Jeppe Heins verspielte Kunst im Kurpark

Baden-Baden (cl) – Verspielte Kunst für Baden-Badens Kurpark: Der Künstler Jeppe Hein zeigt seine Wasserräume und acht ungewöhnlich designte Parkbänke – eine Schau mit Spaßfaktor, die inspiriert.

Lässig abhängen mit Jeppe Hein: Dänisches Parkbank-Design für den Baden-Badener Kurgarten, zum Platznehmen.  Foto: Valentin Behringer

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Lässig abhängen mit Jeppe Hein: Dänisches Parkbank-Design für den Baden-Badener Kurgarten, zum Platznehmen. Foto: Valentin Behringer

Baden-Baden ist jetzt Welterbe – und in diesem Sommer auch in den Einflussbereich der weltgrößten Kunstmesse Art Basel gekommen. Der dänische Künstler Jeppe Hein mit Wohnsitz in Berlin zeigt vor der Kulisse des Kurhauses seine interaktive Kunst mit sprudelnden Wasserräumen, ungewöhnlich gestalteten Parkbänken und einer Spiegelinstallation – Open-Air-Kunst, die nun bis 26. September im Kurgarten zum Ausprobieren platziert ist. Auch verspiegelte Ballons hängen unter der Decke des Säulengangs und im Casino.

Verlängert wurde die Freiluft-Schau des von der Berliner Galerie Johann König vertretenen Künstlers just um drei Wochen, um auch internationale Gäste der Basler Weltkunstschau anzulocken. Der direkte Weg zur Kunst am Oberrhein war schon im Spätmittelalter ein europaweiter Anknüpfungspunkt. Hein hat mit seiner Kunst bereits bei der Kunstbiennale von Venedig reüssiert, von Paris bis New York begeistert. Geist und Herz sollen gleichermaßen angesprochen werden – nicht nur von eingefleischten Kunstfans.

Die Wasserwände von „Appearing Rooms“ steigen und fallen vor dem Kurhaus nach dem Zufallsprinzip auf und ab: Innen ist nur ein leichtes Nieseln spürbar.  Foto: Valentin Behringer

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Die Wasserwände von „Appearing Rooms“ steigen und fallen vor dem Kurhaus nach dem Zufallsprinzip auf und ab: Innen ist nur ein leichtes Nieseln spürbar. Foto: Valentin Behringer

Kunst im öffentlichen Raum trifft längst den Zeitgeist – derzeit auch, weil die Pandemie für die Besucher draußen an der frischen Luft weniger gefährlich ist. Die Kulturstadt Baden-Baden will es mit ihrer neuen Sommerreihe „kunst findet stadt“ den großen Skulpturenevents, die des sommers die Parks international bespielen, gleichtun. Kaum ein Ort wäre geeigneter dazu, als der Kurpark mit der prachtvollen Architekturkulisse an der Kaiserallee. Wie in den schönsten Barockgärten ergänzt Heins moderne Kunst nun die symmetrisch angelegte Gartenkultur perfekt – und bricht sie humorvoll auf. „Ich bin stolz, hier zu sein, was für ein schöner Ort“, schwärmte der erstmals in Baden-Baden weilende Jeppe Hein vorab beim Presserundgang. Die Stadt hat ihn gepackt – und er das Herz der Stadt ganz unaufdringlich in einen Kunstparcours verwandelt. Die Eröffnung ist fließend – schon am Freitagvormittag haben die Parkbesucher die Kunst in Beschlag genommen: eine der „Modified Social Benches“ mit zwei getrennten Sitzplätzen wurde spontan von einer Spaziergängerin „Streitbank“ getauft – die aber durchaus versöhnlich wirken kann. Heins Kunst ist Ort der Begegnung und vielleicht der wieder gewonnenen Lebenskultur. Der Däne will das Miteinander fördern und eine neue Sensibilität für den Kurpark anregen.

Neue Spiegelinstallation im Pavillon: Anlass für Selbstreflexion?

Seine Wasserräume hat er schon mehrfach an anderen Orten variiert, nahe der Kurhaus-Kolonnaden entwickeln sie eine neue Ästhetik mit verblüffenden Effekten: In der Welt der Kunst darf Wasser auch bergauf fließen und Licht auf perlenden Tropfen tanzen. Das Spektakel setzt sich bei Hein aber nicht nur oberflächlich in Szene, hinterm Wasserschleier entstehen neben dem Spaß beim Durchrennen auch Intimität und Sensibilität. Das Thema Wasser – zurzeit eher mit seiner zerstörerischen Seite in den Schlagzeilen – ist ein zentrales Element in Baden-Badens kurörtlicher Historie – auch für Hein „eine wichtige Ressource“ und ein tanzendes Naturphänomen. Mit seiner Kunst will er das Herz öffnen und die Menschen so aktivieren, sich auf Kunst einzulassen – viel Spaß sollen die acht Parkbänke bereiten. Für den Pavillon rechts neben dem Kurhaus hat Jeppe Hein die Spiegelinstallation „Shift in Perception“ entwickelt. In den Fragmenten des Spiegels wird die Natur reflektiert, sie bieten auch Anlass für Selbstreflexion, sich vielleicht in Ruhe selbst erkennen und im positiven Sinne neu inspirieren zu lassen. Mit den glänzenden „Mirror Balloons“ hoch über den Köpfen sollen die Gedanken ins Unendliche fliegen können.

Jeppe Hein hat wie der Raumkünstler Tobias Rehberger (Gestaltung des Kunsthallen-Cafés Baden-Baden, 2009) an der Frankfurter Städelschule studiert, war Assistent des Isländers Olafur Eliasson in Berlin, der für seine Wasser- und Lichtinstallationen (Tate Modern in London, East River New York) berühmt ist. Die Einflüsse sind spürbar, aber längst ist Jeppe Hein mit seiner präzisen, kinetischen Kunst zum Pionier eines spielerischen Begriffs der zeitgenössischen Installations-Ästhetik geworden, einer, der behutsam mit dem Ort umgeht und den Menschen offen begegnet.

Geöffnet ist der Kurpark täglich von 10 bis 23 Uhr bei freiem Eintritt, abends gibt es ein Beleuchtungskonzept.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
30. Juli 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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