Jugendkirche muss sich neu aufstellen

Durmersheim (manu) – Wie geht es weiter mit der Jugendkirche? Vor dem Hintergrund der Strukturreform der Erzdiözese und des bevorstehenden Ruhestands von Dieter Janikovits stellt sich die Zukunftsfrage.

Pastoralreferent Markus Westermann. Foto: privat

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Pastoralreferent Markus Westermann. Foto: privat

Ende Februar geht Gemeindereferent Dieter Janikovits, Mitbegründer und Vater der Jugendkirche Via, nach fast 35 Jahren im Dienst für die Jugend als Hauptamtlicher in den Ruhestand. Über die Zukunft von Via vor dem Hintergrund der Strukturreform der Erzdiözese Freiburg sprach BT-Mitarbeiterin Manuela Behrendt mit Pastoralreferent Markus Westermann, der Via vor Ort sowie die Konzeptphase der Neuausrichtung betreut.

Außerdem ist Westermann bis zum Echtbetrieb der neuen nördlichen Großpfarrei auf der Rheinebene bis 2025/26 zusammen mit Pfarrer Ulrich Stoffers Teil des Projektkoordinationsduos, das an der Konkretisierung und Umsetzung der Reform arbeitet.

BT: Herr Westermann, stirbt die Jugendkirche Via ohne Dieter Janikovits als Motor und in Personalunion als Chef und Macher auf vielen Ebenen?

Markus Westermann: Auf gar keinen Fall! Motor ist jeder Ehrenamtliche, der mit Herzblut seinen Teil zu Via beiträgt. Klar ist: Via wird sich verändern, neue Dinge werden ausprobiert. Manches erweist sich dabei als zukunftsfähig, anderes nicht. Wenn jemand wie Dieter Janikovits, der über Jahrzehnte hinweg mit vollem Herzblut alles für Via gegeben hat, in den wohlverdienten Ruhestand geht, dann geht das nicht, ohne dass Veränderungen angestoßen werden. Sicher ist aber auch, dass wir Bewährtes zuverlässig weiterführen wollen.
BT: Wer übernimmt in der Post-Janikovits-Ära Leitungsfunktionen? Hat das vom Gemeindereferenten über Jahrzehnte aufgebaute Netzwerk weiter Bestand, sind also alle aktiven „Viantasten“ weiter mit dabei?

Westermann: Leitung ist für Via nur im Team denkbar. Hierzu gehört die Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Die offene Stelle des Gemeindereferenten wird nächstes Jahr ausgeschrieben und einen klaren Via-Schwerpunkt erhalten. Ich würde sagen, man kann sogar von einer Jugendkirche-Stelle sprechen. Die Frage, ob die Stelle besetzt werden kann, kann ich natürlich heute nicht beantworten. Sicher ist aber: Via soll auch in Zukunft personell gut begleitet sein. Dafür setzen wir uns ein. Die Entscheidung über eine weitere Mitarbeit bei Via, die muss natürlich jeder Ehrenamtliche selbst treffen. Ich bin aber guter Dinge, dass gewachsene Netzwerke Bestand haben und im Hinblick auf die neue Pfarrei auch neue Netzwerke hinzukommen.
BT: Via versteht sich aktuell als Dekanatsjugendkirche, ist in dieser Funktion angehalten, Kooperationen innerhalb des Dekanats einzugehen. Ist die Jugendkirche künftig in der neuen Großgemeinde ausschließlich ein Angebot innerhalb der Durmersheimer Pfarrei St. Dionys/Herz Jesu?

Westermann: Ich persönlich glaube, dass Via gute Voraussetzungen hat, um in der neuen Pfarrei eine wichtige und tragende pastorale Rolle zu spielen. Als Ort der Jugendarbeit für den nördlichen Teil der Pfarrei kann ich mir Via gut vorstellen. Hier gilt es aber, in den nächsten entscheidenden Jahren gute Verbindungen zu knüpfen. Da sind wir wieder beim Thema Veränderungen, denn diese Kooperationen werden Via verändern. Welche Position Via daher in der Pfarrei 2030 genau einnimmt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Dazu stehen wir noch ganz am Anfang dieses umfassenden Projekts.

„Es überwiegt der Tatendrang“


BT: Inwieweit ist die neue Großpfarrei in ihren Einzelgemeinden bereit, Via weitflächig als innovativen Bereich in der Jugendarbeit zu nutzen? Schotten sich hierbei die Einzelgemeinden ab aus Furcht, Kinder und Jugendliche an Via zu verlieren?

