Jeder fünfte Hund in Bühl ist aus dem Tierschutz

Bühl (hol) – Viele Bühler Hundehalter schenken einem Vierbeiner ein zweites Leben. Dann wird ein ermäßigter Steuersatz fällig.

Auch ein städtischer Service für die Vierbeiner: Das Hundeschwimmen im Bühler Freibad macht den Tieren und ihren Haltern viel Freude. Foto: Ursula Klöpfer/Archiv

© urs

Auch ein städtischer Service für die Vierbeiner: Das Hundeschwimmen im Bühler Freibad macht den Tieren und ihren Haltern viel Freude. Foto: Ursula Klöpfer/Archiv

Viele Bühler sind auf den Hund gekommen: Rund 30.000 zweibeinige Einwohner hat die Zwetschgenstadt – und es sind 1.387 Hunde bei der Stadtverwaltung gemeldet. Jeder fünfte Bühler Vierbeiner stammt nicht aus einer Züchtung, sondern wurde von seinem Halter von einer Tierschutzorganisation übernommen oder aus einem Tierheim geholt.

Mehr als 250 Bühler Hunde fallen unter diese Kategorie. Die Zwetschgenstadt erfasst diese Daten extra, weil Hundebesitzer in Bühl einen ermäßigten Steuersatz zahlen müssen, wenn sie ihren Vierbeiner nicht aus einer Zucht holen, sondern einem Hund aus einem Tierheim oder von einer Tierschutzorganisation ein neues Leben ermöglichen. Im ersten Jahr fallen für den neuen Mitbewohner in diesem Fall überhaupt keine Steuern an – ab dem zweiten Jahr zahlen Bühler Hundebesitzer für einen Hund aus dem Tierschutz nur den halben Steuersatz.

Kampfhunde kosten mehr

Der Steuersatz für Hunde kann von den Kommunen in Deutschland frei festgelegt werden. Er liegt in Bühl bei 96 Euro jährlich für den Ersthund und damit etwa im Bundesdurchschnitt. Nur gelistete Kampfhunde sind mit 768 Euro im Jahr deutlich teurer. Für jeden weiteren Hund werden laut Mitteilung der städtischen Pressestelle im Jahr 192 Euro fällig – für Zweit-Kampfhunde sogar 1.536 Euro. Der deutlich höhere Betrag für Mehrfach-Hundebesitzer hat damit zu tun, dass die Gemeinde auf diese Weise die Anzahl der Hunde, die in ihrem Bereich leben, begrenzen will. Das funktioniert in der Zwetschgenstadt vor allem im Bereich der gefährlichen Kampfhunde sehr gut, von denen es laut Stadtverwaltung nur zwei gibt. Zudem zählt die Hundesteuer in Deutschland zu den sogenannten Luxussteuern. Das bedeutet auch, dass die Einnahmen von der Stadt nicht zweckgebunden verwendet werden müssen – beispielsweise, um Hundekotbeutelspender aufzustellen oder Hunden Freilaufflächen zur Verfügung zu stellen.

Hundetoiletten kommen gut an

In Bühl hat die Stadt sich entschieden, Hundetoiletten einzurichten – das sind kleine begrünte Flächen, auf denen die Tiere beim Gassigehen ihre Notdurft verrichten können. Die Überbleibsel müssen von den Hundebesitzern in Beuteln eingesammelt und in Mülltonnen entsorgt werden. 56 solcher Stationen gibt es in der Zwetschgenstadt – mehr als die Hälfte, nämlich 29, finden sich in der Kernstadt. „Die Hundetoiletten haben sich bewährt und werden gut genutzt“, heißt es aus dem Rathaus.

Doch die Hundetoiletten müssen auch gepflegt werden. In Vimbuch, Oberbruch und Kappelwindeck erledigen das ehrenamtliche Paten. Ansonsten kontrollieren Mitarbeiter des Stadtbauhofs wöchentlich die Stationen, leeren die Abfalleimer und füllen gegebenenfalls Tüten nach. Die Anschaffung der Hundetoiletten kostet die Stadt pro Standort etwa 1.000 Euro. Der jährliche Aufwand des Bauhofes für die Hundetoiletten beträgt laut Mitteilung aus dem Rathaus etwa 40.000 Euro. Darin enthalten sind Anfahrt, Reinigung und Bestückung mit Kotbeutel. Die Einnahmen der Stadt Bühl aus der Hundesteuer belaufen sich auf mehr als das Doppelte.

Kommentar

Arme Seelen auf vier Beinen
Von Harald Holzmann

Dass die Stadt Bühl Hundehalter finanziell bevorteilt, wenn sie einem Vierbeiner aus dem Ausland oder aus einem Tierheim in dieser Republik ein neues, gutes Leben bescheren, ist eine gute Sache. Denn die betreffenden Hundebesitzer tun ein gutes Werk. Für die Hunde sowieso. Sie müssten ihr Leben hinter Gittern in einem Tierheim oder unter erbarmungswürdigen Umständen auf der Straße fristen, wenn sich kein Mensch ihrer annähme. Aber die Übernahme der Verantwortung für einen Hund aus dem Tierschutz ist auch gut für die Gesellschaft, denn jeder Hund im Tierheim ist eine finanzielle Belastung für die Trägervereine und für die Kommunen auch, die die Tierheime finanziell unterstützen – mal mehr, mal weniger. Der Anreiz scheint zu fruchten in der Zwetschgenstadt. Immerhin erfüllt jeder fünfte Hund die Voraussetzungen für eine Steuerermäßigung. Damit gibt Bühl ein Beispiel für andere Kommunen in Mittelbaden. Ja, und falls Sie, liebe Leser, auch darüber nachdenken, auf den Hund zu kommen, dann nehmen Sie doch Kontakt auf mit einer Tierschutzorganisation oder schauen Sie sich mal in den Tierheimen in der Region um. In den Asylen in Ottersweier, Sinzheim, Rastatt und Baden-Baden und auch im Ausland warten eine ganze Menge armer Seelen auf vier Beinen auf eine zweite Chance.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

Zum Artikel

Erstellt:
1. Juli 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.