Joffre-Investor pleite und unter Betrugsverdacht

Rastatt (ema) – Die Zukunft der denkmalgeschützten Stallungen und Turnhalle auf dem Joffre-Areal ist ungewisser denn je. Der Investor German Property Group ist pleite und steht unter Betrugsverdacht.

Alt und neu auf dem Joffre-Areal: Die Zukunft der u-förmigen Stallungen und der Sporthalle (Pfeile), beide denkmalgeschützt, ist offen. Foto: Willi Walter

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Alt und neu auf dem Joffre-Areal: Die Zukunft der u-förmigen Stallungen und der Sporthalle (Pfeile), beide denkmalgeschützt, ist offen. Foto: Willi Walter

Wenn Karlheinz Falk damals geahnt hätte, auf welchen Geschäftspartner er und sein Bruder Franz sich einlassen: Das ehemalige Kasernenareal Joffre könnte wohl heute tip top als neues Wohnquartier fertig dastehen. „Im Nachhinein ist man oftmals klüger“, ärgert sich der Investor aus Offenburg darüber, dass die Falk-Gruppe vor einigen Jahren mehrere denkmalgeschützte Gebäude an den niedersächsischen Projektentwickler Dolphin Trust verkaufte. Das Unternehmen heißt heute German Property – und ist nicht nur pleite, sondern auch noch im Visier der Staatsanwaltschaft.
Die Falk-Gruppe hatte vor rund acht Jahren komplett das 7,3 Hektar große Areal im Dörfel vom Bund gekauft, die Erschließungsarbeiten übernommen, einen Teil der Wohnhäuser selbst errichtet und die restlichen Flächen beziehungsweise Denkmäler an andere Investoren verkauft.

Die damalige Dolphin erhielt neben den drei Mannschaftsgebäuden auch die Kommandantur, das Casino, die in „U“-Form errichteten Stallungen sowie die Turnhalle. Zwar wurden schon 2013 ehrgeizige Pläne für die Stallungen präsentiert, in die 45 Reihenhäuser „hineingeschnitten“ werden sollten – ergänzt um 14 „Würfelhäuser“ im Innern des „U“. Doch es tat sich nichts – stattdessen trennte sich Dolphin von einem Denkmal nach dem andern, die von anderen Investoren längst saniert worden sind.

Kompliziertes Firmengeflecht

Bei den Stallungen und der Turnhalle hingegen wird wohl bis auf Weiteres Stillstand herrschen. Denn das Amtsgericht Bremen hat im Oktober das Insolvenzverfahren über die German Property Group eröffnet. Bei der Gruppe handelt es sich offenbar um ein kompliziertes Firmengeflecht, in dem Geld einiger Privatinvestoren steckt. „Wir haben es hier mit einem hochkomplexen Fall und mit weit überwiegend ausländischen Anlegern zu tun, die uns wahrscheinlich noch gar nicht alle bekannt sind“, erläutert Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt von der Kanzlei BBL Brockdorff & Partner. Vor diesem Hintergrund ist von der Kanzlei auch derzeit nicht zu erfahren, was das Verfahren für die Immobilien auf dem Rastatter Joffre-Areal bedeutet – beziehungsweise für mögliche Anleger, die Geld in dieses Projekt hineingesteckt haben.

Mittlerweile ist der Fall auch strafrechtlich relevant. Beobachter sprechen sogar schon von einem „Anlageskandal“, weil laut Medienberichten Investoren vorwiegend aus Asien und Großbritannien bis zu einer Milliarde Euro in die German Property Group gesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt nach Anzeigen wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

Der Offenburger Investor Falk bemüht sich nach eigenen Angaben bereits seit zwei bis drei Jahren darum, die früheren Stallungen und die Turnhalle zurückzukaufen. Zu konkreten Gesprächen mit German Property sei es aber nie gekommen, sagt Falk: „Es war schon schwierig, überhaupt jemanden zu erreichen.“ Jetzt hat er den Insolvenzverwalter angeschrieben – zum einen, um Klarheit zu bekommen, zum andern, um das Interesse am Rückkauf der Joffre-Denkmäler zu untermauern.

Bei allem Ärger über den Eigentümer der vor sich hingammelnden Denkmäler kann sich Karlheinz Falk wenigstens ein bisschen damit trösten, dass die Konversion des Joffre-Areals vergleichsweise zügig durchgezogen werden konnte. Bei der Erschließung steht nur noch die Rampe für Fußgänger und Radfahrer als Anbindung an die Karlstraße aus; Anfang des neuen Jahres will man die Maßnahme umsetzen. Und auch für die letzte Neubaumaßnahme gegenüber der Arbeitsagentur verbreitet Falk Optimismus. Ein Investor aus der Region, der von der Falk-Gruppe beraten wird, will dort zwei Stadtvillen mit Wohnungen errichten, die im Stil den Gebäuden entlang dem Gewerbekanal gleichen.


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