„Junge Leute wollen mitbestimmen“

Varnhalt (tt) – Direktkandidaten Thomas Gönner (Grüne) spricht im Interview über seine politischen Ziele. Beispielsweise ist das 1,5-Grad-Ziel ist für den jungen Politiker nicht verhandelbar.

Thomas Gönner fühlt sich wohl in den Weinbergen um Varnhalt. Doch auch hier, sagt er, zeigen sich die Probleme der voranschreitenden Erderwärmung. Foto: Thomas Trittmann

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Thomas Gönner fühlt sich wohl in den Weinbergen um Varnhalt. Doch auch hier, sagt er, zeigen sich die Probleme der voranschreitenden Erderwärmung. Foto: Thomas Trittmann

„Das 1,5-Grad-Ziel ist für mich nicht verhandelbar“, sagt Thomas Gönner. Die Diskussion darum, ob es noch erreichbar sei, hält der 21 Jahre alte Grünen-Politiker für abseitig. „Scheitern wir, werden noch zu meinen Lebzeiten Hunderte Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil sie nicht mehr bewohnbar ist.“

Gönner ist der Kandidat der Grünen im Wahlkreis Rastatt. Er möchte in den Bundestag, weil er nicht damit einverstanden ist, „wie mit der jungen Generation umgesprungen wird“. Das gelte besonders, aber nicht nur für das Thema Klimaschutz.

Für das Treffen mit dem BT hat Gönner die Weinberge seines Wohnorts Varnhalt als Treffpunkt vorgeschlagen. Gründe dafür gibt es viele: Den Blick nach Frankreich, die Tatsache, dass er hier gern spazieren geht, dass er einen guten Weißwein zu schätzen weiß. Und: Weil sich auch im Weinberg das Megathema Klima bemerkbar macht. „Die Winzer bangen“, sagt er. Starkregen, Dürre, Hitze – die Weinbauern fürchten angesichts der Veränderungen um die heimischen Rebsorten, um ihre Erträge.

Es muss gehandelt werden beim Klimaschutz, das ist die wichtigste Aufgabe der neuen Bundesregierung, sagt Gönner. Die Gesellschaft sei zu schnellem Wandel imstande, wenn die Politik nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffe. Dazu gehörten viele Dinge, zum Beispiel der Ausbau des Radwegenetzes, die Förderung autofreier Innenstädte und der weitestgehende Verzicht auf den Neubau von Straßen. „Ein Kohleausstieg bis 2038 reicht nicht. Wir müssen früher aussteigen.“ Wer etwas anderes sage, der belüge die Menschen.

Gönner warnt vor einer „Neuen Rechten“

Gönner arbeitet als Schulbegleiter und studiert zugleich an der Fernuni Hagen Politik, Verwaltungswissenschaft und Soziologie. Auch sein Sitz im Baden-Badener Gemeinderat nimmt viel Zeit in Anspruch.

Ein Thema, bei dem er ebenso energisch wird wie beim Klimaschutz, ist der Rechtsextremismus. Es gebe eine Neue Rechte in Deutschland, warnt er, bestens vernetzt und in der Lage, „durch Eskalation der Sprache Menschen dazu zu bringen, Anschläge zu begehen – wie in Hanau oder Halle“. Den AfD-Mann Björn Höcke nennt Gönner einen „geistigen Brandstifter“, dessen Sprache den Attentätern von Utoya oder Christchurch ähnele. „Ein Fraktionsvorsitzender, der laut Gerichtsurteil ,Faschist‘ genannt werden darf – eine solche Situation hatten wir seit der Weimarer Republik nicht mehr.“ Zugleich sieht er die Brandmauer der Union gegen Rechts als sehr wacklig an. Dass Armin Laschet zum Thema Afghanistan zuallererst der Satz „2015 darf sich nicht wiederholen“ eingefallen sei, belege das, findet der 21-Jährige.

Gönners persönliches Ziel ist ehrgeizig. Er möchte bei Erst- und Zweitstimmen das beste Grünen-Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Mittelbaden erreichen. Mit Blick auf den von der Autoindustrie geprägten Wahlkreis sagt er: Diesen Industriezweig nachhaltig und zukunftsfähig zu machen, sei eine der größten Aufgaben.

Für mehr Bürgerbeteiligung

Der gebürtige Schramberger möchte überdies, dass es gerechter zugeht in Deutschland – etwa in Sachen Bildungschancen. Es gelte, Defizite in Sozial-, Jugend-, Arbeits- und Gleichstellungspolitik, die gerade durch die Corona-Pandemie zutage getreten seien, zu beheben.

Er will auch, dass die Stimme der Bürger wieder deutlicher gehört wird. Im Programm seiner Partei steht deshalb die Schaffung sogenannter „Bürger*innenräte“: Repräsentativ und paritätisch besetzte Bürgergremien, die zu konkreten Themen Position beziehen. Gönner fordert zudem eine Absenkung des Wahlalters auf 16: „Junge Leute wollen mitbestimmen, aber sie sind völlig unterrepräsentiert.“

Dass die Wähler in Mittelbaden ihn mit seinen 21 Jahren für zu jung fürs bundesdeutsche Parlament halten könnten, glaubt Gönner übrigens nicht: „Ich werde zwar auf mein Alter angesprochen – aber deutlich seltener, als ich es erwartet hätte.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Trittmann

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Erstellt:
5. September 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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