KIT auf der Jagd nach den Corona-Viren

Karlsruhe (vo) – Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Covid-19. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat man deshalb den Aerobuster entwickelt.

Das Expertenteam des KIT um Professor Horst Hahn (stehend) mit seiner Neuentwicklung, dem Aerobuster.Foto: KIT

© KIT

Das Expertenteam des KIT um Professor Horst Hahn (stehend) mit seiner Neuentwicklung, dem Aerobuster.Foto: KIT

Wieder einmal ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Vorreiter in Sachen Forschung und Innovation. Beim aktuellen Beispiel hat die Erfindung gleich noch einen konkreten gesundheitlichen Nutzen in Corona-Zeiten. Gleich sechs Wissenschaftsbereiche waren an der Entwicklung des sogenannten Aerobusters beteiligt, ein Gerät, das sich auf die Jagd nach Viren und Erregern macht. Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Covid-19. Beim Atmen, Sprechen oder Husten verbreiten sich die winzigen mit Corona-Viren beladenen Tröpfchen in Innenräumen. Besonders betroffen sind Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Uni-Hörsäle, Arztpraxen oder Restaurants.

Es geht darum, diese Viren und andere Erreger möglichst schnell und effektiv zu eliminieren. Am KIT haben sich Wissenschaftler darüber Gedanken gemacht und jetzt eine Lösung präsentiert – den sogenannten Aerobuster. „Erste Ergebnisse zeigen, dass luftgetragene Modell-Viren zu nahezu einhundert Prozent inaktiviert werden können. Dabei ist der Aerobuster mit einem hohen Luftdurchsatz extrem leistungsstark und hat deutlich niedrigere Anschaffungskosten als handelsübliche Luftreinigungsgeräte“, sagt Professor Horst Hahn, Leiter des Instituts für Nanotechnologie, und einer der Erfinder des kompakten Geräts. Simulationen der Aerosolbewegungen in einem durchschnittlichen Klassenzimmer mit 20 Schülern hätten belegt, dass mit dem Gerät die Konzentration aktiver Viren in der Raumluft drastisch gesenkt und so die Ansteckungsgefahr dauerhaft erheblich vermindert werden könnte, sagt Hahn.

UV-C-Strahlung inaktiviert Viren

„Das gilt natürlich auch für alle anderen Bereiche mit viel Publikumsverkehr, wie Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Restaurants, Büros, Werkshallen oder öffentliche Verkehrsmittel sowie deren Wartebereiche“, betont Hahn. Überall dort könne die Apparatur von der Größe einer Stehlampe sowohl auf einem Ständer, an der Decke oder an der Wand montiert werden. „Die Vorrichtung besteht aus einem einfachen Metallrohr, einem Lüfter, wie er zur Kühlung von PCs eingesetzt wird, einem Heizmodul und einem Strahler, der ultraviolettes Licht einer bestimmten Wellenlänge aussendet“, so Hahn. Dessen Kollege Thomas Blank vom Institut für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik ergänzt: „Durch das Rohr wird die Luft mittels eines Lüfters angesaugt, dann werden die Aerosole getrocknet und die Viren mit UV-C-Strahlung inaktiviert – eine lang bewährte Technik zur Desinfektion.“ Die Abwärme könne zum Heizen der Räume genutzt werden.

Die Experten sind sich darin einig, dass der Aerobuster auch eine Investition in die Zukunft sei, denn er könne langfristig im Kampf gegen zukünftige Pandemien oder bei der jährlichen Grippewelle eingesetzt werden. Als nächsten Schritt wollen Hahn und seine Mitstreiter aus zahlreichen anderen Instituten des KIT nun 100 Prototypen bauen und diese selbst vor Ort weiter testen und optimieren. „Mit einem geeigneten Partner aus der Industrie könnten binnen weniger Wochen 10.000 Stück verfügbar sein“, schätzt Hahn. Zusammen mit seinen Kollegen hofft er zudem auf Interesse und verstärkten Rückenwind aus der Politik.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.