Jungwinzer bei Umweg geht neue Wege

Baden-Baden (cn) – Der 18-jährige angehende Winzer Jonathan Haus will im Gewann „Stich den Buben“ bei Umweg so ökologisch wie möglich arbeiten. Dabei helfen neuerdings auch eigene Bienen.

Jungwinzer Jonathan Haus bewirtschaftet seit diesem Jahr den Hang am „Stich den Buben“ naturverträglich. Foto: Christina Nickweiler

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Jungwinzer Jonathan Haus bewirtschaftet seit diesem Jahr den Hang am „Stich den Buben“ naturverträglich. Foto: Christina Nickweiler

Wer derzeit einen genauen Blick auf den Rebberg bei Umweg oberhalb des „Osterhasenhäuschens“ richtet, der entdeckt ein dreieckiges Feld, wo es grünt und blüht. Inmitten der Wiesenblütler stehen zwei Holzkästen. Emsig schwirren Bienen drum herum. Der Jungwinzer Jonathan Haus geht an der prominenten Lage „Stich den Buben“ neue Wege. Zum ersten Mal in der Geschichte des seit dem Spätmittelalter bekannten Rebgewanns werden 20 Ar des „Stich den Buben“ ökologisch bewirtschaftet.

Energie, Ideen und eine prominente Lage, das sind die drei Zutaten, die den Jungwinzer für seine Unternehmungen in Sachen Weinbau beflügeln. Ihm zur Seite steht sein älterer Bruder Mathias Haus. Eigentlich ist dieser von Beruf Raumausstatter, aber in den vergangenen Monaten hat er sich viel Wissen rund um Bienen erarbeitet. Er kümmert sich um die fleißigen Brummer. Jonathan Haus freut sich: „Bei uns hilft die ganze Familie mit.“ Was liegt dem 18-Jährigen in Sachen Weinbau am Herzen? Zunächst ist er bemüht, das Image der Weinbauern zu steigern. „Winzer sind keine Giftschleudern. Im Gegenteil, durch ihre Arbeit sind sie eng mit der Natur verbunden“, sagt er. Daher versucht er, in den Weinbergen so ökologisch wie möglich zu arbeiten. Als ersten Schritt hin zu einer umfassenden naturverträglichen Bewirtschaftung hat Jonathan Haus zwei Bienenstöcke mitten auf dem Hang platziert. Er möchte damit die natürliche Vielfalt voranbringen.

„Alte Reben“ als Slogan?

An vielen verschiedenen Wiesenblumen können die Bienen Nektar saugen. Damit sie recht lange von den Blüten zehren können, will der Winzer erst im Herbst den Hang abmähen. „Durch die spezielle Saat werde ich hier vorerst nichts unternehmen. Die Aussaat sollte schon so sein, dass das ganze Jahr etwas am Blühen ist“, sagt Jonathan Haus. Zurzeit sticht an dem Hang der Perserklee mit seinen violett farbigen Blüten, die so aufrecht wie eine Kerze stehen, besonders ins Auge. Lediglich zwischen den Gassen und an den Rebstöcken selbst, die rechts und links der Blumenwiese gedeihen, wird Jonathan Haus die Blühstreifen schneiden müssen. „Unter dem Stock muss ich mit einer Motorsense das Gras beseitigen“, erläutert er seine Vorstellung, wie er Platz schaffen will, damit sich die Rebstöcke voll entfalten können.

Neuerdings haben Bienen am Umweger Rebberg Einzug gehalten. Mathias Haus (rechts) ist für sie verantwortlich. Foto: Christina Nickweiler

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Neuerdings haben Bienen am Umweger Rebberg Einzug gehalten. Mathias Haus (rechts) ist für sie verantwortlich. Foto: Christina Nickweiler

Dick ist der Stamm der hier wachsenden Reben. Der Stamm verrät dem Betrachter, es müssen alte Reben oberhalb des „Osterhasenhäuschens“ sein. Eines ist für den jungen Winzer klar, mit Herbiziden wird hier nicht gearbeitet. Dass an den rund 40 Jahre alten Rebstöcken bis vor zwei Jahren noch regelmäßig chemische Substanzen angewendet wurden, mache sich heute noch am verminderten Wuchs beim Gras bemerkbar, erklärt Jonathan Haus und zeigt auf einen Verödungsstreifen. Daher macht nach seinem Dafürhalten eine dreijährige Übergangsfrist schon Sinn, wenn auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt werden soll.

Er weiß, auch beim biologischen Weinbau kommt beispielsweise Kupfer zum Einsatz. Kupfer sei eben ein Schwermetall, darum versuche er, mit weniger auszukommen. Ansonsten arbeitet Jonathan Haus mit natürlichen Mitteln wie Backpulver, Schwefel und Molke. „Wenn man durch die Reihen geht, sieht man, dass nicht gleich alles stirbt“, hat er die Erfahrung gemacht. Er ist davon überzeugt, dass die alten Spätburgunderreben sich in den nächsten Jahren erholen werden. Auf jeden Fall will Jonathan Haus sie behalten. „Alte Reben“, das wäre doch ein schicker Name für das Etikett, kommt ihm plötzlich eine Idee.

Wein mit persönlichem Etikett

Als weiteren Plan hat der Auszubildende, der im zweiten Jahr den Winzerberuf erlernt, nämlich, in Zukunft mehr Transparenz zwischen Weinerzeuger und Konsumenten zu schaffen. Dann beginnt er zu erzählen über sein Weinprojekt, bei dem Leute mehrmals im Weinberg unter Anleitung helfen und am Ende einige Kisten Wein mit persönlichem Etikett erhalten können. Jonathan Haus weiß, diese Methode der Transparenz ist zeitintensiv. „Aber diese Zeit möchte ich mir nehmen“, sagt er.

Seine Transparenz-Offensive lässt sich schon erkennen: Am Hang in Umweg und an einem in Neuweier, der erst vor wenigen Wochen hinzugekommen ist, informieren Informationstafeln, welchen Beitrag der Winzer zum Naturschutz leistet.

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Erstellt:
16. Juni 2021, 14:00 Uhr
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