Jugend-Studie belegt Demokratie-Skepsis

Stuttgart (bjhw) – Mehr als jeder fünfte Jugendliche ist laut der Jugendstudie Baden-Württemberg mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden. Das BT beleuchtet die Studie genauer.

Nachbesserung im Unterricht?: 54 Prozent aller Schüler bezeichnen „das jugendgerechte Angebot zur politischen Bildung“ als unzureichend. Foto: Marjan Murat/dpa

© dpa

Nachbesserung im Unterricht?: 54 Prozent aller Schüler bezeichnen „das jugendgerechte Angebot zur politischen Bildung“ als unzureichend. Foto: Marjan Murat/dpa

Sie sind familienorientiert, gerne zusammen mit Freunden und nennen die eigene Gesundheit als wichtiges Thema: Zum fünften Mal wurden die Zwölf- bis 18-Jährigen in Baden-Württemberg im Rahmen der regelmäßigen Jugendstudie befragt zu Schule und erstmals auch zu Politik, zum eigenen Engagement oder den Erwartungen im Berufsleben. Die Aufschlüsselung der gut 2300 Teilnehmern offenbart eine Schieflage. Denn mehr als 80 Prozent der Befragten, die ihren Antwortbogen auch zurückgeschickt haben, besuchen ein Gymnasium oder eine Real-, aber nur sechs Prozent eine Hauptschule.
„Wichtige Rückschlüsse für die Jugend- und Bildungspolitik“ erhofft sich der Staatssekretär im Kultusministerium Volker Schebesta (CDU), „denn in der Jugendstudie geben uns die Schülerinnen und Schüler interessante Einblicke in ihr Leben.“ Deshalb seien auch zum ersten Mal überhaupt Fragen zum Thema Politik gestellt worden. Die Ergebnisse sind – trotz der Fridays-for-Future-Bewegung – überraschend. Denn einerseits geben 65 Prozent der Befragten an, dass ihnen politische Themen sehr wichtig oder wichtig seien, darunter wiederum mehr Mädchen als Jungen. Andererseits engagiert sich im eigenen Umfeld aber nur ein Fünftel tatsächlich, unter Gymnasiasten ist die Zurückhaltung übrigens am größten.

Deutliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

Ebenfalls auffällig ist der Geschlechterunterschied bei den Antworten auf Fragen zur Zufriedenheit mit der Demokratie in Baden-Württemberg. Denn nicht weniger als 28 Prozent der Jungen bezeichnen sich als unzufrieden, aber nur knapp 18 Prozent der Mädchen. Ein Grund dafür ist ebenfalls ausgemacht: 54 Prozent aller Schüler und fast 58 Prozent der Gymnasiasten bezeichnen „das jugendgerechte Angebot zur politischen Bildung“ als unzureichend.

Mit der Unterstützung bei der Berufswahl sind 38 Prozent der Jugendlichen nicht zufrieden, vor allem Haupt- und Werkrealschüler fühlen sich alleingelassen, während 60 Prozent der Gymnasiasten die Angebote für ausreichend halten. 2013 hatte die zweite Jugendstudie ihrer Art noch ausgewiesen, dass sich 60 Prozent der Jugendlichen und darunter vor allem Gymnasiasten mehr Orientierung erwarten. Der damalige Kultusminister Andreas Stoch (SPD) versprach, mit der Einführung des Fachs „Wirtschaft und Berufs- und Studienorientierung“ an Gymnasien, Real- und Gemeinschaftsschulen Abhilfe zu schaffen.

Fast 40 Prozent haben mindestens einen Elternteil, der nicht in Deutschland geboren ist

Fast 40 Prozent der befragten Jugendlichen haben mindestens einen Elternteil, der nicht in Deutschland geboren ist, gut 73 Prozent davon wachsen zweisprachig auf, 70 Prozent fühlen sind einer Religion zugehörig. Fast 80 Prozent der Schüler fühlen sich wohl in ihrem Klassenverband. Knapp 40 Prozent waren mit ihrer Klasse im Ausland, nur 15 Prozent haben allerdings an einem Schüleraustausch teilgenommen. Zehn Prozent geben an, überhaupt kein Geld für einen Aufenthalt im Ausland zu haben, und weitere 33 Prozent stehen dafür weniger als 500 Euro zur Verfügung.

Erholung vom Alltag wird schon in jungen Jahren mit einer Auslandsreise assoziiert. Gut 45 Prozent wollten „interessanterweise etwas Ungewöhnliches, Spannendes erleben“, schreiben die Autoren der mehr als hundert Seiten weiter, „wobei Mädchen deutlicher weniger Wert auf Erholung legen als Jungen und auch abenteuerlustiger und neugieriger auf fremde Kulturen sind“.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.