KIZ könnte viel mehr leisten

Baden-Baden (fk) – Das Kreisimpfzentrum Baden-Baden hat Bilanz gezogen: Die Abläufe funktionieren, genügend Personal und Ärzte sind vorhanden. Das Manko bleibt der fehlende Impfstoff.

Nicht viel drin: Stark gekühlt lagern die begehrten Impfstoffe von Biontech im Kühlschrank des KIZ in Baden-Baden. Foto: Frank Vetter/BT

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Nicht viel drin: Stark gekühlt lagern die begehrten Impfstoffe von Biontech im Kühlschrank des KIZ in Baden-Baden. Foto: Frank Vetter/BT

Baden-Baden – Jürgen Jung ist froh, wenn der Kühlschrank voll ist. Aktuell ist er aber ziemlich leer – und das ändert sich auch nächste Woche nicht grundlegend. Klingt irgendwie nach einem Junggesellenhaushalt, ist aber die Realität im Kreisimpfzentrum (KIZ) im Kurhaus Baden-Baden. Abgesehen vom Mangel an Impfstoff sind die Verantwortlichen um Chef Jung exakt drei Monate nach der ersten Impfung im Kurhaus aber zufrieden mit den Abläufen. Und irgendwie auch ein bisschen Stolz auf ihre Arbeit.

Zurecht. Stand Mittwoch – am Donnerstag wurde nicht geimpft – wurden im KIZ im Kurhaus und durch zugeordnete mobile Impfteams 27.787 Impfungen verabreicht; 21.497 Erstimpfungen und 6.290 Zweitimpfungen. Exakt 4.801 Personen waren an ihrem Erstimpftag 80 Jahre und älter, weitere 4.319 Menschen hatten das 70. Lebenjahr überschritten. Das sei, so Jung, eine sehr gute Quote in Anbetracht dessen, dass knapp 5.000 Menschen über 80 Jahren im Stadtkreis Baden-Baden leben. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass das KIZ im Kurhaus natürlich nicht nur Baden-Badener impft, sondern auch viele Menschen etwa aus dem Murgtal oder dem Rastatter Raum. Eine Zuordnung zum Wohnort bei der Impfung gibt es nämlich nicht – nirgends.

60.000 Impfungen wären möglich gewesen

Doch auch hier bleibt der Wermutstropfen, für den das KIZ-Team freilich nichts kann: „Wäre immer ausreichend Impfstoff da gewesen, hätten wir schon über 60.000 Impfungen zu Buche stehen“, so Jung. So sei anfangs nur an zwei Tagen geimpft worden. Auch nächste Woche sieht es wieder mau aus. Das KIZ bekommt kein Astrazeneca geliefert, nur Biontech; entsprechend wenige Impfungen sind verhältnismäßig möglich. Insgesamt wurde in den vergangenen drei Monaten 11.860 Mal Astrazeneca verimpft und 15.927 Mal Biontech.

Hinzu kommt: „Den Impfstoff von Moderna hat hier überhaupt noch nie jemand von uns gesehen. Den bekommen nur die zentralen Impfzentren“, sagt Jung. Die Hoffnungen ruhen dementsprechend auf dem kommenden Quartal, in dem die Impfstoffmengen deutlich ansteigen sollen und auch auf weiteren Impfstoffen, etwa dem Präparat von Johnson & Johnson, das kürzlich von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen wurde.

Und dann ist da noch das Problem mit den Buchungen. Doch auch hier das gleiche Dilemma. Das System läuft zentral, ist eigentlich gar nicht für die Massen an Menschen, die sich anzumelden versuchen ausgelegt; in Baden-Baden hat man keinen Einfluss darauf – sieht aber zuletzt deutliche Verbesserungen – auch wenn das Hin- und Her mit den Altersvorschriften speziell bei Astrazeneca die Terminvergabe zuletzt noch zusätzlich erschwert habe. Den Verwaltungs- und Prüfaufwand vor Ort deutlich verkleinern würde indes die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angedeutete Aufhebung der Priorisierung im Juni.

Keine Personalprobleme

Fakt bleibt. Das KIZ ist bereit, wartet nur auf Impfstoff, um voll loslegen zu können. Das KIZ verfügt über einen Pool aus 149 Mitarbeitern für die Verwaltung und 294 Ärzten und medizinischem Personal, die in Schichten loslegen könnten. Allein an einem Impftag, der um 8 Uhr beginnt und um 22 Uhr endet, seien bis zu 60 Personen im Einsatz. Genauso viele könnten pro Stunde geimpft werden, so Jung. Baden-Baden sei damit eines der wenigen Impfzentren ohne Personalsorgen. Die ärztliche Leitung hat Ingo Wiedenlübbert – selbst niedergelassener Arzt, wie viele, die im KIZ arbeiten. Unterstützt wird man von Kollegen aus dem Klinikum Mittelbaden und teils auch bereits von Ärzten im Ruhestand.
Worüber Jung und alle anderen Verantwortlichen nur müde lächeln können, sind Aussagen auf Facebook, nicht verbrauchter Impfstoff würde weggekippt. Das sei völliger Quatsch. Bleibe tatsächlich mal etwas übrig würden Menschen von einer speziellen Liste abtelefoniert – etwa Menschen, die bereits einen Termin hatten, diesen aber nicht antreten konnten, weil die Coronaimpfung dann zu nah an einer anderen Impfung oder einer überstandenen Coronainfektion gelegen hätte, so Jung.

Ärgerlich sei in dem Zusammenhang, dass es schon vorgekommen sei, dass Menschen, das Gerücht verbreitet hatten, dass Impfstoff übrig sei und jeder, der rechtzeitig komme, sich impfen lassen könne. „Das ist nämlich nicht so und das gibt es auch nicht. Wir müssen dann Hunderte Menschen wieder nach Hause schicken“, so Jung.


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