Jetzt fällt auch die zweite Blutbuche

Rastatt (fuv/ema) – Entsetzen in der Bismarckstraße: Jetzt wird auch die zweite kerngesunde Blutbuche gefällt. Im Rathaus sieht man sich machtlos.

Die nächste Blutbuche muss einem Neubau weichen. Foto: Frank Vetter

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Die nächste Blutbuche muss einem Neubau weichen. Foto: Frank Vetter

Von Weitem sieht der Mensch mit der Motorsäge recht klein aus. Im oberen Drittel des Baumes hat er begonnen, Zweige und Äste abzutrennen. Über ihm ein ehemaliges Krähennest. Wenige Wochen nach der ersten wird nun auch die zweite Blutbuche in der Bismarckstraße gefällt. Unverständnis, ja Entsetzen bei Anwohnern und weiteren Bürgern.

Gestern Vormittag wundern sich Passanten, manche regen sich auf, die Holzfäller werden beschimpft: „Ihr gehört eingesperrt.“ Immer wieder die Frage: Warum wird ein 80 bis 90 Jahre alter, kerngesunder Baum gefällt? Wem gehört der? Und warum macht die Stadt da nichts? Einer der Baumfäller wehrt sich gegen Vorwürfe: Es gebe in Rastatt eben keine Baumschutzverordnung wie in Baden-Baden. Angesichts der Ohnmacht ein kollektives Kopfschütteln in der kalten Bismarckstraße.

Keine juristische Durchschlagskraft

In der Tat hatte die Stadtverwaltung bereits im Dezember kapituliert, als einige Meter weiter neben dem ehemaligen Forstamt die andere kerngesunde Blutbuche einem Neubauvorhaben weichen musste. Zwar war dem Bauherrn im Bauvorbescheid signalisiert worden, dass der Baum schützenswert und zu erhalten sei. Doch der Hinweis hat nur Appell-Charakter, keine juristische Durchschlagskraft, wie die Verwaltung bekennt. Überlebenschancen hätten die imposanten Blutbuchen allenfalls gehabt, wenn sie zu einem Naturdenkmal erklärt worden wären – oder aber unter dem Schirm einer Baumschutzsatzung Unterschlupf gefunden hätten. Doch gegen ein solches kommunales Gesetz hat sich die Stadtplanung jahrelang gesträubt. Im Zuge der BT-Berichterstattung über die Fällaktion im Dezember ließ OB Hans Jürgen Pütsch mitteilen, dass nun in diesem Jahr eine Baumschutzsatzung erlassen werden soll.

Die beiden früheren landeseigenen Grundstücke neben dem ehemaligen Forstamt hatte das Pforzheimer Amt Vermögen und Bau nach Höchstgebot an verschiedene Erwerber veräußert. Bis zum Jahr 2015 hatte die Stadt noch eine Nachverdichtung zwischen Bismarckstraße und Rauentaler Straße verhindert. Dann wurden planungsrechtlich die Zügel gelockert, um die Baulücken für Wohnzwecke füllen zu können. Für das zweite Grundstück läuft im Rathaus noch kein baurechtliches Verfahren.

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Erstellt:
15. Januar 2021, 22:00 Uhr
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