Jürgen Hörig: Eine Stimme fürs Fernsehen und die Bühne

Rastatt (mt) – Er ist eines der zentralen Gesichter der SWR-Landesschau. Aber Jürgen Hörig, in Rastatt aufgewachsen, singt auch. Jetzt kommt er in seine Heimatstadt.

„Ich will Texte schreiben, die nicht gleich vergessen sind“: Jürgen Hörig. Foto: Martina Holbein

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„Ich will Texte schreiben, die nicht gleich vergessen sind“: Jürgen Hörig. Foto: Martina Holbein

Jürgen Hörig liebt es, live auf Sendung zu sein. „Ich spreche in dem Moment zu den Zuschauerinnen und Zuschauern, indem sie mich hören. Das ist echt, auch wenn sich das viele nicht so bewusst machen.“

Wenn er auf der Bühne steht, erlebt er dieses Live-Gefühl in einer noch höheren Intensität, denn da hat er den direkten Austausch mit dem Publikum. Deshalb ist eine Location wie das Schnick-Schnack in Niederbühl, wo er am 26. März mit seinem Gitarristen Benny Eisel Songs aus seinem neuen Album „What if“ vorstellt, genau richtig für ihn. „Intim, überschaubar, da kann ich meine Geschichten erzählen, habe den direkten Draht zum Publikum, kann flexibel reagieren“, sagt der Landesschau-Moderator.

Denn das ist Jürgen Hörig im Hauptberuf: Seit 23 Jahren moderiert er die SWR-Landesschau, erst beim SWF, dann nach der Fusion der beiden Sendeanstalten beim SWR. Ein Job, der gar nicht so weit entfernt ist vom Sänger, hat er festgestellt.

Tatsächlich singt er erst seit 2015. Da trat er zum ersten Mal auf der Bühne auf. „Nur Studio fand ich nicht so prickelnd“, erzählt er. Nachdem die erste CD fertig produziert war, „Out comes“, zog es ihn live vor Publikum. „Spannend, man muss flexibel sein, jeder Abend, jedes Konzert ist neu, lässt sich nicht genau planen.“

Zweite CD produziert

Zu Beginn seiner zweiten Karriere trat er mit einem Pianisten und Saxofonisten auf, dann, für die Produktion der zweiten CD, lernte er über seinen Gesangslehrer den Gitarristen Benny Eisel kennen, „eine Seelenverwandtschaft“.

Eine Seelenverwandtschaft nennt er auch das Verhältnis zu seinem aktuellen Produzenten Rodolfo Guzman Tenore aus Waiblingen. „Ich habe früher die Texte allein geschrieben, die Musik besorgten dann andere.“ Jetzt tauschen sich Sänger, Musiker und Produzent über Text und Musik aus, von jedem fließen Ideen ein.

Jürgen Hörig, der neben der Landesschau auch „Kaffee oder Tee“ moderiert hat, siedelt sich in der Musikrichtung Pop-Singer-Songwriter an. „Ich wurde mit der Musik der 1980er-Jahre sozialisiert.“ Er nennt Indie-Pop und Namen wie Sting, A-ha, The Cure oder OMD als Vorbilder. Zwischen Romantik-Pop und fröhlich-schönen Songs bewegen sich seine Titel, die er „Lieblingslieder“ nennt. Lieder, die man immer wieder hören kann, die er immer wieder spielt, und die je nach Situation und Umständen neue Bedeutungen dazugewinnen.

„Helpless“ ist für ihn so ein Beispiel: Eigentlich ein Liebeslied, das aber ebenso gut die Hilflosigkeit in der Corona-Pandemie beschreibt wie aktuell die im Angesicht des Ukraine-Kriegs. „Ich wollte Texte schreiben, die nicht gleich vergessen sind, wie man das als Journalist oder Moderator meistens macht: geschrieben, gesendet und vergessen.“ Und weil er mit der deutschen Sprache täglich arbeitet, hat er zu Beginn seiner Sänger-Karriere nur auf Englisch getextet. Irgendwie war das für ihn selbstverständlich, hat er doch Anglistik studiert und seine Musikvorbilder singen auch alle in dieser Sprache. Außerdem hat diese Sprache eine gewisse Distanz zu den persönlich erlebten Geschichten geschaffen, die er in seinen Songs oft erzählt.

Und ja, das Deutsche war ihm durch kitschige Schlager verdächtig. Jetzt nähert er sich seiner Muttersprache als Songwriter an und hat die Erfahrung gemacht, dass es ungeheuer schwierig ist. „Ich habe großen Respekt vor den deutschen Dichtern“, sagt er.

Dass er als Singer-Songwriter auf der Bühne steht, hat etwas in ihm als Texter verändert: „Ich möchte mehr, dass die Menschen verstehen, über was ich singe.“ Deswegen moderiert er in seinen Konzerten, übersetzt die Lyrics.

Wie viele seiner Musikerkollegen hat er die Pandemie genutzt, mit Gitarrist und Produzent an dem neuen Album zu arbeiten, das mit elf Songs im vergangenen Herbst erschienen ist. Natürlich ist er auf diversen Musik-Streaming-Diensten präsent, hat aber auch – „Old school“, wie er sagt – eine CD herausgebracht, die es „richtig physisch zu kaufen gibt“.

Als Musiker ist Jürgen Hörig in Rastatt kein Unbekannter, hat er doch bei einem Vortrag der Freunde des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums vor vier Jahren schon einmal das Mikrofon zur Hand genommen und einige seiner Songs präsentiert, damals der erste Auftritt mit seinem Gitarristen Benny Eisel.

Dass er selbst kein Instrument spielt, bedauert er einerseits, „aber dadurch lerne ich immer wieder ganz wunderbare Musiker kennen“. Er sei, so Hörig, in der komfortablen Situation, nicht davon leben zu müssen, was er als Musiker verdient. Bezahlt werden muss nur Profi Benny Eisel. Seine Termine organisiert er im Selbstmanagement, zehn Auftritte kommen im Jahr zusammen, in Baden und in Württemberg, wo er lebt. „Das ist gut so, ich freue mich auf jeden Auftritt, bin neugierig und kann als ganz entspannter Typ rüberkommen.“

Jürgen Hörig tritt am 26. März ab 20.30 Uhr zusammen mit Benny Eisel im Schnick-Schnack Niederbühl auf und hat natürlich die Songs seiner neuen CD dabei.


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