Junge Ideen für die umgebaute Fruchthalle

Rastatt (sl) – Die städtische Galerie Rastatt will sich neuen Besuchergruppen öffnen und kooperiert mit der Karlsruher Hochschule für Gestaltung.

Unter anderem befassen sich die Studenten mit Ausstellungsdesign. Hier ein Entwurf der Studentin Wei Wang.  Grafik: Wei Wang

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Unter anderem befassen sich die Studenten mit Ausstellungsdesign. Hier ein Entwurf der Studentin Wei Wang. Grafik: Wei Wang

Dass er der „neue“ Leiter der städtischen Galerie Fruchthalle sei, hört Sebastian Schmitt nicht so gerne, denn inzwischen ist er ja fast ein Jahr im Amt. Und er hat auch schon Pflöcke eingeschlagen. Sein Ziel: Das Museum und Kunst für neue Besuchergruppen öffnen, aber auch hinaus in den öffentlichen Raum, in die Gesellschaft zu tragen.
Gelungen ist ihm das schon durch Mitmachaktionen auf dem Platz vor der Fruchthalle: Da konnte man zum Beispiel unter Anleitung des Chaos-Comic-Clubs zeichnen oder mit Näherinnen an einer überdimensionalen Picknickdecke ins Gespräch kommen.

Vor allem die Ausstellung von Lucia Mattes von der Kunstakademie Karlsruhe habe zudem junge Kunstinteressierte aus der Fächerstadt angelockt, berichtet Schmitt dem BT.

Die Verjüngung des Publikums ist nämlich ein weiteres Ziel des 37-jährigen Galerieleiters. Denn seien wir ehrlich: Bei Ausstellungseröffnungen (nicht nur in Rastatt) sind doch die silbernen Häupter in der Überzahl. Damit aber auch in 20 oder 30 Jahren noch Menschen in Galerien gehen, muss man sich jetzt etwas einfallen lassen, findet Schmitt.

Seminar als Ideenwerkstatt

Dabei will er sich nicht ausschließlich auf den eigenen Grips verlassen, sondern ist auf die Ideen gespannt, die der Nachwuchs mitbringt. In Zusammenarbeit mit der renommierten Hochschule für Gestaltung Karlsruhe sollen sie entstehen. Ideenwerkstatt ist dabei ein Seminar der akademischen Mitarbeiterin für Ausstellungsdesign und Szenografie, Hanne König, und des künstlerischen Mitarbeiters Philipp Schell. Aber auch Sebastian Schmitt selbst wirkt bei den Lehrveranstaltungen mit, außerdem werden unkonventionelle Gäste eingeladen wie eine Lach-Yoga-Lehrerin. Im Zentrum aber stehen Einfälle, Entwürfe und Konzepte der Studenten.

Im vergangenen Semester ging es um die Fruchthalle selbst, die ja derzeit umgebaut wird; fertig sein will man im Mai 2022.

Den Studenten möchte Schmitt nahebringen, „was Qualität und Herausforderung eines kommunalen Museums ist und wie die Weiterentwicklung eines solchen Hauses funktioniert, wie man Impulse probiert, aber auch wie man über die Fruchthalle hinaus Museum in den öffentlichen Raum und die Gesellschaft hinausbringt“.

Es geht um Vorschläge, wie man das Haus präsenter machen könnte. Dabei müssen die Studenten zunächst nicht so sehr auf die Realisierbarkeit achten, erst mal geht es um die Sammlung kreativer Ideen für das Haus.

Interessant findet Schmitt zum Beispiel die Idee einer Studentin, den Teppichboden der Fruchthalle, der im Zuge des Umbaus entfernt wird, für eine Skulptur weiter zu verwenden. Beeindruckt ist er außerdem von digitalen 3D-Modellen für die Innenraumgestaltung der Fruchthalle, wie sie die Studenten entwickelt haben. Ein weiterer Einfall sind Werbeplakate für die Fruchthalle nicht nur auf Deutsch, sondern in anderen Sprachen, die in Rastatt gesprochen werden.

Konzepte für ersteAusstellung

Im soeben begonnenen zweiten Semester entwickelt die Studentengruppe nun Konzepte für die erste Ausstellung nach der Wiedereröffnung. Sie befasst sich mit dem Thema „Schmunzeln“. Hier kommt dann unter anderem die Lach-Yoga-Lehrerin ins Spiel. Ausstellungskonzept, Besucherführung, gestalterische Zugänge sollen dabei aber genauso Thema sein wie weitere Mitmachangebote.

Einige der Gedankenspiele will Schmitt weiterverfolgen. „Es geht mir nicht darum, die Studierenden als billige Arbeitskräfte auszubeuten“, betont er. Im besten Fall werde etwas von den Ideen realisiert – im Rahmen Möglichkeiten und auch der Mittel.


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