„Je mehr digitale Unterstützung, umso besser“

Sinzheim (nie) – Die Grundschulen in Sinzheim, Kartung und Leiberstung hoffen auf eine zügige Digitalisierung. Präsenzunterricht ist künftig trotzdem noch erwünscht.

Eltern der Grundschule Sinzheim haben sich in der Gemeinderatssitzung für den schnelleren Ausbau des WLANs ausgesprochen. Foto: Nina Ernst

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Eltern der Grundschule Sinzheim haben sich in der Gemeinderatssitzung für den schnelleren Ausbau des WLANs ausgesprochen. Foto: Nina Ernst

„Im Rahmen der Möglichkeiten ist das Homeschooling gut gelaufen“, blickt Sabine Pföhler, Rektorin der Sinzheimer Grundschule, auf die Phase des coronabedingten Zuhause-Lernens zurück. Aber „gut“ ist bekanntlich der Feind des „Besseren“, und in Sachen digitaler Infrastruktur gibt es sowohl im Hauptort als auch in Kartung und Leiberstung Wünsche seitens der Lehrerschaft.

Und seitens der Eltern, das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung bei der Bürgerfragestunde deutlich. Zwei Sinzheimer Elternvertreter hatten das Gremium und den Bürgermeister gefragt, ob die Ausstattung mit WLAN in der Sinzheimer Grundschule nicht früher als geplant durchgeführt werden könne.

Sozialkontakte haben gefehlt

Erst 2023 soll die digitale Struktur an der Grundschule im Hauptort erweitert werden: „Das ist uns zu spät“, hieß es in der Bürgerfragestunde. Bürgermeister Erik Ernst verwies auf die derzeitige Schwierigkeit, Planer für die Umsetzung der Digitalisierung zu finden und bestätigte den Zeitplan: 2021 Grundschule Kartung/Winden, 2022 Grundschule Leiberstung und 2023 dann Sinzheim. Gerade aber mit Blick auf die Delta-Variante und möglichen Schul-Szenarien nach den Sommerferien war die Antwort für die anwesenden Eltern nicht zufriedenstellend.

Auch Rektorin Sabine Pföhler würde sich natürlich wünschen, dass sie schon im nächsten Schuljahr auf die volle digitale Ausstattung setzen könnte, die da wären WLAN in allen Zimmern, iPads für alle Lehrer und vielleicht auch mehr Tablets, als nur zwei Klassensätze, für die Schüler. Aber wenn man wisse, was der Zeitplan ist, dann könne man sich darauf einstellen, für den ersten Schritt der Digitalisierung sei das in Ordnung.

In Sachen schnellerer Digitalisierung rückt sie gar nicht so sehr das eventuell drohende Homeschooling in den Fokus, sondern mehr noch den Präsenzunterricht und die vielfältigen Möglichkeiten, die eben Beamer, iPads und WLAN im normalen Alltag bieten könnten: „Je mehr digitale Unterstützung, umso besser“, sagt sie.

„Leistungskontrollen“ durch „Lernkontrollen“

Momentan fänden in den einzelnen Klassen „Leistungskontrollen“ statt, nicht in Form von Tests, sondern in Form von „Lernkontrollen“. „Die allermeisten Kinder sind auf einem guten Level“, fasst Pföhler zusammen und zeigt sich froh, dass sie ihre Schützlinge wieder vor Ort hat.

Auch ihre Kollegin aus Kartung, Rektorin Isolde Graf, ist überzeugt: „Präsenz ist ganz wichtig.“ Nur mithilfe der Eltern habe man die Kinder auch gut erreichen können, dankt Graf den Erziehungsberechtigten zu Zeiten des Lockdowns. Gerade während der ersten Schließphase habe man noch Erfahrungen sammeln müssen, dann sei es entspannter und besser gelaufen. „Beim Vermitteln der Lerninhalte sind wir gut durchgekommen“, resümiert Graf, nun müsse sich zeigen, wie gefestigt die Inhalte sind. Aber die, die sich schon vorher schwergetan hätten, die hätte man auch im Fernlernunterricht schwerer erreicht als andere. Zudem merke man, dass es den Kleinen schon nicht leicht falle, wieder den ganzen Vormittag in Ruhe im Klassenzimmer zu sein. Und Graf blickt voraus: „Ein Auslaufen des Schuljahres findet dieses Jahr nicht statt“, stünden doch noch einige Themen auf der Agenda, ohne aber die Schüler überlasten zu wollen. Nicht gerade überlastet ist die Kartunger Schule zudem mit iPads für die Schüler, insgesamt stehen 22 Stück zur Verfügung – in einem Wagen, den man auch nicht vom Erdgeschoss in die erste Etage bringen könne. Auch die Lehrer-iPads würden erst noch vorbereitet werden, und nicht jeder Lehrkraft stehe ein eigenes Gerät zu. Provisorisches WLAN gibt es nur in vier Räumen, das soll im Herbst aber ausgeweitet werden.

Kameras in Klassenzimmern

Eine Ausweitung wünscht sich auch Heike Hinzmann, stellvertretende Rektorin der Grundschule Leiberstung: Momentan stünden der Grundschule für die vier Klassen insgesamt 15 iPads für Schüler zur Verfügung, für Lehrer noch keine. Im Homeschooling hätten die Lehrkräfte von zuhause aus ihre privaten Geräte benutzt. Hinzmann wünscht sich Möglichkeiten, Videokonferenzen mit den Schülern zu machen. „Super gern“ hätte sie Kameras in den Klassenzimmern, um Schüler in Quarantäne oder beim Wechselunterricht zuzuschalten – ansonsten erreiche man die eine Gruppe eine ganze Woche lang gar nicht.

Denn es sei natürlich besser, wenn der Lehrer selbst erklärt und es nicht nur Lernvideos gebe. Abseits vom Zurechtkommen mit den unterschiedlichen Endgeräten, die zuhause genutzt wurden (auf dem kleinen Handy sei es natürlich schwieriger, dem Lehrer zu folgen), merke man jetzt vor Ort auch, dass die Sozialkontakte gefehlt haben.

Wiederholung auf dem Stundenplan

Und, dass die Kinder es nicht mehr gewohnt seien, sich so lange am Stück konzentrieren zu müssen. Viel Wiederholung stehe darum jetzt auf dem Stundenplan. Heike Hinzmann ist gewillt, die Schule digital nach vorne zu bringen, die Gemeinde müsse mitziehen. Mit der Kommunikationsplattform „Sdui“ sei man sehr zufrieden, gerade auch, um die Eltern schnell erreichen zu können. Die Verwaltung hat das Thema Digitalisierung vor Augen, es gibt einen nächsten Termin mit den Verantwortlichen aus dem Rathaus und den Schulleitern in der kommenden Woche. Dabei soll es laut Verwaltung darum gehen, was bisher gemacht wurde und was man noch machen kann.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
1. Juli 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 31sec

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