„Jauchegrube im Naturschutzgebiet“

Bühl (hol) – Der kleine Hägenichsee ist wieder im Fokus: Taucher haben einen „verheerenden Zustand“ festgestellt. Der See modert vor sich hin und droht umzukippen.

„Vor dem Umkippen“: Der Kleine Hägenichsee (vorne) ist seit Jahren in keinem guten Zustand. Foto: Bernhard Margull

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„Vor dem Umkippen“: Der Kleine Hägenichsee (vorne) ist seit Jahren in keinem guten Zustand. Foto: Bernhard Margull

Wer im vergangenen Sommer im Naturschutzgebiet Waldhägenich spazieren gegangen und dabei dem Kleinen Hägenichsee zu nahe gekommen ist, der konnte an manchen Tagen das Problem riechen: Das Gewässer ist nicht gesund. Der See modert vor sich hin und droht wegen Sauerstoffmangels umzukippen. SPD-Stadträtin Barbara Becker hat am Mittwoch im Gemeinderat gefordert, dagegen etwas zu.

Sie benutzte gar das unschöne Wort von der „Jauchegrube“, die da mitten im Naturschutzgebiet zu finden sei, um den Zustand des Sees zu beschreiben. Die Geruchsbelästigung im vergangenen Sommer sei schlimm gewesen. „Wenn es in diesem Jahr wieder so heiß wird, dann wird das sicher nicht besser“, meint sie auch auf BT-Nachfrage.

„Es reicht nicht aus, da mal ein paar Fische rauszuholen“

Erkenntnisse über den Zustand des Gewässers hat die Biologielehrerin von einer Tauchergruppe bekommen, deren Mitglieder in Seen in der Region auf naturwissenschaftlicher Mission unterwegs sind. Bei einem ihrer Tauchgänge haben die Taucher auch den Kleinen Hägenichsee kartiert und dabei die darin wachsenden Pflanzen bestimmt. An Art und Dichte des Algenbesatzes könne man erkennen, wie gut es einem Gewässer gehe, sagt Becker. Der Kleine Hägenichsee ist demnach „in einem verheerenden Zustand und unmittelbar vor dem Umkippen“. „Es reicht nicht aus, da mal ein paar Fische rauszuholen“, kritisiert sie das halbherzige Vorgehen bei dem Thema.

„Wir müssen uns die grundsätzliche Frage stellen: Was macht man mit dem See? Und dann müssen wir fundamental rangehen.“ Sie schlägt vor, den See, in dem auch viele umgekippte Bäume vor sich hin faulen, komplett auszubaggern. „Klar. Das kostet Geld, das gerade nicht da ist“, sagt sie. „Aber das ist ein Naturschutzgebiet. Das kann man doch nicht einfach so vergammeln lassen.“

Leichte Verbesserung des Sauerstoffgehalts

Oberbürgermeister Hubert Schnurr will den neuen Gebietsbetreuer Matthias Mößner informieren. Er soll mit der Tauchergruppe Kontakt aufnehmen, sagte er im Gemeinderat. Jahr für Jahr gebe es eine Untersuchung in dem Gewässer, erklärte Barbara Thévenot, die Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, gestern auf BT-Nachfrage. Die nächste sei kommende Woche vorgesehen. „Im vergangenen Jahr haben wir dabei eine ganz leichte Verbesserung des Sauerstoffgehalts festgestellt“, so Thévenot.

Der kleine See ist nur gut drei Meter tief und seit Jahren ein Sorgenkind. 2017 wurde am südwestlichen Ufer eine Windschneise freigeschlagen, um mehr Sauerstoff zu dem Gewässer zu bringen. Damals wurde auch festgelegt, den karpfenreichen Weiher stärker zu befischen. 2022 soll in einer ausführlichen Untersuchung überprüft werden, ob sich die Wasserqualität dadurch verbessert hat. Mößner werde mit der Tauchergruppe Kontakt aufnehmen. Wenn die Erkenntnislage danach so sei, dass die Situation des Gewässers doch schwieriger sei, „werden wir die große Untersuchung schon auf dieses Jahr vorziehen“, sagte Thévenot.

Der 547 Hektar große Waldhägenich steht seit 1989 unter Schutz. Er zählt zu den letzten Rückzugsgebieten für seltene Tiere und Pflanzen in der dicht besiedelten Rheinebene. Die beiden Hägenichseen liegen unmittelbar nebeneinander und waren ursprünglich Kiesgruben.

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Erstellt:
22. April 2021, 18:00 Uhr
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