Jungstörche aus brennendem Nest gerettet

Rastatt (ema) – Feuerwehrleute und die Vogelschützer Kevin und Pierre Fingermann haben zwei Jungstörche gerettet, nachdem ein Nest auf einem Strommast in Plittersdorf in Brand geraten war.

Mithilfe der Drehleiter können Feuerwehrleute und Kevin Fingermann die beiden Jungstörche aus dem Nest holen. Foto: pr

© Stephanie Hölzle

Mithilfe der Drehleiter können Feuerwehrleute und Kevin Fingermann die beiden Jungstörche aus dem Nest holen. Foto: pr

Dramatische Tierrettung in den frühen Morgenstunden des Mittwochs: Feuerwehrleute und die Rastatter Vogelschützer Kevin und Pierre Fingermann konnten zwei Jungstörche aus einem brennenden Nest auf einem Strommast in Plittersdorf retten.

Die Einsatzmeldung ging um 5.16 Uhr ein; gelöscht war der Brand gegen 6.30 Uhr. Die Polizei geht davon aus, dass ein Blitz in den Strommasten in der Kleinwäldelestraße einschlug, auf dem sich das Nest befindet. Über dem Ried hatte ein Gewitter getobt. Durch Funkenflug habe das Nest dann wohl Feuer gefangen. Eine stromführende Leitung hatte sich durch den Brand bereits gelöst und lag am Boden.

Um den Einsatz und die Rettung der zwei Störche zu ermöglichen, musste die Stromleitung abgeschaltet werden. Die Stadtwerke Rastatt waren daher neben Feuerwehr und Polizei ebenfalls vor Ort im Einsatz, um den Schaden zu beheben. Durch den Aufbau eines Provisoriums und Umschaltungen im Niederspannungsfreileitungsnetz waren nach etwa fünf Stunden alle Haushalte in den betroffenen vier Straßen wieder mit elektrischer Energie versorgt, so das Unternehmen.

Sauerstoffdusche nach Rauchgasvergiftung

Feuerwehrkräfte und das eingespielte Vogelschutz-Duo konnten zuvor die Tiere mithilfe der Drehleiter aus dem Horst holen. Sie sollen jetzt in der Auffangstation im Münchfeld wieder zu Kräften kommen. „Sie schweben nicht in Lebensgefahr. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut“, sagte Kevin Fingermann dem BT. Noch am Einsatzort bekamen die durch eine Rauchgasvergiftung verletzten Tiere eine Sauerstoffdusche im Fahrzeug der Retter; außerdem habe man die Schnäbel von restlichen Partikeln gereinigt.

Die beiden Jungstörche sind etwa zwei Monate alt und können noch nicht fliegen – im Gegensatz zu ihren Eltern, die offenbar rechtzeitig die Flucht vor den Flammen ergreifen konnten. Die Jungtiere leben vorerst in einer offenen Voliere und sollen noch am Donnerstag beringt werden, sagt der regionale Storchenbeauftragte Stefan Eisenbarth, den die Fingermanns beratend hinzugezogen haben. In etwa zwei bis drei Wochen, so die Schätzung, könnten sich die beiden Jungtiere wieder in der freien Wildnis bewegen.

Die vorerst angenommene Brandursache zieht Storchenexperte Eisenbarth in Zweifel: „Hätte tatsächlich dort ein Blitz eingeschlagen, wären die Tiere tot.“ Eisenbarth vermutet vielmehr einen Schmorbrand. Weil das von den Störchen mit allerlei Nistmaterial bestückte Nest durchnässt war und somit stromleitend wirkte, könnte es nach seiner Einschätzung zu einem Kurzschluss bei dieser Art Strommast gekommen sein.

Eisenbarth hat deshalb am Mittwoch bereits das Gespräch mit dem Technik-Leiter der Stadtwerke, Achim Steinberg, gesucht, um dafür zu werben, dass auf diesem Mast kein neues Nest ermöglicht werden soll. Aus Sicht des Storchenexperten würden damit alle gewinnen: Für die Tiere bestünde mehr Sicherheit; und der Energieversorger müsste nicht mit einem Stromausfall rechnen, den das Unternehmen finanziell belaste.

Nach den Vorstellungen Eisenbarths soll auf dem zur Stromversorgung genutzten Pfahl mit einem Bügel ein neuer Nestbau vereitelt werden. Stattdessen plädiert er für die Errichtung eines Ersatzmasts – in unmittelbarer Nähe, da die Störche „sehr nesttreu“ seien.

Die Stadtwerke signalisierten am Mittwochnachmittag bereits Zustimmung. Kommendes Jahr wolle man in unmittelbarer Umgebung einen extra Mast mit einer Plattform für die Störche aufstellen.


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