Jesidinnen: Einzug in eigene Wohnungen geplant

Baden-Baden (nof) – Der Sozialausschuss informiert am Mittwoch über die weitere Vorgehensweise im Bezug auf die aufgenommenen Jesidinnen aus dem „Sonderkontingent Nordirak“.

Der Sozialausschuss informiert am morgigen Mittwoch im Rathaus über die aufgenommenen Jesidinnen aus dem „Sonderkontingent Nordirak“.  Symbolfoto: Körner/Archiv

© Daniela Körner

Der Sozialausschuss informiert am morgigen Mittwoch im Rathaus über die aufgenommenen Jesidinnen aus dem „Sonderkontingent Nordirak“. Symbolfoto: Körner/Archiv

Die im Rahmen des „Sonderkontingents Nordirak“ aufgenommenen Frauen und Mädchen müssen ihre Unterkunft in Ebersteinburg nach und nach räumen. Im ersten Quartal stehen Umzüge von sieben Personen in Wohnungen im Stadtgebiet an. Zum Jahresende 2020 muss die bisherige Unterkunft wegen anstehender Umbauarbeiten leer sein. Das geht aus einer Vorlage für den Sozialausschuss am morgigen Mittwoch hervor. Perspektivisch sollen die aufgenommenen Jesidinnen selbstständig im Stadtkreis leben und wohnen.

„Angesichts der humanitären Katastrophe im Nordirak und der gezielten Gewalt gegen Angehörige religiöser Minderheiten hatte die Landesregierung Baden-Württemberg anlässlich des Flüchtlingsgipfels im Oktober 2014 die Aufnahme von bis zu 1000 besonders schutzbedürftigen Frauen und Kindern aus dem Nordirak angekündigt. Sie wurden bei ihrer Reise nach Deutschland von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet und in 21 baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen aufgenommen. Mit ihren Problemen, insbesondere ihren Traumatisierungen, benötigen diese vor Ort spezielle Formen der Unterstützung“, heißt es in der Vorlage weiter.

Integrationsmanager betreuen 333 Personen

In Baden-Baden wurden in den Monaten Juli und September 2015 zwölf Frauen und 18 Kinder aufgenommen. Sie haben eine Wohnsitzauflage für den Stadtkreis Baden-Baden. Vier Kinder wurden in dieser Zeit in der Kurstadt geboren. Die Personen des Sonderkontingents werden seit ihrer Aufnahme in Ebersteinburg untergebracht und betreut. Die Frauen leiden laut Vorlage heute noch unter den traumatisierenden Erlebnissen unter dem Regime des „Islamischen Staates“. Die meisten Frauen nehmen an Sprachkursen der Volkshochschule und von InVia teil. Die Kinder und Jugendlichen besuchen Kindergärten und Schulen in Ebersteinburg und im übrigen Stadtgebiet und entwickeln sich altersentsprechend „sehr gut“, heißt es in der Vorlage. Drei Kinder besuchen die Realschule, zwei Jugendliche Gymnasien. Nahezu alle sind in örtlichen Vereinen eingebunden.

Weiter wird in der Sitzung über das Integrationsmanagement für Flüchtlinge informiert. Ende 2019 lebten 836 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen der Stadt. Eine große Anzahl der Geflüchteten, insbesondere Familien mit Kindern, werden auf längere Sicht bleiben. Daher sei es wichtig, vor allem Menschen mit einer hohen Bleibeperspektive bei der Integration zu unterstützen und zu fördern. Durch das Integrationsmanagement werden aktuell 333 Personen betreut. 168 davon sind minderjährige Personen, die in Familienverbänden leben. Die überwiegende Zahl der Klienten stammt aus den Ländern Syrien und Eritrea, Irak, Iran und Somalia. Dies sind auch die Herkunftsländer mit dem größten Anteil an positiv beschiedenen Asylverfahren.

Schwerpunkt liegt auf einer Heranführung an den Arbeitsmarkt

Das Integrationsmanagement berät und begleitet Geflüchtete im Sinne des sozialpädagogischen Instruments des Case-Managements. Die Struktur der Integrationspläne ist vom Land Baden-Württemberg vorgegeben und standardisiert. Die Integrationsmanagerinnen unterstützen die Geflüchteten eng bei der Umsetzung der vereinbarten Ziele. Dabei hat das Integrationsmanagement aufgrund des geringeren Fallschlüssels die Möglichkeit, geflüchtete Menschen engmaschig und intensiv zu begleiten. Ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt ist die Heranführung an den Arbeitsmarkt. Hier arbeitet das Integrationsmanagement eng mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Baden-Baden zusammen. So konnten beispielsweise neben Ausbildungsaufnahmen im Handwerk (zwei Maurer, ein Friseur), im Einzelhandel (drei) und im technischen Bereich (ein Bauzeichner), bisher elf Personen in ein Ausbildungsverhältnis im Pflegebereich vermittelt werden.

Besondere Bedeutung habe auch die Sprachförderung. Im Fokus stehen demnach Frauen, die sich aufgrund von Hausarbeit und Kindererziehung überwiegend im häuslichen Umfeld aufhalten und dadurch wenig Möglichkeiten zum Spracherwerb hätten. Diese Sprachförderung soll der Familie soziale, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Teilhabe ermöglichen und dazu beitragen, dass zwischen den Kindern und Eltern einer Familie keine Kluft durch unterschiedlich schnell verlaufende Integrationsprozesse entsteht.

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Erstellt:
16. März 2020, 20:30 Uhr
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