„Jahrhundertprojekt“ zwischen Wintersdorf und Plittersdorf

Rastatt (ema) – Es ist ein „Jahrhundertprojekt“: Das Regierungspräsidium will den Rheindamm zwischen Wintersdorf und Murgmündung ertüchtigen.

Die neue Dammkrone wird nicht mehr asphaltiert – zum Leidwesen mancher Radfahrer. Foto: Archiv

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Die neue Dammkrone wird nicht mehr asphaltiert – zum Leidwesen mancher Radfahrer. Foto: Archiv

Mathias Köppel hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass das „Jahrhundertprojekt“ in seiner Zeit als Kommunalpolitiker angestoßen wird. Umso mehr war der Plittersdorfer Ortsvorsteher im Gemeinderat des Lobes voll für das Regierungspräsidium (RP), weil nun der 8,3 Kilometer lange Rheinhochwasserdamm zwischen Rheinbrücke Wintersdorf und Murgmündung ertüchtigt werden soll.

Laut RP-Projektbetreuerin Christina Wessels wird der neue Damm an die aktuellen Regeln der Technik angepasst und in seiner neuen Form mehr in die Breite gehen, während die Höhe im Wesentlichen dem bestehenden Niveau des Altdamms entsprechen wird. Neben dem Ausgleich von Höhendefiziten ist es ein wesentliches Ziel, einen durchgängigen Dammverteidigungsweg zu schaffen, um Rettungskräften einen Zugang bei Schäden im Fall eines Hochwassers zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wird eine baumfreie Zone von zehn Metern geschaffen. Der Verlust müsse mit einer Wiederaufforstung ausgeglichen werden, sagte Wessels. Es könne aber auch eine neu entstandene Auenfläche zur Kompensation genutzt werden, falls man sich für eine Dammrückverlegung entschließe. Der Großteil des Deichs liegt auf Rastatter Gemarkung; Teile berühren auch Iffezheim und Steinmauern.

Projektbegleitkreis gebildet

Das RP hat einen Projektbegleitkreis gebildet, dem Vertreter von Behörden, Verbänden und Vereinen angehören. Die Planer müssen berücksichtigen, dass der neue Damm durch zahlreiche Schutzgebiete und an bebauten Gebieten sowie wasserbaulichen Anlagen vorbeiführt. Gerade für Plittersdorf müssten wegen der „exponierten Lage“ des Dorfs Sonderlösungen gefunden werden, sagte Wessels, etwa mit Spundwänden.

Die Vorplanung für die Dammertüchtigung auf der bestehenden Trasse soll bis Mitte nächsten Jahres vorliegen. Dann erwartet man auch Ergebnisse einer Machbarkeitsprüfung für eine Dammrückverlegung. Das RP sieht hier Potenzial für Flächen nördlich von Wintersdorf und nördlich von Plittersdorf, um im Fall der Fälle dem Hochwasser mehr Raum in der Breite zu geben.

Aus Sicht des Plittersdorfer Ortsvorstehers birgt die Dammrückverlegung durchaus Chancen. Die Rhein-Unterlieger würden bei Hochwasser profitieren; in Rastatt würde man „mit gutem Beispiel vorangehen“. Wenn man jetzt hier Entgegenkommen zeige, könnten die Rieddörfer möglicherweise an anderer Stelle bei ihrer Entwicklung profitieren.

Köppel sprach aber auch mögliche Probleme an: Für die Landwirtschaft könnten Flächen verloren gehen; Bürger äußerten die Sorge, dass bei größeren Retentionsflächen durch die Dammrückverlegung der Grundwasserspiegel steige. Es gelte, die „Interessen von Mensch und Natur fein auszutarieren“, so der Ortsvorsteher.

Worauf sich der Mensch, speziell der Radfahrer, auf jeden Fall einstellen muss: Die Dammkrone wird künftig nicht mehr asphaltiert sein. Wessels zufolge sei dies in den Schutzgebieten nicht möglich; den Radweg werde man künftig wohl auf dem Dammverteidigungsweg auf der Landseite führen.


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