mal eine tödliche Kombination. In Leiberstung beispielsweise beendete der Stromtod Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre die Storchengeschichte für ein Vierteljahrhundert. Die Wiederansiedlung hatte dank Paul Frietsch 1985 gerade wieder begonnen, da starb ein Storch an einer Trafostation. Zwei Jahre später erwischte es an einem Tag gleich Storchenmann und Storchenfrau, ein Tier kam morgens um und das andere abends.

Der Storchentod per Elektrizität ist auch heute noch ein Thema. „Es gab schon viele solcher Fälle“, weiß Elke Henschel. Erst im vergangenen Jahr seien zwei ausgewachsene Störche in Kartung auf diese Weise gestorben. Allerdings sei hier ein „uralter“ und noch nicht nachgerüsteter Mast eine Ursache gewesen.

Maßnahmen gegen den Stromtod

Mit verschiedenen Maßnahmen wird dem Stromtod des geschützten Weißstorchs vorgebeugt. Laut dem Naturschutzbund Deutschland ist bereits Ende 2012 die zehnjährige gesetzliche Übergangszeit zur Nachrüstung der Strommasten abgelaufen. Seither sind Abdeckungen über den Isolatoren und Ummantelungen der abgehenden Leitungen vorgeschrieben. „Es werden auch Barrieren errichtet, die einen Horstbau auf dem Mast verhindern sollen“, berichtet Elke Henschel.

Nicht immer lässt sich ein Storchenpaar davon abhalten. „Gerne gesehen wird es nicht, aber es ist auch nicht eben selten. Schon gar nicht in Frankreich“, weiß Henschel. Dort seien viele Strommasten von Störchen besiedelt. Die Gefährlichkeit eines solchen Domizils hänge von verschiedenen Faktoren ab. Seien die Gittermasten der Hochspannungsleitungen hoch genug und die Isolatoren nicht zu nahe am Nest, gebe es keine Probleme. Auch schauten Netzbetreiber nach solchen Nestern. Als im vergangenen Jahr ein Storch einen Mast bei der Bahn in Steinbach auswählte, habe das Unternehmen das Nest gestutzt: „Wenn im Laufe des Jahres immer mehr Äste rausschauen, wird es problematischer.“

Problematischer An- und Abflug

Der Bühler Martin Klatt, beim Nabu Baden-Württemberg Referent für Arten- und Biotopschutz, hält das Risiko für die Störche auf einem Hochspannungsmast „in der Regel“ für überschaubar: Oben auf der Traverse sitzend, die Isolatoren nach unten hängend, da sollte es keine fatale Berührung geben, die den Storch tötet. Die Energieunternehmen schauten auch, ob es Probleme gebe, und reagierten dann; aber auch hier gelte: in der Regel.

Größere „Todesfallen“ für die Störche sieht Klatt an anderen Stellen. Da ist der Anflug auf das Nest, der heikel werden könne. Im Bühler Waldhägenich seien deshalb Leitungsmarker angebracht worden, die einen Aufprall der Vögel – nicht allein der Störche – verhindern sollen. Problematisch sind auch Niedrig- oder Mittelspannungsleitungen. Seien Masten nicht so ausgerichtet, dass ein Abflug möglich ist, ohne mit zwei Flügeln zwei Leitungen zu berühren, sei das potenziell tödlich. Abdeckhauben könnten den Bau von Nestern hier verhindern.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

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Erstellt:
18. Mai 2022, 13:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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