Jugend-Gang wühlt Wintersdorf auf

Rastatt (ema) – Ein Dutzend Jugendliche sorgt seit Monaten in Wintersdorf mit massivem Vandalismus für Unruhe. Die Polizei ermittelt.

Auch demolierte Sitzbänke sind Resultat der Zerstörungswut. Foto: Privat

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Auch demolierte Sitzbänke sind Resultat der Zerstörungswut. Foto: Privat

„Wir waren alle mal jung“, zeigt Daniela Schneider durchaus Verständnis, wenn junge Menschen mal ein bisschen über die Stränge schlagen. Aber das, was die Wintersdorfer Ortsvorsteherin seit einigen Monaten im Dorf erlebt, habe eine „neue Qualität“. Eine Jugendgang zieht offenbar wie die Vandalen durch den Ort und dehnt ihren Aktionsradius mittlerweile auch auf Ottersdorf aus. Die Polizei zeigt verstärkt Präsenz; nach etlichen Vorfällen laufen Ermittlungen.
Im Ried hat man für die jungen Wüteriche im Teenageralter schon einen Namen gefunden: „Wheelie-Gang“ nennen sie die Clique in Anlehnung daran, dass sie mit ihren Bikes auf dem Hinterrad fahrend zu sehen sind.

Eine Gruppe von etwa ein Dutzend Jungs und Mädchen hinterlasse in ihrer Zerstörungswut eine Schneise der Verwüstung. „Es vergeht keine Woche, in der nichts kommt“, kann die Ortsvorsteherin eine Liste mit Schäden führen: in Brand gesetzte oder demolierte Sitzbänke, Farbschmierereien (zum Teil mit Hakenkreuz), beschädigte Türen, eingeschlagene Scheiben, Vermüllung, eine zerstörte Marienfigur bei der Kirche. An den Waggons bei den Bahngleisen haben sie sich zu schaffen gemacht, weshalb auch die Bundespolizei ermittelt. Die Vorkommnisse, so Schneider, hätten eine solche Dimension angenommen, dass neben dem Polizeiposten Iffezheim noch das Rastatter Revier eingeschaltet ist.

Sachschaden von 5.000 Euro

Dort berichtet man von aktuellen Ermittlungen, nachdem sich die Sachschäden auf eine Summe von rund 5.000 Euro Euro angehäuft haben. Laut Polizei sind die Treffpunkte der Jugendlichen bekannt und würden regelmäßig und mittlerweile verstärkt kontrolliert. Die Ordnungshüter haben bereits Gespräche sowohl mit den Jugendlichen als auch deren Eltern geführt.

Auch Daniela Schneider und andere Einwohner haben es schon mit direkter Ansprache versucht. Von den Teenagern selbst kassiere man aber nur unverfroren-freche Antworten, so die Ortsvorsteherin. Die Kids würden einfach erwidern, sie seien noch keine 14 Jahre alt und damit strafunmündig. Und überhaupt hätten ihre Eltern eine Rechtsschutzversicherung, reagieren die Jugendlichen provozierend: „Die sind schmerzfrei und haben nicht den Anflug eines schlechten Gewissens.“

Daniela Schneider schrieb 13 Eltern an. Drei davon hätten sich gemeldet – und sich zum Teil „erschüttert“ gezeigt, weil sie vom Treiben ihrer Kinder angeblich nichts wussten. Mit Beweisen für die Taten sieht es schwierig aus, wie die Ortsvorsteherin einräumt. Sie wüsste aber auch nicht, wer sonst für die Taten infrage käme.

Mittlerweile ist auch der städtische Fachbereich Jugend, Familie, Senioren mit den Fällen betraut. Dort gibt man die Anregung, für die Jugendlichen einen Aufenthaltsplatz zu schaffen, den sie in Selbstverwaltung und mit Unterstützung von Eltern nutzen könnten. Obendrein setzt man im Jugendamt auf die Hoffnung, dass die Eltern doch noch im Sinne der Gemeinschaft auf den Nachwuchs einwirken und Jugendliche andere Freizeitangebote nutzen, wenn sich die Corona-Beschränkungen weiter lockern.

Ortsvorsteherin Daniela Schneider hat sich jetzt erst mal vorgenommen, ein weiteres Mal über den Kontakt mit den Eltern das Problem in den Griff zu bekommen.


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