Ist die neue Testangebotspflicht verzichtbar?

Baden-Baden (naf) – Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern zukünftig einen Corona-Test pro Woche anbieten: Die Reaktionen auf die neue Verordnung unterscheiden sich stark.

Ein Mitarbeiter des Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen wird auf Corona getestet. Foto: Marijan Murat/dpa

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Ein Mitarbeiter des Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen wird auf Corona getestet. Foto: Marijan Murat/dpa

„Die Wirtschaft braucht keine weitere Verordnung, die nur auf dem Papier, nicht aber in der Praxis Wirkung entfaltet“: Der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), Wolfgang Grenke, fand klare Worte für die am Dienstag im Bundeskabinett beschlossene Verordnung zum Arbeitsschutz. Unternehmen müssen ihren Beschäftigten nun verpflichtend Corona-Tests anbieten.

„Diese Regel gilt für alle Beschäftigten, die nicht dauerhaft im Homeoffice arbeiten können“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). „Ich halte das für ein Gebot der Verantwortung.“ Möglich seien der Einsatz von Schnelltests, PCR-Tests und auch Selbsttests. Die Verordnung trete in der kommenden Woche in Kraft. Bis Ende Juni wird zudem das Gebot zum Homeoffice für geeignete Arbeit verlängert.

Die Notwendigkeit, eine Angebotspflicht einzuführen, sieht Grenke allerdings nicht. „Unsere Mitglieder sind sich ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Mitarbeitern bewusst.“ Der Anteil der testenden Unternehmen und der Betriebe, die in konkreten Vorbereitungen stecken, sei hoch und wachse weiter.

„Wir bedauern diese Entscheidung“

Das bestätigte auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Guido Glania, auf BT-Nachfrage. „Wir bedauern diese Entscheidung“, so Glania. Zu viele Fragen würden offenbleiben: Wie muss in der Praxis damit umgegangen werden? Müssen Unternehmen die Tests dokumentieren? „Das sorgt für noch mehr Bürokratie“, dabei hätten die Betriebe „wirklich genug zu tun“. Der Geschäftsführer betonte: „Manche Branchen kämpfen ums Überleben, da ist das nicht das richtige Signal.“ Vom Unmut bis zur Verzweiflung, die Reaktionen würden sich ähneln, denn laut Glania sei die Entscheidung in Berlin getroffen worden, „ohne zu bedenken, was die Unternehmen wirklich leisten können“.

Vor allem kleinere und mittlere Betriebe fühlen sich im Stich gelassen, wie der Deutsche Mittelstands-Bund mitteilte. Vorstand Marc Tenbieg forderte darum eine organisatorische und finanzielle Unterstützung. „Wer Schnelltests zwingend fordert, der darf die Unternehmen mit der Umsetzung nicht alleine lassen.“ Der deutsche Mittelstand kündigte bereits Klagen an. „Dagegen muss und wird der Mittelstand sich wehren“, sagte Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft.

Unterstützung aus Mittelbaden

In Mittelbaden trifft der Entschluss der Regierung auch auf Verständnis. „Wir unterstützen die Teststrategie des Bundes“, teilte die Pressesprecherin von Siemens, Evelyn Necker, auf BT-Anfrage mit. Testangebote einschließlich Schnelltests würden seit Beginn der Pandemie anlassbezogen durchgeführt.

Auch von Daimler erhält die Bundesregierung Unterstützung. Das Unternehmen stelle den Beschäftigten bereits Selbsttests zur Verfügung, sagte Pressesprecherin Kathrin Schnurr. Seit Ostern würden Mitarbeiter kostenlos zwei Selbsttests pro Woche erhalten.

Auch Schaeffler Automotive in Bühl habe bisher Corona-Tests durchgeführt, wenn dies betrieblich erforderlich war, wie Pressesprecherin Petra Wolf sagte. Zusätzlich habe der Betrieb in den vergangenen Wochen Testkapazitäten eingerichtet. „Damit bieten wir Mitarbeitenden einen ähnlichen Service, wie in öffentlichen Testzentren und kommen der freiwilligen Selbstverpflichtung der Unternehmen nach“, so Wolf. Das Angebot werde auch „intensiv genutzt“. Ein weiteres Test-Zentrum soll am Mittwoch auf dem Schaeffler-Gelände an den Start gehen.

Auch die Volksbank Bühl hat ihren Mitarbeitern Selbsttests zur Verfügung gestellt, wenn grippeähnliche Symptome während eines Arbeitstages aufgetreten sind, sagt Pressesprecherin Andrea Andree. Dieses Angebot wird nun entsprechend auf einen wöchentlichen Test ausgeweitet.


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