Jetzt muss Mark Flekken liefern

Von BT-Redakteur Michael Ihringer

Freiburg(mi) – Mit drei gestandenen EM-Teilnehmern, dem neuen Stammtorwart Mark Flekken und Zuversicht startet der SC Freiburg in die neue Bundesliga-Saison.

Jetzt muss Mark Flekken liefern

Mark Flekken bestritt in der vergangenen Saison aufgrund einer schweren Verletzung nur drei Bundesliga-Spiele. Foto: Tom Weller/dpa

Der Welpe ist gerade dabei, die Kommandos zu verinnerlichen, die er künftig beachten soll. Philipp Lienhart ist auf den Hund gekommen. Die Führungsrolle, die er bei seinem kürzlich angeschafften Golden Retriever einnimmt, bereitet ihm große Freude, wenn er mit seinem neuen Freund Balu spazieren geht.Die Leaderfunktion überträgt er gerne auf seine berufliche Tätigkeit als Abwehrchef des Bundesligisten Sport-Club Freiburg, wie er im Trainingslager in Schruns auf der Vereins-Homepage mitteilte: „Ich will eine Führungsposition einnehmen und den jungen Spielern helfen. Ich habe immer ein offenes Ohr für alle möglichen Fragen, die sie haben und möchte auch auf dem Platz mit klarer Ansprache helfen.“ Spätestens nach der überzeugenden EM, bei der Lienhart in zwei von vier Spielen mitwirkte, hat der 25-jährige Österreicher ein höheres Level erreicht, gilt als Fixpunkt in der Innenverteidigung der Südbadener.

Gar überragende EM-Auftritte legte der Ungar Roland Sallai hin, der in dieser Form im offensiven halbrechten Mittelfeld viel verspricht. Der linke Außenbahnspieler Christian Günter durfte sich die blutleeren DFB-Auftritte dagegen von der Bank anschauen, während Vincenzo Grifo gar nur vor dem Fernseher mitjubelte, als seine italienischen Freunde im Wembley den Pokal in die Höhe reckten. Alle vier sind die Schlüsselspieler, wenn der SC in Bielefeld die 22. Bundesliga-Saison in Angriff nimmt.

Nach dem sehr zufriedenstellenden zehnten Platz in der Vorsaison ist Lienhart nicht bange: „Ich glaube schon, dass wir Qualität in der Mannschaft haben. Jeder weiß, was von ihm verlangt wird. Wir sind auf jeden Fall konkurrenzfähig und können wieder eine gute Rolle spielen.“

Kader fast unverändert

Der positive Ausblick resultiert aus dem für Freiburger Verhältnisse seltenen und fast luxuriösen Umstand, dass der Kader quasi vollständig zusammenblieb. Nur Torwart Florian Müller, der von Mainz ausgeliehen war und nun beim VfB Stuttgart anheuerte, musste vom Stamm ersetzt werden. Müller war vor Jahresfrist auf den letzten Drücker geholt worden, weil Schwolow-Nachfolger Mark Flekken sich direkt vor dem Saisonstart am Ellbogen schwer verletzte. Erst zum Saisonende hin war der Niederländer wieder fit und durfte die letzten drei Spiele bestreiten. An Müllers starken Leistungen muss sich Flekken messen lassen. Coach Christian Streich: „Ich wünsche ihm nichts mehr, als dass er in dieser Saison allen so richtig zeigen kann, was er drauf hat.“

Als Neuling überzeugte Ermedin Demirovic im Angriff auf ganzer Linie. Mit großer Vorfreude geht der Bosnier ins zweite Jahr: „Ich bin bereit, auf mich kann der Trainer zählen. Ich möchte vorangehen.“ Dies wird umso wichtiger sein, da Publikumsliebling Nils Petersen nach seiner Meniskusverletzung zunächst noch ausfällt.

Profiverträge für sechs Talente

Die vorbildliche Nachwuchsarbeit wird mit Profiverträgen für gleich sechs Talente dokumentiert. Das halbe Dutzend soll über überzeugende Leistungen in der Drittliga-Reservemannschaft ans Bundesliga-Niveau herangeführt werden. Speziell Verteidiger Kiliann Sildillia, Mittelfeldspieler Noah Weißhaupt, der Sohn des früheren SC-Profis Marco, und Stürmer Nishan Burkart hinterließen in den Testspielen schon erste Spuren ihres Talents. „Die können was“, weiß Streich, der als Experte darin gilt, junge Wilde vorbildlich zu fordern und fördern.

Ein Junger kehrte gar als Europameister zum Sport-Club zurück. Nico Schlotterbeck ließ sich nach dem Finalsieg gegen Portugal feiern, er reifte während seiner Ausleihe bei Union Berlin zu einem beachtlich stabilen Innenverteidiger heran. Wer kann das als 21-jähriger Deutscher schon behaupten? Die Frage ist nur, ob er tatsächlich längere Zeit in Freiburg bleiben wird. „Ich schließe nichts aus. Ich muss jetzt einfach schauen, was der nächste Schritt für mich ist“, sagt Nico. Kommt es zur Vereinigung in der Verteidigung mit dem drei Jahre älteren Bruder Keven, wird ein neues Bundesliga-Kapitel der Neuzeit geschrieben.