Junger Schweizer Bariton debütiert in Karlsruhe

Karlsruhe (BT) – Der junge Schweizer Bariton Äneas Humm debütiert am Badischen Staatstheater im Januar in der Oper „Don Pasquale“. Er gilt als Wunderkind und hat auch ein Faible fürs Kunstlied.

Eher unbekanntes Repertoire: Die CD „Embrace“ hat Äneas Humm im Lockdown aufgenommen.  Foto: Felix Gruenschloss/Badisches Staatstheater

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Eher unbekanntes Repertoire: Die CD „Embrace“ hat Äneas Humm im Lockdown aufgenommen. Foto: Felix Gruenschloss/Badisches Staatstheater

Mit 18 feiert Äneas Humm sein Operndebüt am Stadttheater Bremerhaven in Peter Maxwell Davies‘ „Kommilitonen! Young Blood“ – gleich in seinem ersten Studiensemester an der Bremer Musikhochschule. Mit 22 geht es für zwei Jahre nach New York, wo er an der renommierten Juilliard School bei Edith Wiens seine Gesangsausbildung komplettiert.

Zurück in Deutschland gelangt der Schweizer Bariton (geboren 1995 in Richterswil am Zürichsee) als Ensemblemitglied ans Nationaltheater Weimar – dann kommt im Frühjahr 2020 der erste Corona-Lockdown und er wechselt in der noch laufenden Saison zum Badischen Staatstheater Karlsruhe. „Über den ersten Lockdown freute ich mich sehr, weil ich zuvor krank war und mich wegen des Konzertbetriebs nicht auskurieren konnte. Dann hatte ich endlich Zeit zu schlafen und meinem Körper diese wichtige Erholung zu gönnen“, sagt Humm rückblickend.

Aufgewachsen in einer schweizerisch-ungarischen Künstlerfamilie – der Vater ist Keramiker, der Onkel Schauspieler, der Großvater Bühnenbildner – wurde Äneas Humms Gesangstalent schon früh entdeckt und gefördert. Das Schweizer Fernsehen feierte den Hochbegabten als Wunderkind. Das Musikgymnasium in Feldkirch verlässt er ohne Abitur, weil er lieber Bach-Kantaten singt als sich mit Mathematik zu quälen. Humm möchte klassischer Sänger werden und setzt alles auf eine Karte – seine ungarische Gesangslehrerin Krisztina Laki bestärkt ihn darin und nimmt ihn in ihre Bremer Gesangsklasse auf. Und die Eltern lassen ihn guten Gewissens ziehen, weil sie seine Zielstrebigkeit erkennen. Dass seine kometenhafte Karriere durch die Pandemie erst einmal ausgebremst wurde, macht ihm keine Angst.

Coronabedingt bisher nur zwei kleine Rollen

Er ist froh, als Karlsruher Ensemblemitglied im Gegensatz zu vielen freien Kolleginnen und Kollegen ein festes Einkommen zu haben, auch wenn er sich am Haus noch kaum zeigen konnte. Eigentlich war mit ihm als Papageno, den er auch schon mit großem Erfolg am Theater St. Gallen gesungen hat, eine neue „Zauberflöte“ geplant und ein szenisches Faust-Oratorium von Schumann. Der frühere Intendant Peter Spuhler hatte ihn ans Haus geholt. Coronabedingt sang er bisher aber nur zwei kleine Rollen – den Perückenmacher im Vorspiel zu „Ariadne auf Naxos“ und Marco in „Gianni Schicchi“. Aber Humm fühlt sich wohl in Karlsruhe („Ich bin positiv überrascht. Ich liebe es auch, wie fahrradfreundlich die Stadt ist“) und im 24-köpfigen Opernensemble („Die Atmosphäre ist sehr gut. Wir haben eine stark frequentierte Chatgruppe und auch einen Stammtisch“). Außerdem schätzt er die sängerische Kompetenz der Operndirektorin Nicole Braunger.

Was den Umgang mit Spuhler angeht, der wegen Kritik an seinem Führungsstil vorzeitig aus dem Vertrag entlassen wurde, schlägt Humm nachdenklichere Töne an. „Ich finde es grundsätzlich wichtig, dass man im Guten auseinandergeht, wenn man Differenzen hat. Das ist leider mit Peter Spuhler nicht geschehen. Die Chance zum öffentlich sichtbaren, freundlichen Führungswechsel wurde verpasst – deshalb wird das Thema weiterhin auf diesem Haus lasten“, sagt Humm. Ansonsten hoffe er, dass das Theater mit der dreijährigen Intendanz von Ulrich Peters wieder an seine große Vergangenheit anknüpfen könne.

Jetzt freut sich der Bariton aber erst einmal auf sein Rollendebüt als Malatesta in der Neuproduktion von Donizettis „Don Pasquale“ am 22. Januar am Badischen Staatstheater Karlsruhe (19 Uhr, Großes Haus).

Kunstlied ist Humms zweite große Leidenschaft

Mit dem Kunstlied hat Äneas Humm neben der Oper eine zweite große Leidenschaft. Auf seiner bereits zweiten Lied-CD „Embrace“, die er mit der hawaiianischen Pianistin Renate Rohlfing mitten im zweiten Lockdown aufgenommen hat, zeigt der Schweizer bei eher unbekanntem Repertoire von Fanny Hensel, Franz Liszt, Viktor Ullmann und Edvard Grieg große interpretatorische Reife, erstklassige Textverständlichkeit und eine stimmliche Flexibilität, die staunen lässt. Da kann sich Humms weicher, warmer, perfekt geführter Bariton auch einmal zum metallischen Deklamieren härten wie in Franz Liszts „Vergiftet sind meine Lieder“ oder am Ende von Edvard Griegs „Ein Traum“.

Dass er mit dem Kunstlied auch neues Publikum erreichen möchte, zeigt sein Auftritt in der Karlsruher Hemingwaylounge im Herbst 2020 gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Hartmut Höll. „Meine Liederabende moderiere ich immer. Das Publikum ist viel aufmerksamer, wenn man mit ihm spricht. Dass Sänger nicht gerne reden auf der Bühne, finde ich völlig unverständlich. Als Papageno spreche ich mehr als dass ich singe.“

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Erstellt:
7. Januar 2022, 17:13 Uhr
Lesedauer:
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