Westermann: Diese Frage zielt auf die Gestalt der neuen Pfarrei. Es ist in der Tat so, dass in den nächsten zehn Jahren im kirchlichen Raum Veränderungen stattfinden, wie es sie zu Lebzeiten noch nicht gegeben hat. Es geht nicht um eine bloße Vergrößerung der bisher bestehenden Seelsorgeeinheiten. Wenn wir es auf diese Weise sehen, scheitert das Projekt 2030. Es geht vielmehr um eine gesamte Neuausrichtung des kirchlichen Lebens mit der neuen Pfarrei als Verwaltungseinheit. Genau diese Tatsache macht das Projekt 2030 auch so herausfordernd. Es gibt keine Blaupause, vieles entwickelt sich im Prozess und nimmt eine Gestalt an, die wir heute noch nicht absehen können. Genau da liegt aber auch die Jahrhundertchance für die neue Pfarrei und ihre Gemeinden. Das Potenzial für wirkliche pastorale Innovation ist enorm. Wir sind dabei, unsere Kirche fit zu machen für die Zukunft. Von Abschottung spüre ich aktuell in den Gemeinden nichts. Vielmehr überwiegt der Tatendrang, zu kooperieren und Dinge auszuprobieren.
BT: In der zweiten Ausgabe des „Baustelle Kirche“-Talks sprach Dr. Tobias Speck vom erzbischöflichen Seelsorgeamt von einer „katholischen Weite“, die sich mit der Strukturreform bietet. Platz im kirchlichen Wirkungsbereich soll demnach sein für Ungetaufte, Konfessionslose ebenso wie Nicht-Katholische. Spielt Via dabei eine Rolle?

Westermann: Als Kirche stehen unsere Türen selbstverständlich offen. Für die Herausforderungen der Zukunft brauchen wir geradezu Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Unsere Gesellschaft ist vielfältig, davon können wir im kirchlichen Bereich als Teil dieser Gesellschaft lernen. Ungetaufte, Ausgetretene und Gläubige anderer Konfessionen bringen sich schon jetzt mit ihrem Können und mit ihrem Charakter bei Via ein.

Keine speziellen Wunschcharaktere


BT: Welche Qualifikationen sind erforderlich, um bei Via in einem projekthaften Engagement dabei sein zu können? Oft genug hört man die Äußerung, man „müsse ins Team passen“ oder „über Neuzugänge entscheidet das Team“. Wie sehen Wunschcharaktere und Mitmachattribute für unterschiedliche Via-Gruppen aus?

Westermann: Das Spektrum von Via ist so weit, dass man nicht von speziellen „Wunschcharakteren“ sprechen kann. Persönlich lasse ich mich von Menschen gern begeistern. Wenn ich merke, jemand brennt für eine Sache, strahlt positive Energie aus, dann zieht mich das mit. Darauf freue ich mich im Kontakt mit den Jugendlichen und Ehrenamtlichen am meisten.
BT: Bleibt St. Dionysius das Domizil von Via? Renovierung und Umbau für die Bedürfnisse von Via sind mit Kosten von gut 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Nur 38 Prozent können aus der Kirchensteuer gedeckt werden, 2,17 Millionen verbleiben folglich bei der Pfarrgemeinde.

Westermann: Die Finanzierung des Umbaus von St. Dionysius hin zu einer modernen Jugendkirche ist eine zentrale Frage. Wir sind dazu aktuell in regelmäßigen Gesprächen mit den zuständigen Stellen im Erzbischöflichen Ordinariat. Die Gespräche sind durchweg konstruktiv. Man merkt, dass allen Beteiligten der Wert von Via wirklich bewusst ist. Das Finanzierungsvolumen ist natürlich riesig. Sowas schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel. Neben all den Leistungen, die die Kirchengemeinde selbst bringen kann, ist immer noch ein enormer zusätzlicher Zuschuss der Erzdiözese notwendig, um das Projekt realisieren zu können. Hier sind wir dann wieder bei der Frage, welche Rolle Via in der neuen Pfarrei spielt. Vor Ort gilt es für uns nun, dies immer konkreter zu fassen, um plausibel zu machen, dass sich eine Investition in Via lohnt.

Im Zusammenhang mit der Strukturreform der Erzdiözese stellt sich auch die Frage, wie es mit der in Durmersheim angesiedelten Jugendkirche weitergeht. Foto: Manuela Behrendt

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Im Zusammenhang mit der Strukturreform der Erzdiözese stellt sich auch die Frage, wie es mit der in Durmersheim angesiedelten Jugendkirche weitergeht. Foto: Manuela Behrendt

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Erstellt:
28. September 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
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