„Jeder Baustein ist wichtig“

Gernsbach (stj) – Die Schulen haben sich an die Corona-Abläufe inzwischen gewöhnt. Von Normalität aber sind sie nach wie vor weit entfernt. Das gilt auch für die Bildungseinrichtungen in Gernsbach.

Die Stadt Gernsbach rüstet in weiterführenden Schulen nur Klassenräume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit mit Raumlüftungsgeräten aus. Foto: Arne Dedert/dpa

© dpa

Die Stadt Gernsbach rüstet in weiterführenden Schulen nur Klassenräume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit mit Raumlüftungsgeräten aus. Foto: Arne Dedert/dpa

In der Papiermacherstadt gibt es keine einheitlichen Standards, was die Präventionsarbeit anbelangt. Das sorgt bei manchen Eltern für Verdruss.

Stichwort stationäre raumlufttechnische Anlagen: Während die Nachbarn in Gaggenau für die Installation solcher Geräte frühzeitig Förderanträge gestellt haben und Millionen investieren, hält sich Gernsbach diesbezüglich zurück. Dort sind lediglich die Grundschulklassenzimmer flächendeckend ausgerüstet, die weiterführenden Schulen müssen größtenteils ohne auskommen. Das heißt nicht, dass es dort automatisch gefährlicher ist. Beispiel Albert-Schweitzer-Gymnasium: „Das Lüften klappt bei uns im Zusammenspiel mit den CO2-Meldern tatsächlich ausgesprochen gut“, versichert Rektor Stefan Beil. Das ASG verfügt lediglich über fünf mobile Raumluftfilter, drei davon kommen in der Mensa zum Einsatz, zwei im Lehrerzimmer.

Auch in der Gernsbacher Realschule setzt man größtenteils auf eine permanente Lüftung der Klassenräume. Für sie hat der Schulträger (Stadt Gernsbach) ebenso wenig Raumluftfilter angeschafft wie für die Von-Drais-Gemeinschaftsschule. Letztere hat ihre 21 Klassenzimmer aus dem Corona-Haushalt des Landes versorgt, allerdings mit Geräten „im unteren Leistungssegment“, wie Rektorin Felicitas Heck auf BT-Anfrage erklärt. Mehr sei finanziell nicht drin gewesen. Sie bedauert das, zumal die Fachräume leer ausgingen. „Es gibt Kollegen, die unterrichten den ganzen Tag in diesen Fachräumen“, erklärt Heck das Dilemma. Die Stadt habe es aber abgelehnt, aus eigenen Mitteln nachzurüsten, obwohl sie bei entsprechender Förderung nur 20 Prozent der Kosten zu tragen hätte.

Flächendeckende Versorgung mit CO2-Ampeln

„Jeder Baustein ist wichtig“, meint die Leiterin der Von-Drais-Schule zur Eindämmung des Virus. Eltern von Kindern, die zur Gemeinschaftsschule gehen, haben gegenüber dem BT jüngst ebenfalls ihren Unmut über diese Entscheidung des Schulträgers kundgetan. Die Stadt ist hingegen der Meinung, dass in den Schulen ausreichend Raumlüftungsgeräte zur Verfügung stehen. Sie verweist darauf, alle Aufenthaltsräume der Schulen und Kindertagesstätten mit CO2-Ampeln versorgt zu haben und verfolgt in weiterführenden Schulen das Konzept, nur Klassenräume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit (deren Fenster nur kippbar sind oder die nur über Lüftungsklappen mit minimalem Querschnitt verfügen und in denen keine raumlufttechnische Anlage installiert ist) mit zusätzlichen Geräten auszustatten. Problem: Im Winter ist es kalt und manche Schüler sitzen direkt am Fenster. Aber: Selbst wenn Raumluftfilter vorhanden sind, muss alle 20 Minuten gelüftet werden.

Keine einheitliche Vorgehensweise gibt es in Gernsbach auch bei den Tests. In den Grundschulen Hilpertsau und Staufenberg werden die Kinder vor Beginn des Unterrichts drei Mal pro Woche getestet. In der Von-Drais-Grund- und Gemeinschaftsschule, der Grundschule Scheuern und der Realschule sind nach den Herbstferien die PCR-Pooltests angelaufen. „Zum nächsten Stichtag für die verbindliche Bestellung der Tests beim Land werden wir nochmals abfragen, ob sich nun auch die anderen Schulen für Pooltests entscheiden wollen“, teilt die städtische Pressestelle auf Anfrage mit.

Lollitests auch in Hilpertsau und Staufenberg?

Für die Krippenkinder habe die Stadt bereits eigenverantwortlich Lollitests zur Verfügung gestellt, für die Kindergartenkinder die Tests aus der Landeslieferung. Mit Rundschreiben des Städtetags vom 28. Oktober sei eine Kostenbeteiligung des Landes für die weitere Testung der Kindergartenkinder in Aussicht gestellt worden. Man gehe daher davon aus, dass eine Umstellung auf Pooltests in Kürze ebenfalls möglich werde.

Zurück zu den Schulen: Auch bezüglich der Testungen sind einige Eltern in Sorge. So werden zum Beispiel die Erstklässler in Hilpertsau zu Hause von ihren Eltern getestet, die ihren Sprösslingen dann eine entsprechende Bescheinigung mit in die Schule geben. Das sehen nicht wenige kritisch, sei doch zu befürchten, dass nicht alle diese Tests auch tatsächlich durchführen. Kontrollieren kann man das nicht. Nicht zuletzt deshalb bestätigt die kommissarische Schulleiterin Stephanie Hinkelmann, dass es Überlegungen gibt, auch dort den verpflichtenden Lolli-Antigentest einzuführen – „für mehr Sicherheit“.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.