Junger Kammersieger aus Baden-Baden im Porträt

Baden-Baden (sga) – Bei Jan ten Hove ist der Beruf zur Berufung geworden: Der 24-Jährige ist Kammersieger als Behälter- und Apparatebauer. Das BT stellt ihn und seinen Lehrbetrieb vor.

Chef Christoph Bauer (links) ist stolz darauf, Jan ten Hove in seinem Familienunternehmen beschäftigen zu können. Foto: Sarah Gallenberger

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Chef Christoph Bauer (links) ist stolz darauf, Jan ten Hove in seinem Familienunternehmen beschäftigen zu können. Foto: Sarah Gallenberger

Was Jan ten Hove betrifft, hatte definitiv seine Oma ihre Finger im Spiel. Als sie 2017 an der Tankstelle steht, spricht sie Rudolf Bauer an und fragt ihn, ob er noch einen Auszubildenden sucht. Heute ist ihr Enkel fester Mitarbeiter in dem Edelstahlbetrieb – und noch dazu Kammersieger als Behälter- und Apparatebauer.

An dem Erfolg des 24-Jährigen ist die Großmutter somit maßgeblich beteiligt, hat sie ihm doch durch das Gespräch an der Tanksäule den Weg für seine berufliche Laufbahn geebnet. Doch geschafft hat der Baden-Badener es am Ende aus eigener Kraft und mit „einer Menge Talent“, wie Christoph Bauer findet.

Auf dem Tisch des Geschäftsführers von Rudolf-Bauer-Edelstahltechnik steht, eingefasst in einen Rahmen, ein amtliches Schreiben. Absender: Walter Carlein. Der ehemalige Bürgermeister von Baden-Baden hebt in seinen Zeilen das 1976 als Kupferschmiede gegründete Unternehmen hervor und hofft, dass sich in der regionalen Wirtschaft künftig noch mehr solcher motivierten Arbeiter finden lassen. Als Sohn des mittlerweile verstorbenen Firmengründers brennt in Christoph Bauer (seit 2006 Chef) die Leidenschaft für die Edelstahltechnik, „wir sind ein Familienunternehmen und leben das auch so“. Von einem hierarchischen Arbeitsverhältnis hält er nicht viel, stattdessen ist ihm die Nähe zu und zwischen den Mitarbeitern wichtig. Bei der Belegschaft scheint das gut anzukommen, immerhin hat fast jeder Angestellte zuvor seine Ausbildung in dem Unternehmen gemacht. Jan ten Hove ist ebenfalls „von der alten Garde“, lacht Bauer. Er sei bereits bei ihm beschäftigt gewesen, als das Unternehmen seinen Sitz noch im Flößerweg hatte. Gearbeitet wird seit fast vier Jahren im Neubau in der Flugstraße, „mehr Leute, größere Aufträge – wir haben einfach mehr Platz gebraucht“.

Immer aktiv: Die körperliche Arbeit gefällt dem Kammersieger gut. Foto: Sarah Gallenberger

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Immer aktiv: Die körperliche Arbeit gefällt dem Kammersieger gut. Foto: Sarah Gallenberger

Ob Entleerungsgitter, Lochblechfüllungen oder Laboreinrichtungen, das Einsatzgebiet der Rudolf-Bauer-Edelstahltechnik ist breit gefächert. Mittlerweile hat sich das Unternehmen als Behälter- und Apparatebaumeister auch auf internationaler Ebene etabliert. „Vom Töpfle klöpfe sind wir weit entfernt“, so Bauer. Die Kupferverarbeitung wurde fast vollständig durch Edelstahl abgelöst. Jan ten Hove gefällt die Vielfalt seines Berufs. Auch, „weil man sofort sieht, wo die Arbeit hingeht“. Es bereite ihm viel Freude, an verschiedenen Produkten beteiligt zu sein. Da ist die körperliche Tätigkeit, der er sich jeden Morgen ab 7 Uhr widmet, nur Nebensache.

Die Arbeit in der großen Halle ist nicht für jeden etwas, das weiß auch der 24-Jährige. Es ist laut, dreckig und anstrengend, „aber es macht Spaß, sich in den einzelnen Fertigkeiten zu verbessern“. Das Schweißen wurde zu einer Leidenschaft, die ihm nahezu in die Wiege gelegt wurde. Bereits als Kind fühlt er sich beim Werkeln mit seinem Großvater am wohlsten.

Sein großes Talent ist auch im Privatleben kein Geheimnis geblieben, nehmen doch immer wieder Freunde und Verwandte gerne die Hilfe des Kammersiegers in Anspruch – und das auf vielfältige und kreative Art und Weise. Aus Blech seien schon ein Rinderschädel und eine Wanne für Pflanzen entstanden, ein Geländer habe er ebenfalls schon gemacht. Seine Freundin hat zu ihrem Geburtstag auch etwas bekommen, „ich habe ihr einen Wolfskopf im Polygon-Stil gemacht“. Dass ihm seine Leidenschaft nun zum Kammersieger gemacht hat, erfüllt den Baden-Badener aber nicht nur mit Stolz. Das Jungtalent will die Chance nutzen, denn durch seinen Erfolg wird er bei einer Weiterbildung seiner Wahl unterstützt. Eine Überraschung ist sein Wunsch nicht: „Ich würde gerne den Schweißfachmann machen.“

Erfolgreiche junge Handwerker

Beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks werden jedes Jahr die besten Nachwuchshandwerker der Region gekürt. Und dieses Mal sticht hervor: Gleich sechs Unternehmen aus unserer Region können stolz darauf sein, erfolgreiche Auszubildende in handwerklichen Berufen in ihren Reihen zu haben. Beim Wettbewerb des Bezirks der Handwerkskammer Karlsruhe sind die jungen Leute ausgezeichnet worden und dürfen sich als erster, zweiter oder dritter Kammersieger bezeichnen. An diesem Leistungswettbewerb können junge Handwerker teilnehmen, die zum Zeitpunkt der Prüfung das 28. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Außerdem müssen sie im praktischen Teil der Gesellenprüfung die Note gut erreicht haben, erläutert die Karlsruher Handwerkskammer. Das BT nimmt den diesjährigen Wettbewerb zum Anlass für eine kleine Serie, in der die ausgezeichneten Auszubildenden und ihre Firmen vorgestellt werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
9. November 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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